Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Bitte verzeihen Sie, liebe Leserinnen!

∞  10 Januar 2009, 21:35

Ich bemühe mich wirklich. Aber ich schaffe es nicht. Dabei sind Sie immer mit gemeint, ich versichere es Ihnen. Wenn ich von meinen Lesern schreibe, dann sind Sie, die Leserinnen, immer mit gemeint. Wenn ich von den Autoren rede, dann meine ich mit keiner ausgelassenen Silbe, Frauen könnten nicht Autoren, Entschuldigung, Autorinnen sein. Mindestens so gute wie die Autoren. Aber eben, das geht ja dann gar nicht (mehr). Verflixt und zugenäht, wenn ich Texte von mir (mal) vor der Veröffentlichung durchlese, dann stolpere ich immer wieder darüber.

Und dann korrigiere ich:

“Liebe LeserInnnen.” Oder: “Die AutorInnen.”

Dann sind irgendwie beide Geschlechter zerstückelt, das männliche sogar etwas mehr, aber egal, ausgleichende Gerechtigkeit nach Jahrhunderten der Schmach. Gerechter geht es aber nicht. Das heisst doch. Aber wenn ich mit

“Liebe Arbeitnehmerinnen und Liebe Arbeitnehmer”

angesprochen werde, dann schlafe ich schon weg, bevor die Einleitung der Rede zu Ende ist. Was für Politiker nicht störend sein mag und Gewerkschafter in Kauf nehmen, ihrer inneren Überzeugung wegen, ist für mich unverbesserlicher Stehpinkler einfach nur Kinderei. So. Nun ist es raus. Ich bin in dieser Angelegenheit wahrscheinlich nicht zu therapieren. Denn, verflixt nochmal, wer mich kennt, und wenn auch nur nach meinen Blogtexten, der, nein, Entschuldigung, die weiss hoffentlich, dass ich Frauen von nix und nirgendwo ausschliessen will. Und dass sie, dass Sie immer angesprochen sind.

Sagen Sie mir jetzt nicht, dass Sie Wert darauf legen, formal korrekt immer als eigenes Geschlecht angeredet zu werden und sich daran stören, wenn Sie sich in einem “Leser” wiederfinden müssen.
Natürlich können Sie mich fragen, wie es denn für mich wäre, würde ständig nur von Bloggerinnen oder Autorinnen gesprochen. Aber ich glaube nicht, dass es mich stören würde, hätte ich schon als Kind nichts anderes gekannt und mich genau in diesem Alter an schönen, rhythmischen Texten zu erfreuen begonnen. Schlicht am Lesen als Leser oder Leserin.

Wissen Sie, wenn ich einer Frau die Tür zum Restaurant aufhalte, dann ist das eine fliessende Bewegung und für mich völlig natürlich, und wenn ich ihr in den Mantel helfen darf, reine Galanterie.
Aber wenn ich Ihnen auf Papier oder am Bildschirm formal korrekt ins Haus kommen muss, dann ist das nur bescheuert gestelzt, und der Text geht an Krücken, bevor er zu laufen begonnen hat.

Also: Lassen wir es doch bleiben. Hier und jetzt. Meines Wissens sind andere Sprachen da sehr viel weiter davon entfernt, sich zerstückeln zu lassen. Und hier soll das auch nicht mehr geschehen. Das wird sich für alle auf jeden Fall immer noch viel besser lesen lassen, als wenn ich auf Französisch oder Englisch schreiben müsste.


°




abgelegt in den Themen
Zugeneigt
und
“Zum Blog[gen]”:/?c=Zum-Bloggen



Gleichberechtigung muss vor allem zwischen den Zeilen zum Ausdruck kommen


  1. christina · 11. Januar 2009, 09:11 · #

    ein herzliches Hallo hier selbst nun lieber thinkabout
    denn wollt ich doch nun wieder einmal bei dir lesen nach so langer Zeit
    und komme just zu diesem Text

    du kennst meine Haltung zu dieser
    ich finde es schade, dass Frauen und Männer sich noch immer um dies Thema wertvolle Zeit nehmen und ich finde es müssig
    ich schreibe in meinen Texten weg wie meine Gedanken hinzu kommen, da steht dann ein …in wenn ich eine Frau meine und ein …er wenn es ein Mann sein soll und sonst die sprachlich gängige Form nicht redigierend nach männlein und weiblein
    und ich fühl mich auch stets bei dieser angesprochen
    auch wenn ich mich bei gewissen Tätigkeiten niedersetze find ich dies unterscheidende darauf beharren wollen auf …in ebenso affig
    der Mensch ist ein Mensch und eben keine die Menschin im Sprachgebrauch
    oh … ich hör die Nachtigall schon wieder trapsen

    Schönen Sonntag Euch Zweien
    und ganz en liebe Gruess zu Caro auf diesem Weg

  2. Caro · 11. Januar 2009, 11:35 · #

    Ich weiss auch so, was ich wert bin und brauche keine Bestätigung durch gekünstelte Formulierungen.

    Lieben Gruss an Christina zurück!

  3. aurelia · 11. Januar 2009, 13:51 · #

    wie wäre es denn, wenn sie sich an ihre leserinnen wenden … und ihren lesern versichern, daß auch sie damit gemeint sind ?

  4. Menachem · 11. Januar 2009, 13:55 · #

    Die wahre Gesinnung ließe sich wahrscheinlich auch nur kurzfristig mit “Leser und Leserinnen” kaschieren, selbst dann, hätte die Sprache einen Vorschlag, diesen gesamten Leserkreis auch nur in einem “Wort” zu erfassen. Ich habe jedenfalls nicht in Erinnerung, dass Klassifizierungen irgendeiner Art in deinen Beiträgen durchschimmerten.

  5. Caro · 11. Januar 2009, 14:53 · #

    @Aurelia: warum?

  6. Marianne · 11. Januar 2009, 19:26 · #

    Wie wäre es mit “Mitmenschen”? Da wir alle Menschen sind, könnte sich niemand mehr ausgegrenzt fühlen. Wobei ich fragen muss: wer fühlt sich ausgegrenzt?

  7. Titus · 11. Januar 2009, 19:45 · #

    Mach’ es doch wie im Geschäftsbereich üblich: Eine Fussnote, welche besagt, dass dieser Text selbstverständlich auch für die weiblich Form gelte und dass deshalb aus Gründen der Lesbarkeit nur die männlich (und häufig auch kürzere) Form gewählt wird. Da es hier nicht Fussnoten im eigentlichen Sinn gibt, kannst Du diese Zeilen ja ins Impressum setzen. Dann ist’s ein für alle mal gesagt.

  8. Zappadong · 12. Januar 2009, 09:46 · #

    Als ich noch auf der linken Seite Politik machte, wurde man beinahe gevierteilt, wenn man das “Innen” weglies.

    Nur, ich habe mich damals nicht nur der Politik verschrieben, sondern auch der Sprache. Und weil ich die Sprache liebe, bekomme ich bei diesen Bandwürmern Magenweh. Es geht ja nicht nur um die Leserinnen und Leser, es geht auch um Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen, Kunden und Kundinnen, Freunde und Freundinnen ect. Wer jemals einen Text gelesen hat, in dem die politische resp. sprachliche Korrektheit von A-Z durchgezogen wird, der weiss, wie übel das klingt!

    Kurz und gut: Ich fühle mich in der männlichen Form miteinbezogen. Bin nicht beleidigt, wenn da was von Leser steht. Nur, ich bin immer noch ein wenig infiltriert von dieser politschen Korrektheit und verwende ab und zu beide Formen oder setze eines diese grässlichen …Innen. Aber gefallen tut mir das nicht. Es macht jeden noch so flüssig geschriebenen Text zu einer Schotterpiste.

  9. Thinkabout · 12. Januar 2009, 14:10 · #

    @Zappadong @Aurelia @Titus

    Eure Kommentare, miteinander in Beziehung gebracht, sind meine Lösung: Aurelias provokative Frage, warum ich es nicht einfach umkehre (die ich durchaus verstehen kann), beantworte ich im Text eigentlich schon: Wir sind es uns alle nach wie vor anders gewohnt und ich würde mich auf Form verkrampfen statt auf Inhalt konzentrieren. Mit dem Effekt, dass sich die andere Hälfte der Leser komisch berührt fühlen würde. Wieder Erklärungsbedarf, und der Verdacht der Effekthascherei etc.
    Ich wollte mich hier aber bewusst freischaufeln – und werde wohl Titus´Anregung aufnehmen – und kann wie Zappadong sagen, dass ich dennoch von Zeit zu Zeit wieder reinfallen werde, liebe LeserInnen.

  10. Hausfrau Hanna · 13. Januar 2009, 20:40 · #

    Ich habe lange überlegt, lieber Herr thinkabout,
    ob ich Ihnen diese Frage stellen darf:
    Sind sie nicht therapierbar als Schreiber, der
    a) des rhythmischen Textes wegen nur die männliche Anrede wählt oder b) als unverbesserlicher Stehpinkler?
    Da ich Sie stets als feinsinnigen Mann erlebe in Ihren Blogtexten, überrascht mich dieses Outing doch sehr. Und so möchte ich Ihnen, als Hausfrau notabene, gern folgenden Gedanken weitergeben. Es gibt nur zwei Situationen, in denen Stehpinkeln nicht nur erlaubt, sondern geradezu gefordert ist:
    a) im Wald und
    b) auf öffentlichen Toiletten.

    Sonst aber (und hier verwende ich explizit nur die männliche Schreibweise) sitzen Pinkler. Alle. Ausnahmslos. Überall. Und zuhause erst recht.

    Mit einem freundlichen ‘think about it’
    grüsst Sie Ihr treuer Leser
    Hausfrau Hanna

    PS. Der Code im Bild ist suboptimal. Oder sehe nur ich ihn so verschwommen?!?

  11. Thinkabout · 13. Januar 2009, 21:35 · #

    @Hausfrau Hanna:
    Sie sehen mich zerknirscht. Ich arbeite daran. Gebe aber keine Garantien. Die Macht der Gewohnheit, wissen Sie, und eine verständnisvolle bis amüsierte Ehefrau wirken nicht gerade alarmierend auf mich ein, das muss ich zugeben. Sollte sich allerdings daran etwas ändern, werde ich die Therapiegeheimnisse verraten und in männlich beredt rhythmischem Text besingen.
    Immerhin, und das freut mich, weiss ich nun um meine treue Leserin Hausfrau Hanna.
    Das ist die Sache schon fast wert, so lange Thinkabouts Wife (die übrigens nicht einfach thumb hinter mir her putzt), auch damit kein Problem hat.
    PS:
    Sie haben Recht. Der Code ist suboptimal. Wenn nicht lesbar, dann einfach mit Cursor im Feld drunter ohne Eingabe nochmals Enter drücken – bis Ihnen der Vorschlag lateinisch vorkommt. Danke.

  12. Titus · 14. Januar 2009, 02:24 · #

    Pissoirs werden heute auch für den Privatbereich angeboten, womit es auch noch eine dritte Situation gibt, in welcher Stehpinkeln nicht nur erlaubt, sondern geradezu gefordert ist. Allerdings – die sind nichts für Stehpinklerinnen! :-)


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