Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.


FACTS2.0 für den BIG BROTHER AWARD nominiert

∞  14 Oktober 2008, 10:25

Das letzte halbe Jahr hat Kraft gekostet. Also habe ich mich bewusst von den Wirren rund um FACTS2.0 gelöst. Manchmal nehmen die Dinge von allein viel eher ihren Lauf…

Und nach allem Ausgestandenen darf der Hinweis hier schon sein:

Heute erfahre ich, dass FACTS2.0 für den Big Brother Award 2008 nominiert worden ist.

Es geht dabei um die Praxis der Forenbetreiber, PN’s, die User unter einander austauschen, mit zu lesen, ohne dass den Nutzern dies bewusst wäre. In der Regel ist das sehr schwer zu beweisen. Hier war das offensichtlich anders. Sonst wäre die Nomination wohl nicht zustande gekommen.

Wie weit das Verhalten der Betreiber strafrechtlich relevant sein mag, ist für die Nomination nicht allein entscheidend. Ganz sicher aber ist die Praxis der FACTS-Betreiber nicht mit einem leisen Hinweis in den AGB’s zu rechtfertigen, schon gar nicht, um eine scheinbar ganz allgemein übliche Praxis zu begründen.

Auf weitere Berichte / Meinungen / Ergebnisse bin ich gespannt und werde hier allenfalls darauf verweisen.


°


[Bildquelle: europa-transparent.eu, ganz offensichtlich kann man sich wehren, wenn auch nur symbolisch (?). ]




abgelegt in den Themen
FACTS2.0
und
Gesellschaft



Das Ungeheuerliche schleicht sich oft unbemerkt vorbei, aber nicht immer


Unterschreiben Sie einfach mit Ihrer Meinung

∞  9 September 2008, 21:57

Und wieder wird debattiert über die Misskultur anonymer Web-Auftritte. Die Scheinkultur der Debatte hingegen ist offensichtlich, wenn man sich nur lange genug anhört, oder anliest, was da alles vorgebracht werden mag…


Bei medienlese.com war in diesen Tagen eine neue Debatte zum alten Thema Anonymität im Netz und speziell in den Kommentarfunktionen zu verfolgen.

HALT. Bevor Sie dahin klicken, möchte ich Sie vorwarnen. Es geht auch da wieder um die leidige FACTS2.0-Geschichte. Unter anderem. Darum fasse ich hier zusammen, was mir AUSSERHALB dieser speziellen Debatte auffällt:

Niemand diskutiert leidenschaftlicher über die Notwendigkeit, im Netz immer mehr Klarnamen in Kommentaren zu verlangen, wie Medienschaffende, die sich etabliert haben (oder es glauben) und auch im Internet journalistisch unterwegs sind oder dort ihr Blog haben. Ihr Credo:

Wer guten Willens ist und ehrlich, kann in unserer Gesellschaft alles sagen, und wenn er sich vor den Konsequenzen fürchtet, so sollte er sich vielleicht wirklich überlegen, ob es dafür gute Gründe gibt. Nein, nicht für die Furcht vor nicht so entspannten Kritikern der eigenen Meinung, sondern für das eigene Schweigen. Tenor: Wenn Du nicht Held genug bist, hinzustehen und Deine Meinung zu unterschreiben, so schweigst Du besser, weil Du keine Wahrheiten verkündest, die ja doch unangreifbar sind…

So überheblich arrogant kann nur argumentieren, wer sich zu einer Elite des Internets zählt. Es ist, abgesehen davon, eine furchtbar intellektuelle Diskussion, die schon angesichts eines ganz einfachen Beispiels ad absurdum geführt wird:

Nehmen wir mal an, dass Sie sich in einer grossen Firma für eine Anstellung bewerben. In solchen Häusern passieren die Dossiers vor der Auswahl der Kandidatengespräche nicht nur das Chefpult der Abteilung, in der Sie arbeiten. Nein, da gibt es auch einen Personalchef, kurz, Personen, die ihre Prinzipien und Richtlinien haben – und die müssen nicht unbedingt immer im Firmen-Leitbild stehen.

Wer garantiert Ihnen, dass in diesem Prozess nicht ein strammer SVP-Soldat ein bisschen nach Ihnen googelt und dann seine Schlüsse zieht, wenn er Ihre SVP-kritischen Kommentare in Blogs liest? Und in der Folge Ihr Dossier nach hinten schiebt…?
Theoretisch? Unwahrscheinlich? Vielleicht. Eher wohl: Einfach (noch) selten. Aber prinzipiell möglich und in 99% der Fälle, in denen es tatsächlich vorkommt, für genau die Herren Journalisten, die hier so grossartig plädieren, dann doch kein Thema.

Es ist doch bezeichnend: Dutzende von Kommentaren von Medienschaffenden zur Identität des eigenen Auftritts – und kein einziger von ihnen nimmt die im gleichen Thread erwähnten konkreten Verstösse gegen den Auftritt unter eindeutiger Identität auf und hält den Finger drauf.

Dafür finden sich zum Thema anonyme Kommentare an jeder Ecke die Formaltheoretiker ein, die herzlich gerne um der Debatte willen wieder endlos diskutieren wollen.
Die Zeit wäre besser investiert, man würde tatsächliche Missbräuche weniger hinnehmen und dagegen dann wirklich gezielt vorgehen. Auch per Recherche.

Stattdessen bleibt man lieber allgemein – um dann selbst zugeben zu müssen, dass man unter Klarnamen Insider-Kommentare von betroffenen Journalisten zu abgebrochenen Medienprojekten ganz sicher nicht bekommen hätte.

Das Schönste für mich bleiben dabei meine Leser:

Während in dieser Diskussion angefügt wurde, dass alle Blogs Probleme mit anonymen Kommentaren haben und diese in ihrer Qualität weit hinter jenen mit identifizierbarem persönlichem Profil zurück bleiben würden, habe ich diese Probleme nicht. Ich kann beim besten Willen keinen qualitativen und vor allem auch charakterlichen Unterschied zwischen Dirk Deimeke und den Strandsteinen entdecken: Die Kommentare sind einfach so verschieden wie die Menschen dahinter, in jedem Fall aber aufrichtig, weil sie wirklich etwas mitteilen wollen.

Woran das liegen mag? Ich glaube, es ist schlicht nicht spannend genug, reflektierende Beiträge, die nicht polemisieren wollen um der Aufregung willen, zu sabotieren. Oder liege ich da falsch? Liegt es vielleicht auch daran, dass man selbst, als Blogbetreiber, demonstrieren kann, dass man mit Kritik umgehen und kritisch gegen sich selbst sein kann? Wie auch immer. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie aufmerksam lesen und besonnen kommentieren. UND kritisch. Nur so profitiere ich ganz direkt wieder davon. Von Ihnen. Und ich werde Sie als “Lieschen Müller” oder “Jammerhexe” grundsätzlich ernst nehmen. Bis Sie mir die Chance dazu nehmen. Durch sich selbst disqualifiziernden Inhalt. Dass ich dann zur Löschtaste griff, ist in fast vier Jahren Blogunterhalt an einer Hand abzuzählen.


[Bildquelle: infobib.de



Beitrag abgelegt in Themen
Zum Blog[gen]
und
FACTS2.0


American Way Of Life – oder das, was davon übrig bleiben kann…


Mehr Energien für Begegnungen bitte!

∞  7 September 2008, 00:41

Aus einem Mail, das ich heute Abend erhalten habe und das wunderbar treffend die künstliche Aufregung demaskiert, mit der wir uns immer wieder an den gleichen Themen reiben können in unserer schönen virtuellen Internetwelt.
Der Kommentar bezieht sich auf die Verve, mit der im Internet immer wieder Web-Evangelisten die Diskussion über anonyme oder pseudonyme oder offene Internet-Auftritte neu aufgreifen können:


Mein erster Gedanke – was für verschwendete Energie …

Die man vor 100 Jahren vielleicht noch darauf verwendete, um von einem Ort zum anderen zu gelangen – um dort einen Abend lang gepflegte Konversation bei lieben Gastgebern zu betreiben.



Das war dann aufregend genug, während sich heute manche bemüssigt fühlen, Regeln für verbindliche Auftritte im Netz aufzustellen, um im Anschluss dann massgebliche Antworten über das eigene Verhalten schuldig und damit höchst virtuell zu bleiben… (in den Kommentaren zu diesem Artikel bei medienlese.com von Mathias gestellt, und bis dato unbeantwortet geblieben).




Beitrag abgelegt in den Themen
Bunt Gemischtes
und
FACTS2.0



Pseudonym ist nicht synonym für anonym

Künstlich aufgeregt oder ehrlich betroffen?

∞  30 August 2008, 15:57

Von etwas nichts wissen wollen, heisst nicht, dass wir davon nicht betroffen wären oder damit nicht auch unsere Stimme abgäben. Wir mögen allenfalls verzweifeln ob all der Dinge, die wir nicht beeinflussen können, oder zuwenig. Dennoch bleibt uns keine andere Wahl, als an unserem eigenen Ort unseren festen Standpunkt einzunehmen.




Ich erinnere mich gerade an ein langes Gespräch, das ich mit Thinkabouts Wife auf dem Weg vom Aegerisee nach Sattel zurück führte. Wir unterhielten uns über den Sinn oder Unsinn von immer wiederkehrenden Wortmeldungen zu FACTS2.0 oder anderen eigentlichen Randthemen, zu denen man sich durchaus so stellen kann: Was interessiert es die Welt und was soll es mich weiter beschäftigen? Es ist eine Randepisode in einer speziellen virtuellen Welt, die man dem Grossteil der Menschen (ich würde durchaus sagen: glücklicherweise) erst erklären muss, und darum kann man das Thema sehr wohl ad acta legen, zumal mam sowieso nur Gefahr läuft, bald mal als verschroben abgestempelt zu werden, als endgültig verlorener missmutiger Verlierer oder zumindest als einer, der keinen noch so kleinen Nasenstüber verträgt und sich in seiner verletzen Eitelkiet aufplustert wie ein Hahn, der seinen Kamm stellt, obwohl er längst kein Huhn mehr damit abbekommen mag. Der möglichen Deutungen sind gar viele genug , und keine mag einem zum Vorteil gereichen. Die Frage ist auch berechtigt: Warum? Sie muss aber von mir selbst beantwortet werden, und im Grunde nur von mir selbst. Und nicht danach, ob und wie das wirkt, was ich schreibe. Oder nicht nur. Denn die eigentliche Frage ist doch: Was ist mir der innere Gehalt einer Sache wirklich wert?

Alle Welt schreibt über Politik, über die Rolle der SVP, die Globalisierung. Keiner hört damit auf, weil er so ehrlich wäre, einzusehen, dass er nichts damit ändert. Das ist auch nicht die Frage. Die lautet allenfalls: Schreibe ich, weil ich der Aufmerksamkeit der Leute nach dem Munde texte, oder schreibe ich, um die Aufmerksamkeit wach zu halten, eine Achtsamkeit zu fördern? Keine Frage, welche Motivation ich besser finde, nicht wahr, und Sie auch?Und keine Frage, welche Motivation mehr Druckerschwärze abbekommt, nicht wahr?

Max Frisch schrieb in seinem “Tagebuch 1946-1949”:

Wer von Politik nichts wissen will, hat seinen politischen Beitrag schon geleistet: er dient der jeweils herrschenden Partei.

Nur darum geht es. Anschreiben nicht gegen das eigene Gewissen, sondern mit dem eigenen Gewissen, gegen das, was man verraten oder gefährdet sieht. Zum Beispiel die Persönlichkeitsrechte. Und die liegen mir eben näher, wenn es um FACTS2.0 geht, als Ihnen – für sie liegen jene in China vielleicht näher. Scheinbar. Bis sie selbst in einem Forum auf ähnliche Probleme stossen. Und betroffen sind. Und vielleicht keine Stimme haben. Weil diese nicht vorhanden sind – und also den Machenschaften jener dienen, die tun, was sie nicht lassen müssen. Weil eben stumme Stimmen immer zustimmen. Das gilt für alles, was um uns herum geschieht, was wir wahrnehmen und hinnehmen, in unserer Trägheit der satten Bäuche.


Beitrag abgelegt in Themen
Zum Bloggen
und
FACTS2.0

Ein kuragiertes Pieps übertönt keinen Bums, aber es lässt das eigene Herzen pochen

Wohin schubst sich FACTS2.0?

∞  20 August 2008, 20:44

Ein S-Bahn-Schubser klärt sich auf – und schubst die Fragen zu FACTS2.0 wieder an. Denn die Redaktion macht, was sie schon immer tat: Sie laviert und manipuliert weiter und sortiert die entsprechende Berichterstattung aus. Kunststück, denn wenn man bei FACTS2.0 nachlesen und nach der Ursprungs-Geschichte forschen möchte, wird man den Blick-Artikel nicht finden…

Am 18. Juli berichtet Blick-Online über eine tätliche Auseinandersetzung im Bahnhof Stadelhofen, bei der zwei Jugendliche einen Passanten verprügeln, ihn verletzt aufs Bahngeleise stossen und liegen lassen.
Der Artikel wird bei FACTS2.0 diskutiert, eingeleitet durch einen xenophoben Kommentar eines gewissen “robertintrio”, der die viel zu nachsichtige Behandlung krimineller ausländischer Jugendlicher in der Schweiz kritisiert. Obwohl der Blick-Artikel keinen Hinweis darauf liefert noch eine Spekulation in die Richtung enthält, es könnte sich um Ausländer gehandelt haben, bleibt der Kommentar online. Eine profilierte Userin, die der Xenophobie des Kommentators mit einem pointierten Gegenkommentar begegnet, wird von einem Redaktor ein Verstoss gegen die Netiquette vorgeworfen.

Der Keeper of the FACTS, Chris Lüscher, greift zum Rundumschlag und hält in einem Kommentar fest, dass seine Redaktion durchaus den Auftrag habe, “gegen einen alten linken Reflex vorzugehen, der sehr schnell eine Diffamierung tolerieren würde, wenn es die falsche politische Meinung zu korrigieren gälte”.

Gestern nun ist auf Blick Online berichtet worden, dass die jugendlichen Täter verhaftet worden sind: Es handelt sich… um zwei Schweizer.

Der Artikel wurde zwar durch die FACTS-Software aggregiert und kann da auch gefunden werden, die Redaktion hat ihn und jeden anderen Artikel dazu aber durchflutschen lassen.
Irgendwie ist es ja auch peinlich, denn das Gegenstück, der oben erwähnte Artikel über die Straftat, ist bei FACTS2.0 nicht mehr zu finden. Er ist – mit samt dem ganzen Thread gelöscht worden.
Wie schon berichtet wurde.

Das Lavieren der Redaktion mit Schlagseite nach rechts zieht sich also fort. Es darf weiter spekuliert werden, ob man hier nur regelmässig dem Hang nach etwas Provokation erliegt und diese eher am rechten als am linken Rand ansiedelt, weil das mehr Erfolg verspricht, oder ob auch eine Gesinnung dahinter steckt, die entsprechende Sympathien mit einem zusätzlich eigenmächtigen bis herrischen Umgang verbindet.

Und warum eigentlich habe ich in der ursprünglichen Berichterstattung “robertintrio” durch das zusätzlich verschleiernde Synonym “Rix” geschützt? Wer weiss denn schon, wessen Kind robertintrio ist, so rein virtuell?


—-


[Bildquelle: Eine Buchempfehlung, politisch absolut korrekt:
Fabi, der schnellste Rechtsaussen der Welt, empfohlen ab sieben Jahren bei kaleidoshop.de ]


—-


Update 21.08.08

Wissen Sie, irgendwie gehen mir diese FACTS2.0-Geschichten schon längst auf den Keks, wie Ihnen wohl auch. Umgekehrt ärgert es mich auch nach wie vor, wie es möglich ist, dass sich ein paar Web-Evangelisten so austoben können (dürfen), auf Kosten Dritter.
Andere gehen das Thema mit sehr viel mehr Humor an, deswegen empfehle ich Ihnen zum Abschluss die Beschäftigung mit Zappadongs Waschmaschine, und gebe ein Versprechen ab: Ich werde es zukünftig auch von der eher lockeren Seite nehmen und es flockig zu besprechen versuchen, gemäss dem schmusigen Geblubber einer Waschmaschinen-Schongang-Wohlriech-Tinktur für Textilien aus der Abteilung “heiss geliebt und umsichtig gepflegt”.


Beitrag abgelegt in Themen

FACTS 2.0
und
Zum Blog[gen]


wie kann man sich nur so verkrampft ins Abseits löschern

10 Wege, wie Zeitungen die Qualität der Kommentare steigern könn(t)en

∞  30 Juli 2008, 18:01

Der Dr. Bugsierer hat einen sehr treffenden Vergleich gebraucht, um Qualität und Atmosphäre von Kommentaren in grossen Online-Medien zu beschreiben:



in den kommentarspalten der grossen nachrichtenportale, da fühlt man sich eher wie in einem hallenstadion, wo jeder seinen senf dazu gibt, aber keine wirkliche debatte entsteht.


In der Tat ist die Qualität der Kommentarspalten auch bei Qualitätszeitungen allzu oft unterirdisch, und man mag sich gar nicht durch die von den höchst verschieden motivierten Ressentiments und Lebensenttäuschungen geprägten Frust-Kommentare hindurch wühlen, bis man mal auf einen überlegt reflektierenden Kommentar stossen mag. Eine Moderation mag man dabei auch nicht erkennen, sie ist allenfalls technisch gegeben, indem eine Anmeldung vorgeschrieben ist oder Kommentare erst geprüft werden, bevor sie lesbar sind. Ein Dialog in jedem Fall, findet nicht statt. FACTS2.0 hat gerade darin eine eigene Stärke entwickelt, dass hier führende Newsquellen in einer Umgebung diskutiert werden konnten, in der sich Redaktoren und Nutzer gegenseitig Gewähr boten, dass die Diskussionen konstruktiv, pointiert und facettenreich geführt werden konnten. Und manchmal war da auch der Verfasser selbst greifbar, der angesprochen und befragt werden konnte – zumindest wenn das ein Blogger war.


Gegenstand hier soll nun nicht ein weiterer Aufwasch der Probleme bei FACTS2.0 sein, sondern ein Artikel, auf den ich heute via turi2.de gestossen bin: Derek Powazek stellt zehn Punkte vor, mit denen Newsportale die Qualität Ihrer Kommentare entscheidend verbessern könnten. Im Gegensatz zu Leserbriefen in den Holzmedien gibt es dafür nämlich durchaus taugliche und auch lautere Möglichkeiten. Interessant, was Powazek anführt. Ich mag ein paar Dinge herausgreifen:

1. Anmeldung erforderlich


Anonymity is important in journalism, but not for comments.
[…] there is no reason, really no reason at all, to allow people to post comments without having to first sign up for an account.
Simply requiring an account will remove 80% of your comment problems. If allowing anonymity is important, you can allow the user to remove their name on a specific comment, while still requiring them to be logged in. (In other words, the user must log in so the system knows who they are, but they can opt to leave a comment as “Anonymous” if they choose. Anonymous comments could then be held in a special moderation queue for approval to guard against any bad uses.)


Und schon ist oder wäre man eine ganze Menge Probleme los:
Dem System und damit der Administration ist die Identität des Users bekannt. Die Administration achtet auf Seriösität im Umgang mit diesen Daten – der Standard ist hinlänglich bekannt. Die Anlage sieht damit vor, dass jede Person nur einmal angemeldet ist – so weit dies sinnvoll kontrollierbar ist durch das System (IP-Adressen etc). Sehr schön auch die vorgeschlagene Variante eines gleichwohl anonymen Kommentars, der qualifiziert zu moderieren ist.


2. Formuliere Regeln und setze sie durch



[…]enforce the rules. Delete bad comments and publicly promote the ones that are great. There’s a common misconception that moderating comments makes you more liable. This is not true. […]


Kommentare zu moderieren, hervorzuheben oder zu löschen ist nicht per se falsch. Es ist auf jeden Fall besser, als vorschnell einen ganzen Account zu löschen. Hinzu kommt, dass auf diesem Weg kommuniziert werden kann, was geht, und was nicht. Die Kommentierer können ein Gefühl dafür entwickeln, welcher Diskussionsstil gewünscht ist und welche Atmosphäre sein darf. Die Verantwortlichkeit als Publikationsorgan mag in den verschiedenen Ländern unterschiedlich sein., aber die Maxime dürfte gelten: Eine Nicht-Moderation macht den Betreiber sicher nicht unangreifbarer ins seiner Verantwortung für die Kommentare.


3. Beschäftige einen Community Manager


If you can’t name your community manager, it’s probably you.
You wouldn’t let a writer put their work in the paper without having someone check it, so why let commenters do so? If you’re going to have people posting comments to your site, it should be someone’s job to moderate them. Think of them as the editor of the Comment Desk.
You don’t have to read every comment before it goes online, but it should be somebody’s responsibility to remove any comment that runs afoul of the posted community guidelines. Like graffiti in an urban space, bad comments lead to more bad comments. But the Community Manager should be more than a cop – they should be a vital connection between the staff and the community. They should lead the community by example, participating in the discussion and being helpful, and also do a daily “community weather report” for the staff, feeding the community’s input back into the newsroom.


Was hier beschrieben wird, ist der gewünschte Idealfall: Eine spezielle Position, die zwischen Moderation und kommentierenden Lesern steht und nach beiden Seiten kommuniziert. Sich selbst einbringend, neutral, den gegebenen Richtlinien verpflichtet und persönlich nicht so leicht verletzbar. Ein faszinierender Job, aber ein ganz schwieriger.


4. Gestalte den Input mit


Just because your users can post comments doesn’t mean you can’t help them shape them. […]


Es ist möglich, auf die eingehenden Kommentare verbessernd einzuwirken.
Es werden zwar hier vor allem technische Dinge beschrieben, die computergesteuert ablaufen können: Zu kurze Kommentare, bei denen man zu mehr Ausführlichkeit auffordern kann und umgekehrt, Grossbuchstaben, die zu Titelzeilen werden könnten und dergleichen mehr.
In gleicher Weise kann aber auch mehr inhaltlich animiert werden zu einer genaueren oder ausführlicheren Darlegung etc.
Vielleicht etwas provokativ – aber warum eigentlich nicht?


5. Lass die Community mithelfen


If you think bad comments bug you, they bug the good commenters twice as much.
Yes, you should be paying someone on staff to be the Community Manager. In addition, you can also enable the community to help. […]


Das alte Lied möglicher Bewertungen von Kommentaren. Meiner Meinung nach ein eher kritischer Punkt: Die Community kann auch Gruppendruck entwickeln, wenn sie eingeschworen ist (oder zu klein). Auf jeden Fall funktioniert das nur, wenn umgekehrt sichergestellt ist, dass jeder User nur mit einer Identitä auftritt und darüber keine tendenziöse Steuerung möglich wird.


6. Story und Kommentare gehören verbunden


Dass die Kommentare direkt unter den Artikel gehören, ist allerdings eine Selbstverständlichkeit, denke ich.


7. Ermögliche private Stellungnahmen


The internet didn’t create the angry letter to the editor, but it definitely put it into overdrive. And that’s okay – sometimes people need to vent. Your job is to direct the venting.
Some papers’ comments are so crazy because there’s no other way for the reader to respond. People will gladly communicate with you privately if you gave them a way to do so.
So create a form people can use to email the editors, and link to it from the comment form. Say: “If you’d like to say this privately, go over here.” (Props to Vox, where there’s a “Send private message instead” link on every comment form.)
You may get some angry email this way, but it’s better in your inbox than on the website where it will just start, or add to, a fight.


Was mir hier so gut gefällt, ist die Gelassenheit, die vom Betreiber gefordert wird: Die Leute brauchen ein Ventil, wir sind das Ventil, so what? Statt den Oberlehrer zu spielen, schafft man Gelegenheit(en), den Druck abzubauen. Es ist einem selbst überlassen, den Müll im runden Ordner verschwinden zu lassen. Indem man die private, direkte Ansprache für den Kommentar ermöglicht, verbessert man die Substanz des Portals. Immer schön cool bleiben – und den Portalsgedanken im Zentrum der eigenen Aktivität behalten. Dann disqualifiziert sich Schund selber.


8. Beteilige dich


Im Ideal:


Get your writers involved in the conversation. People chill out a lot when they know they’re being listened to by the writer (and they act out a lot more when they think no one’s listening). I know, writers can find this an onerous addition to their workload, and have probably already decided that they hate their comments. Too bad. This is part of journalism’s evolution, and you’re either on the boat or you’re not.
One great way to get writers on board is to give them the ability to moderate comments on their own stories. They can do this on their blogs, they should be able to do it on their stories, too. (With supervision by the Community Manager, naturally.)


Der Mann ist wirklich bereit, die Sache bis zum Ende zu denken! Da ist noch ein weiter Weg dahin, aber ich glaube, er hat Recht: Die Redaktionen und einzelnen Journalisten, die diesen Teil frühzeitig als Part Ihres Jobs online begreifen, könnten schon bald die Nase vorn haben.
Und der online-News-Form könnte es den entscheidenden Kick geben.


9. … Aber füttere keine Trolls


[…]School your writers in the ways of online community. If someone is trying to get a rise out of you, don’t fight back, no matter how tempting. A good Community Manager can help train writers on how, and when, to join the fray.

Der gute Community-Manager bleibt gelassen. Trolls hassen das genau so, wie es jene lieben, die rhetorisch lebhafte Debatten mögen.


10. Vergiss es, die Kontrolle (absolut) behalten zu können.


Newsrooms are top-down places, but the internet is not. Get used to the fact that people online won’t do things just because you told them to. In fact, the only thing you can absolutely count on is that something will happen that you didn’t expect. When it does, you’ll be defined by what you do next. Be ready to be surprised.


Oberlehrer gehören ins letzte Jahrhundert, ganz bestimmt nicht ins Internet. Es braucht keinen Kummerkasten und keine Gefolgschaften. Es braucht nur die Offenheit für die ständige Veränderung und statt der Angst vor der Veränderung die Neugier auf die nächste Überraschung. Leser können überraschen. Mit ein Grund, dass die Lust am Schreiben nicht mit dem letzten gesetzten Punkt aufhört.

As you can see, embracing community tools on your site takes work. If you just turn on comments with open-ended tools and no oversight, of course the result won’t be pretty. That’s because you haven’t done the job of an editor – to lead by example, direct the conversation, and sculpt the results.
The real reason comments on newspaper sites suck isn’t that internet commenters suck, it’s that the editors aren’t doing their jobs. If more newspapers implemented these 10 things, I guarantee the quality of their comments would go up. And this is just the basic stuff, mostly unchanged since I wrote Design for Community seven years ago.
Imagine what we could do if we could get past the easy stuff.


Tja, das sieht alles nach verdammt viel Arbeit aus. Aber die Krux so manchen Scheiterns dieser Kommentarfunktionen, ja ganzer Communities, die darauf beruhen, liegt genau darin:
Man probiert mal. Und scheiert dann an den fehlenden Ressourcen. Die können schon in der Konzeptphase fehlen, so dass eine Idee sich als nicht 1:1 umsetzbar heraus stellt. Darum braucht es auch die Offenheit zur Korrektur. Und immer die Offenheit den Lesern gegenüber, mit der Einstellung, dass sie keine Störefriede sind, sondern Ideengeber und – Kunden.
Einen besseren Input für das eigene Produkt gibt es nämlich nicht. Für wen wird denn, bitte schön, das alles geschrieben, dieser Artikel inklusive?


update:
Die Medienlese hat den Artikel von Derek Powazek selbst auch aufgenommen und kurz auf die eigenen Umsetzungen ähnlicher Grundsätze verwiesen.


Praktisch

∞  28 Juli 2008, 18:03

Vielleicht ganz passend:

Lebt auch mit verschiedensten Redaktionen, die ihren Brieföffner nicht finden können, in Symbiose, reagiert auf jede Streicheleinheit und Karotten positiv:




via, via


Humor ist, wenn man WIEDER lacht


Diskussion bei und über FACTS2.0

∞  28 Juli 2008, 12:56

Vielleicht geht was.


Der Artikel des Bugsierers auf dem henusode-Blog ist kritisch. Aber er enthält auch viele konstruktive Anregungen eines engagierten Users. Vielleicht hilft seine Position, sein Artikel und sein Ansatz ja mit, die Diskussion bei FACTS selbst in neue Bahnen zu lenken. Vielleicht hat er so formuliert, dass die Macher das Gefühl haben, darauf nun sachlich reagieren zu wollen und sich für Verbesserungen zu öffnen. Dort, auf FACTS2.0, gehört die Diskussion nämlich im Grunde auch hin. Alles andere hilft dem Portal nicht wirklich weiter.
Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Nur der Aufwand ist unter Umständen hoch.

Mit Christiane Schulzki-Haddouti hat eine regelmässige Userin den Artikel auf FACTS selbst rausgegriffen und kommentiert. Es ist zu hoffen, dass er offen diskutiert werden kann…


update 28.07.08, 18h35:
Der henusode-Artikel erscheint nicht auf der Home-Seite von FACTS2.0. Obwohl Kommentare eine offene Debatte wünschen. Stattdessen wird ein Artikel von der Redaktion nach vorne geschoben, der das Thema nach Ansicht der Redaktion offensichtlich ein bisschen pfleglicher behandelt.:

Christiane Schulzki-Haddouti
28/07 14:51

Was mir nicht gefällt ist, dass hier ein Beitrag von der Redaktion nach vorne geschoben wird, während die Diskussion zu einem wesentlich pointierteren Beitrag längst läuft. Das ist genau die Art von redaktioneller Betreuung, die viele Nutzer hier stört und die hier und da auch explizit wieder thematisiert wird.


Nach 18h08 ist der henusode-Artikel auch nicht mehr über die Kommentarspalte auffindbar, weil neue Kommentare ihn zudecken. Einem User gefällt das nicht, und er sorgt mit seinem Kommentar um 18h31 dafür, dass wenigstens über die Kommentarspalte wieder ein Vermerk des Artikels auf Home bei FACTS zu finden ist. So kann das Spielchen nun noch ein wenig weitergehen, alles wie gehabt:


hennerfehr
28/07 18:31 Ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Aber warum ist dieser Beitrag so schwer zu finden? Ist die Diskussion darüber nicht erwünscht?


Die Kunden von FACTS2.0

∞  28 Juli 2008, 10:21

Zeit für eine kurze Bilanz der Ereignisse bei FACTS2.0. Der neueste Eclat hat viele Parallelen zu früheren Geschichten, aber es sind auch Dinge deutlich(er) geworden, die ganz allgemein zu denken geben müssen.

Ganz offensichtlich hat man bei den FACTS-Machern aus dem Trubel im April nichts gelernt und nach wie vor kein echtes Verhältnis zu den eigenen Nutzern aufbauen können.
FACTS kann seine User schlicht nicht als Kunden sehen und nimmt sie darin nicht ernst. Die User machen vielmehr nur Probleme, haben Ansprüche und leben sich nur aus. Und sie stellen gewiss ein unberechenbares Element dar, wenn man Werbung verkaufen will. Dummwerweise machen sie oder machten sie auch die Einzigartigkeit von FACTS2.0 aus.

Schlicht unerträglich erscheinen heute frühere Debatten, in denen die FACTS-Macher Lüscher und Reichenstein in einer rhetorischen Schärfe gegen die Anonymität im Internet angetreten sind. Die Debatte ist nur schon deshalb absurd, weil die Macher FACTS2.0 so gebaut haben, dass beliebig viele User-Accounts von einem Rechner aus möglich sind. Ja, es ist sogar erlaubt, auch seine Pseudo-Identität so zu verstecken, dass anderen Nutzern verborgen bleibt, wo und wie jemand schon kommentiert oder bewertet hat. Mit anderen Worten:

FACTS enthält wirklich alle Faktoren, die eine anonyme Einflussnahme möglich machen. Warum wohl? Nochmals:

Kann die Redaktion verbindlich erklären, dass deren Mitglieder selbst nicht mit mehreren Identitäten und also auch mit Synonymen in der Community auftreten, kommentieren und Artikel bewerten?

Nein, kann sie nicht. Wir wissen es. Damit lassen sich Bewertungen von Artikeln verfälschen, Traffic vorspielen, User befragen. Die Möglichkeiten sind unendlich…

Ich habe selbst zu jenen gehört (und tue es noch), die nicht gegen Anonymität im Netz sind. Dieses Blog hat auch erst seit meiner FACTS-Kritik ein Impressum. Naiv stellte ich mich stets auf den Standpunkt, dass sich Authentizität und Wahrhaftigkeit auch aus der Art des Auftritts und der Argumentation ergeben dürfen. Mit Beginn der FACTS-Geschichte war es mir aber noch wichtiger, kein Ablenkungsmanöver zuzulassen (mit Vorwürfen, aus dem anonymen Blogbunker heraus zu schiessen). Heute ist das wohl obsolet:

Was hier an Scheinheiligkeit vorgeführt wurde und wird, schlägt alle Rekorde.

Wiederholt hat sich auch die Praxis, verbliebene User, die nach den Gründen von Ausschlüssen fragen, mit haarsträubend falschen Erklärungen für das Vorgehen der Redaktion zu versorgen.

Nur, dieses Mal ist eine ganze Gruppe betroffen. Mit Journalisten, Unternehmensberatern, IT-Fachleuten, Juristen und sonst unabhängigen Geistern wie mir. Und darum lässt sich die Sache für FACTS2.0 nicht einfach totschweigen, sondern wird noch ein bisschen weiter thematisiert, nicht nur online, mögen sich klassische “unabhängige” Online-Medien, die sich eigentlich brennend für das Thema interessieren müssten, auch darum herum winden wollen, weil sie es angesichts einer kleinen Klitsche wie FACTS2.0 nicht mit dem grossen Medienhaus Tamedia verscherzen wollen.

Und es kann bewiesen werden, dass die Usanz, PN’s von Usern in der leitenden Redaktion zu lesen, weiter geführt wurde. Dies ohne dass dafür zuvor ein konkreter Sachverhalt eines Verstosses gegen User-Bestimmungen vorgelegen wäre. Von so etwas wie Verweisen oder Warnungen bei entsprechenden Feststellungen einer Verletzung der AGB’s, die, wenn schon, einer solchen Massnahme voraus gehen müssten, kann eh keine Rede sein. Selbst die elementarsten Regeln, denen sich jedes halb anständige Forum verpflichtet, fehlen hier völlig.

Sich nun solche persönliche Informationen in den Händen von Portalsbetreibern vorzustellen, die jeglichen Realtitätssinn in der Beurteilung ihrer Nutzer verloren haben, sollte bestehende User nervös machen, denn die Diskrepanz zwischen dem rhetorischen Giftpfeil aus der Ferne (Reichenstein, iA Tokyo) und der Empfindlichkeit im eigenen Haus (Zürich) ist enorm. Dass dies im April darin ausarten konnte, dass mir mit der Veröffentlichung der PN’s, die ich an die Redaktion geschrieben hatte, gedroht wurde, bis ich andeutete, dass, würde ich das Gleiche umgekehrt tun, das kaum zum Vorteil von FACTS wäre, ist ein separater Skandal, der aber das obskure Selbstverständnis der FACTS-Macher unterstreicht.

Zitat Lüscher im April:


Wir versuchen, auf FACTS ein Gleichgewicht Redaktion-Technologie-Community zu erzeugen. Damit versuchen wir einen neuen sozialen Medientypus aufzubauen. Das führt unter anderem zu Reibereinen wie diesen, denn vor allem einzelne Exponenten aus der Blogosphäre sind der Ansicht, dass eine “Soziale” Newsplattform wie FACTS quasi eine Publikationspflicht gegenüber der Community habe, d.h. dass redaktionelle Eingriffe auf einer sozialen Newsplattform nicht zulässig seien.
(OnlinePC: )


Von dieser Art Gleichgewicht hat man ganz offensichtlich ganz bestimmte Vorstellungen, die sich mit einer freien Medienwelt wenig bis gar nicht vertragen, und dass es anders motivierte User geben kann als jene, die man aus der Partnervermittlungstätigkeit kennt, scheint unvorstellbar. Die Argumentation am Ende ist erhellend:
Danach ist für Lüscher die Konklusion schlüssig, dass redaktionelle Eingriffe in die soziale Newsplattform nicht möglich sind, wenn sie kommuniziert werden sollten. Völlig quer, wenn Sie mich fragen. Es sei denn, er schliesst unter “redaktionellen Eingriffen” schon da das Lesen von User-Postfächern oder die Beeinflussung der Community mit Zweit- und Dritt-Inkognito-Accounts von Redaktoren mit ein. Da hört die offene Kommunikation ja dann wirklich zwingend auf.


Das Projekt hat eindeutig ein Führungsproblem – und nun ein Glaubwürdigkeitsproblem. Und der ständige Hinweis auf unzählige Überstunden suggeriert eine miese Bezahlung und ist – in dieser Form geäussert, erst einmal ein Tritt ans Schienbein des eigenen Arbeitgebers.


Der dürfte aber so oder so gefordert sein: Neben der offenen Frage, wer dieses leck geschlagene Schiff wieder flott machen soll, bleibt die Frage an die Tamedia zu stellen, welche verbindlichen und öffentlich deklarierten Regeln, denen sich die Redaktion verpflichtet, wieder für Glaubwürdigkeit sorgen könnten.


update vom 28.07.08 10h36:
Weitere, neuer Artikel anderswo zum Thema:
...den Dr. Bugsierer fragen
Nach der Eskalation ist vor dem Dialog?
Die Frage gefällt mir, und der Bugsierer, souveräner als direkt Betroffene, führt die Debatte zu dem Punkt, wo es heisst:
Wie weiter?
update vom 29.07.08, 15h02
Mittlerweile sieht es ugugu leider nicht mehr so positiv und hat das mit dem Dialog wieder durchgestrichen…
und neu:
YiGG, Pligg, Facts 2.0 und Co mit Problemen



Rückgrat zu beweisen ist online genau so schwierig wie offline


Offene Fragen an FACTS2.0

∞  24 Juli 2008, 14:18

Facts2.0 versteht sich als News-Portal mit Kommentarfunktionen und einer aktiven Kern-Community. Hierfür haben die Architekten des Portals auch eine PN-Funktion eingerichtet, also ein Nachrichten-System, mit dem die User auf dem Portal persönliche Nachrichten verschicken können.

Dies wird rege benützt, weil es den Usern erlaubt, miteinander auch ohne Bekanntgabe einer e-mail-Adresse in Kontakt zu treten, hat aber den Nachteil, dass die Nachrichten auf dem persönlichen Computer nicht hinterlegt werden. Bei einem Austritt oder Ausschluss sieht sich der User in der Situation, von einem Moment auf den anderen von diesem Nachrichtensystem und von allen Kontakten, bei denen er keine Mail-Adresse kennt, abgekoppelt zu sein. Jede weitere Information über sein Ausscheiden wird ihm nicht mehr zur Kenntnis gebracht, und eine Richtigstellung allfälliger Falschinformationen ist ihm nicht möglich.

Diese Problematik ist vielen Foren eigen, und rein rechtlich kann der Betreiber eines Internet-Portals in dieser Sache verfahren, wie er will.

Handelt es sich dabei um ein Spezialforum zum Zwecke der Vertiefung spezifischer Kenntnisse zur Kultivierung von Sauerteig, so mag das in Ordnung gehen (wobei ich mir sehr wohl vorstellen kann, dass es in ähnlich gelagerten Foren von der Betreiberseite aus sehr, sehr korrekt zugeht).

Hier reden wir aber von einem Portal, das News aus unzähligen offiziellen Quellen aggregiert, aufbereitet und zur breiten öffentlichen Diskussion stellt und damit um möglichst hohe öffentliche Wahrnehmung buhlt, in letzter Konsequenz betrieben und damit verantwortet von einem immer noch mehr wachsenden Verlagshaus.

Und darum müssen Fragen nach einem besonders sensiblen Umgang mit dieser Grundkonfiguration erlaubt sein, ja, es ist allerhöchste Zeit, dass sie endlich gestellt werden!

Die Anzahl der Nutzer, die sich trotz einwandfreien charakterlichen Eigenschaften und einem entsprechenden persönlichen und beruflichen Umfeld plötzlich in der Situation sehen, unvermittelt als Nestbeschmutzer bezeichnet zu werden, ist mittlerweile so gross, dass das Unbehagen, es könnte in der Redaktion von FACTS2.0 aus Gründen der persönlichen Eitelkeit zu Verletzungen der Privatsphäre kommen, nicht mehr schwinden will.

Daher rate ich sehr dazu, und wünsche es mir auch persönlich, dass die Verantwortlichen von FACTS2.0 gerade zu den folgenden Fragen klare Antworten finden – und diese zumindest auf dem Portal auch so kommunizieren, dass sich die Nutzer daran beruhigt orientieren können:

1.
Bei der bestehenden Fluktuation der User des Portals, die nicht zuletzt durch den Ausschluss von Mitgliedern bedingt ist, geht die Frage an die Redaktion:

Was geschieht mit den persönlichen Nachrichten (PN) dieser Ex-User?

Ist die Redaktion bereit, verbindlich zu erklären, wie sie mit diesen PN’s verfährt?

Werden Sie gelöscht, und wenn ja, wann? Wie wurde bisher damit verfahren?

2.
Nimmt die Redaktion während einer Mitgliedschaft eines Users in dessen PN’s Einsicht?

Wenn ja, warum und unter welchen Voraussetzungen? Mit welchem Recht?

Sind diese Voraussetzungen schriftlich festgehalten und wer sorgt für deren Einhaltung?

3.
Ist man bereit, Usern entsprechende Garantien zu erteilen durch eine entsprechende Erklärung auf dem Portal?

Ist man z.B. bereit, für nicht öffentliche Nachrichten, also für die PN’s die Einhaltung des Postgeheimnisses zu garantieren? Und wie hat man es bisher damit gehalten?

4.
Die Redaktion bzw. der Betreiber von FACTS2.0 legen grossen Wert auf Respekt und Netiquette. Die Redaktion hat wiederholt sehr starke und schnelle Reflexe zur Wahrung der hohen Massstäbe bewiesen.

Hat sie sich auch Gedanken gemacht, in welcher Form sie sicherstellen will, dass daraus folgende Sanktionen nicht willkürlich erfolgen?

Konkret: Entscheidet eine Einzelperson, oder muss der Entscheid intern qualifizierte Bedingungen erfüllen?

5.
Kennt die Redaktion Richtlinien, in welcher Weise und unter welchen Voraussetzungen verbleibende User über das Ausscheiden eines Mitglieds informiert werden?

Können ausgetretene wie ausgeschlossene User darauf zählen, dass die Information so zurückhaltend und allgemein gehalten und in der Sache korrekt ist, dass darin keine Verunglimpfung der Ex-User liegt?

6.
Die FACTS-Macher haben in zahlreichen Diskussionen klar gemacht, dass sie glühende Verfechter des Grundsatzes sind, dass man im Netz nicht anonym auftreten sollte. Die obigen Fragen lassen schon erkennen, dass dies nicht immer tunlich erscheint.

Kann umgekehrt die Redaktion verbindlich erklären, dass deren Mitglieder selbst nicht mit mehreren Identitäten und also auch mit Synonymen in der Community auftreten, kommentieren und Artikel bewerten?



Finden Sie, dass hier übertrieben wird? Dann gebe ich zu bedenken, dass das FACTS-Portal gerade für Medienschaffende besonders attraktiv ist, und auch ganz klar das Ziel verfolgt, Blogs und Zeitungen zusammen zu bringen. Bedenkt man nun, was es für einen Nutzer mit Anstellung im Medienumfeld bedeuten kann, wenn er aus nicht objektiven Gründen aus einem Forum des Tamedia-Konzerns ausgeschlossen werden sollte, so wird deutlich, um was es hier am Ende gehen kann.

Jeder Interessent dürfte also gut beraten sein, seine Teilnahme auf dem Portal anonym zu gestalten, angesichts der oben aufgeführten Fragen auch dann, wenn er absolut nichts Böses im Schilde führt. Hierzu will ich ergänzen, dass FACTS keine Beschränkung der Anzahl Profile pro Nutzer kennt, was nicht weniger bedeutet, als dass jeder berechtigt ist, mehrere “Identitäten” zu unterhalten.

Durch die Art der verwendeten Quellen wie durch die öffentliche Zugänglichkeit aller Kommentare für alle Internet-Besucher, ist an die Betreiber des Hauses ein hohes Mass an Korrektheit im Umgang mit persönlichen Daten zu knüpfen. Es kann hier sehr wohl von einem öffentlichen Interesse in dieser Sache gesprochen werden.




Älter