Mongolei 2006 - Tag 29
Erlebt am 4. August 2006 – Flughafen Ulaanbaatar
verhinderte Abreise
Ein letztes Nutella-Frühstück kurz nach vier Uhr morgens… Um 5h30 sind wir am Flughafen, und wir glauben, wir nehmen endgültig Abschied von Onos Eltern.
Dann checken wir ein, was trotz langen Warteschlangen recht zügig vonstatten geht.
Schliesslich erfahren wir, dass die Maschine einen technischen Defekt haben soll. Das ficht unseren Ornithologen vom Quellsee, den wir in der Wartehalle wieder treffen, genau so wenig an wie uns. Er erzählt fröhlich von den exakt 205 Vogelarten von total 400 möglichen, die er höchstpersönlich in der Mongolei beobachten konnte. Nach kurzer Zeit stehlen sich meine Frau und ich weg, während Ono und Thomas geschlagene zwei Stunden mit ihm und seiner Frau zusammen stehen bleiben. Zu meiner Schande muss ich immer wieder eingestehen, dass mir der tiefe Eifer für viele schöne Dinge abgeht…
Ich studiere derweil anhand von Kleidung und Gehabe die entlarvende Lächerlichkeit menschlicher Zivilisation anhand von Touristen-Modellen jeglicher Ausprägung.

Alle zwei Stunden hören wir, dass sich der Abflug um zwei Stunden verschiebt, wegen „technischer Probleme“. Die Verpflegung aus dem Flugzeug wird uns vor dem Gate serviert – und siehe da, es ist haargenau die gleiche wie beim Hinflug.
Abgesehen von der „Essensausgabe“ sehen wir keine Offiziellen. Im Laufe des Nachmittags setzt sich die Nachricht fest, dass es wohl ein Problem mit der Heckturbine gäbe, so dass der für den Start notwendige Schub nicht entwickelt werden könne. Am frühen Abend heisst es plötzlich, dass etwa zwei Drittel der Passagiere einsteigen können. Warum das nun plötzlich klappen soll, und warum nicht für alle, bleibt nebulös. Die Liste der MIAT hat in jedem Fall etwas Magisches. Wir befinden uns unter den scheinbar Glücklichen und gehen an Bord.
Nach etwa fünfzehn Minuten werden im Flugzeug die Türen wieder aufgemacht, um die stickige Luft zirkulieren zu lassen. Die mangelhaft funktionierende Turbine sorgt wohl für zuwenig Power für alle Verbraucher wie z.B. hydraulische Türen, Toiletten, Küche, Ventilation etc.
Schliesslich steigen wir nach gut zwei Stunden wieder aus, nachdem es heisst, wir würden keine Starterlaubnis kriegen. Jetzt verlangt die MIAT, die uns erst an Bord geschickt hat, dass die Code-Sharing-Fluggesellschaft „Blue Panorama“ alle Passagiere mitnimmt, was der Pilot ablehnt. Dann sind wir zu schwer…
Wir steigen also wieder aus, und treffen im oberen Stock des Flughafengebäudes auf die siebzig zurück gebliebenen Passagiere, die im Begriff sind, von MIAT ein Abendessen offeriert zu bekommen: Teil 2 aus der Bordküche des flügellahmen Blechvogels.

Wir essen sinnigerweise in einer Kantine – deren Küche uns blank geputzt und menschenleer anstrahlt… Warum die siebzig Personen nicht längst in einem Hotel sind, ist unverständlich – wurde ihnen doch gesagt, dass es erst am Montag für sie weitergehen würde! (Wir haben Freitag).
Andere essen auf abgedeckten Billardtischen

oder am Boden zu Abend, entweder weil zu wenig Platz ist oder keine Lust besteht, die unappetitlichen Schlachtfelder vorheriger Kostgänger selbst abzuräumen. Was solls, die flugsichere Verpackung der erlesenen Speisen erlaubt auch ein Essen auf Knien.
Immerhin ist nun eine Angestellte der deutschen Botschaft vor Ort, um sich ein Bild zu machen. Doch die Aussage ist klar: Solange es nur ein technisches Problem ist, gibt es keinen Grund zur Intervention, und die MIAT arbeite “professionell”.
Immerhin kriege ich bei einem Gang vor den Flughafen mit, wir sind jetzt ja nicht mehr in der Abflughalle eingesperrt, dass auch dieser Tag im Frieden zu Ende gehen will.



Von einer Verschiebung auf Montag ist keine Rede mehr. Wir sollen alle morgen früh wieder hier sein und dann soll der Flug stattfinden.
Als Grüppchen der letzten Aufrechten verlassen wir bei völliger Dunkelheit den Flughafen. Mit uns im Bus sind einige einheimische Fluggäste, die es sehr schwer haben, MIAT davon zu überzeugen, dass sie auch ein Hotelzimmer brauchen…
Das Hotel ausserhalb der Stadt, aber nahe am Flughafen hält für uns nach elf Uhr in der Nacht den Reiz eines Heinekens bereit, einzunehmen in der Bar, die aus einem Rundtresen ohne Barhocker und einer einzigen Sitzgruppe in der Ecke gebildet wird.
Die vier Stunden Schlaf kann ich erst nach einem kleinen Wechselspiel antreten: Mein Bett knarrt bei jeder Bewegung so laut, dass ich mich nicht drehen kann, ohne mich selbst und das halbe Hotel aufzuscheuchen oder zumindest aus allen Albträumen zu wecken. Also tauschen wir und dann ist Ruhe. Thinkabouts Wife ist nun mal fünfundzwanzig Kilo leichter als ich…
