Mein Schreiben. Täglich.
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Blogs – Sprachrohr für mehr als Aktualität?
∞ 23 April 2011, 18:17
Was Blogs aus der Flut an Information heraus filtern, ja darin erst sichtbar machen könnten. In der Nische lässt sich bekanntlich etwas ruhiger lesen – und vielleicht auch mal mehr als die absolut “dringende” weil scheinbar so dominierende Aktualität.
Blogs, werden sie nicht von Online-Portalen betrieben, führen ein Nischendasein. Deswegen müssen sie nicht bedeutungslos sein. Sie müssen sich nur die richtige Nische suchen – oder eben ihr Publikum, das – auch wenn sich die Schublade nicht benennen oder gar keine dafür finden lässt – auf dem Blog regelmässig etwas findet, was einen kurzen Moment des Lesens lohnt. Ein Rezept dafür habe ich auch nicht. Es sei denn, dass ich gelernt habe, mehr oder weniger Aufmerksamkeit für diese Seiten zwar wahrzunehmen, mich davon aber nicht stark beeinflussen zu lassen. Dennoch mache ich mir Gedanken, in welcher Art ein Blog wie dieses in der Masse der Informationsangebote seinen Platz als “Denkanreger” festigen kann.
Dabei ist man als Blogger ja immer auch Leser. Und als ich mich heute durch ein paar Online-Berichte geklickt und gelesen habe, ist mir eine Bemerkung aufgefallen, die sinngemäss so in vielen Medien immer wieder zu (über-)lesen ist – und die einen Ansatzpunkt darstellt:
So wird in einem Artikel bei Swissinfo Toni Frisch, der nach einem halben Leben für die DEZA vor der Pensionierung steht, wie folgt zitiert:
Gleichzeitig bedauert Toni Frisch, dass sich die Medien immer auf Top-Geschehnisse stürzen, viele Aufgaben der humanitären Hilfe in der Öffentlichkeit jedoch kaum wahrgenommen werden, so etwa die Prävention gegen Naturkatastrophen, Langfristaufgaben oder vergessene Kriege wie jener in Darfur. “Das stört mich, aber ich lebe damit.”
Blogs könnten hier ein wenig Abhilfe schaffen und z.B. solchen Stellen und ihren Protagonisten Interviews anbieten und entsprechend über Hintergrund und Detailarbeiten berichten – und diesen damit mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Es gibt viel Information, welche Leitmedien besser erbringen können, als Blogger – es gibt aber auch viel Wissenswertes, was aus scheinbar gültigen übergeordneten Interessen oder mangelnder Aktualität im Mainstream untergeht. Es wäre doch schön, wenn hier ein Stück weit Abhilfe geschaffen werden könnte.
Dieser Eintrag ist also auch eine Gedankennotiz für mich, ein “Post it – Zettelchen”, überschrieben mit “Blog-Idee”.
Nacht im afrikanischen Busch
∞ 7 November 2010, 19:41
Die untergehende Sonne
taucht die Savanne in goldenes Licht.
Hitze weicht erträglicher Wärme,
Jäger und Gejagte werden wach,
streifen witternd durch das hohe Gras,
gehorchen den Gesetzen ihrer Natur.
Geschmeidige Muskeln, gespannte Sehnen,
gegen fluchtbereites Lauschen.
Ein Schrei zittert durch die Dämmerung –
Notwendigkeit und Vorahnung sind sich begegnet.
Bellende Hyänen streiten mit Schakalen
im Mondlicht um die letzten Knochen.
Die Nacht hat ihr Leichentuch ausgebreitet.
Es ist mit funkelnden Sternen bedruckt.
Im ersten, noch fahlen Morgenlicht
ziehen die Geier enger werdende Kreise.
Die rote Sonne gebärt den neuen Tag
und eine Herde Elefanten zieht langsam vorüber.
© Thinkabouts Wife

Kommentare als Zeugnisse des Weiterdenkens
∞ 18 März 2010, 23:52
Ich beschäftige mich doch zur Zeit tatsächlich mit grundsätzlichen Überlegungen dazu, wie man gute journalistische und/oder Autorenformate mit dem belebenden Element der Kommentar- und Diskussionsmöglichkeiten verbinden könnte – und habe derweil so viele schöne und interessante Kommentare auf meinem eigenen Blog hier, auf die ich gerne antworten wollte – es aber nicht kann, weil mir die Zeit fehlt – oder ich zu wenig Energie dafür habe.
Ich möchte aber danke sagen für Euer Mitdenken, für die Diskussion unter einander, für die Signale, die mir zeigen, dass ich was auslöse und anstosse. Es ist immer wieder schön für mich, zu sehen, wie ernst sich meine Leser selber nehmen: Die Texte hier sind nur Ansätze, welche mit genommen werden in viele andere Alltage. Mir gefällt dieser Gedanke extrem gut: Kleine Bausteine, die an anderer Stelle mit dem persönlichen Einsatz und eigenen Erfahrungen verbunden ein stärkeres Ganzes geben – und so eben nicht nachgesagt, sondern nachgedacht, ja weiter gedacht werden.
Es ist toll, wenn man dies so mitbekommen kann, wie das hier dank der Kommentare oft möglich ist.

Das Dankeschön für den Vietnam-Reisebericht
∞ 21 Januar 2010, 20:22
Sie können reisen, wie immer Sie wollen. Sie sind Tourist. Auch fernab von geführten Gruppenreisen im Touribus-Bomber, auf individuell zusammen gestellten Touren mit selbst gesuchten Schlafgelegenheiten – Sie bleiben Tourist. Meistens kommen Sie ja her, weil Sie ganz bewusst “mal etwas anderes” sehen wollen. Und auch Thinkys nehmen auf ihren Reisen immer all das mit, was sie als Europäer ausmacht, als Schweizer gar, natürlich, und ob wir nun drei, vier oder sechs Wochen Einblick erhalten, ob die Führer oder Einheimischen, die einem begegnen, offen oder eher verschlossen sind, immer sind da vor allem unsere eigenen Grenzen, an denen wir schon gar nicht wirklich vorbei kommen.
Ich muss immer ein wenig schmunzeln über den Eifer von Rucksacktouristen, welche sich auf jede einheimische Pritsche schmeissen und dann rufen: Seht her, ich bin ohne Hochmut. Schön ist das. Aber wir gehen dennoch durch ein Kino, und wir selektieren die Bilder.
Vielleicht liegt darin einer der Gründe, warum die Motive so oft die immer gleichen sind, wer auch immer die Pfade neu unter die Füsse nimmt… Die vertraute, schon selbst auf Fotos bewunderte Ästhetik…

Für Grossansicht aufs Bild klicken; © Thinkabouts Wife
Begegnungen sind sehr oft Augenblicke, flüchtige Momente. Aber gerade beim Reisen kann man erkennen, wie viel Bedeutung eine einzige Minute für einen Tag haben, ja für die ganze Reise bekommen kann.

Für Grossansicht aufs Bild klicken; © Thinkys
Und wir müssen sie deuten, die Unmenge an Eindrücken, Bildern, Gerüchen und Geräusche, mit dem, was wir an Wissen und innerer Erdung selbst besitzen. Und entsprechend unterschiedlich kann es zwei Menschen, die genau die gleiche Reise machen, dann im Endeffekt auch gefallen. So haben wir zweimal eine individuelle Reise durch Australien gemacht – und es beim zweiten Mal ganz anders empfunden. Da waren wir allerdings auch ein Jahrzehnt älter.
Wenn man viel reist, mag man ein wenig mehr Horizont wahrnehmen und verarbeiten können, weil man vielen Besonderheiten der fremden Umgebung gelassener gegenüber tritt. Aber das Fremde wird allenfalls anziehend, vertraut kann es auf diese Schnelle nicht werden.
Wir versuchen, uns das auch in Asien immer wieder bewusst zu sein, obwohl wir von diesem Kontinent schon immer angezogen wurden und dies nun letztes Jahr auch in Kambodscha und Vietnam so erlebten – so intensiv, wie eigentlich, ausser in Indien, noch nie zuvor. Diese Anziehung verändert aber nichts daran, dass wir Fremde bleiben – und dieses Fremde ist ja auch Teil der Faszination. Aber auch für die Menschen, die uns da begegnen und Scheu durch Neugier ersetzen.
Wenn man dann einen Reisebericht verfasst, so entlarvt man sich mit Garantie auf jeder Seite als der Fremde, der Klischees aufhockt oder Platitüden von sich gibt. Vielleicht vermag man es etwas geschickter anzugehen und die offensichtlichsten Schubladen nicht aufzumachen. Aber am Ende ist es der Bericht von Touristen über ein fremdes Land. Wir können nicht sagen: Kambodscha ist so, und Vietnam ist das. Aber wir konnten versuchen, zu erzählen, wie wir es empfunden haben – und was man uns näher brachte von diesen Ländern.
Ich muss gestehen, dass es mich riesig freut, wenn wir dann einen Kommentar wie den von heute bekommen, in dem die bei uns lebende Vietnamesin Phu schreibt:
ich habe noch nie so etwas schönes, poetisches, ehrliches und eindrückliches von meiner heimat gelesen.
Danke, liebe Phu, auch wenn sie wirklich übertreiben. Aber für das, was Sie beschreiben, gibt es ja auch keine objektiven Kriterien. Sie fühlen sich angesprochen, in jenen Schwingungen angerührt, die in Ihnen anklingen, wenn Sie an Ihre Heimat denken. Das ist auch für uns wunderschön, und diese Wortmeldung bedeutet mir sehr viel.
Ich wünsche Ihnen von Herzen ganz schöne Ferien in Vietnam im September! Was müssen das für Sie für Momente werden? Wie schwierig mag es manchmal sein, Fremde im “eigenen” Land zu sein, und auch am Wohnort irgendwie immer fremd zu bleiben? Was kann es da Schöneres geben, als Ihnen mit einem Reisebericht zu zeigen, dass wir etwas vom Reichtum Ihrer Kultur erspüren konnten, und dass wir dafür äusserst dankbar sind! Die eine Heimat, in der sich ein Mensch rundum geborgen fühlt, gibt es für viele Menschen nicht, oder noch nicht und nicht für immer. Wir bleiben immer auch Reisende und “fremdeln” gar schnell vor dem, was uns doch am nächsten liegen müsste: Dem inneren Frieden. Der ist an kein Land der Welt gebunden, aber Reisen lässt es sich vorzüglich, wenn man immer wieder nach ihm fragt.

Kommentar Nr. 4000
∞ 13 Dezember 2009, 20:14
Im Laufe des heutigen Tages ist der 4000ste Kommentar auf dieser Bloghütte abgegeben worden. Ich danke Ihnen Allen für das laute Mitdenken, für Zuspruch und Kritik. Und ich danke auch den stillen Lesern, die mir treu die Stange halten, auch wenn die Themen unmöglich immer gefallen können:
Themenblogs mögen erfolgreicher sein, weil sie leichter ihre Stammleser finden und es eine Art “stillen Vertrag” gibt: Neuer Beitrag, gleiches Thema.
Nun, alle (vielleicht halbherzigen?) Versuche, separate Blogs zu betreiben, die sich thematisch enger fassen, habe ich entweder eingestellt oder ich kann mich gar nicht mehr an sie erinnern…
Wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil der Druck, für verschiedene Gefässe ständig neuen Content bereit zu stellen, einfach zu gross ist.
Also wird es hier auch weiterhin ein breites Allerlei geben, das hoffentlich dennoch nicht beliebig wirkt. Getreu dem Fakt, dass Sie Alle ja auch nicht nur ein ganz beschränktes Themenfeld beschäftigen dürfte, nicht wahr?

Zur Islam-, Religions- und Kulturdebatte (Gastbeitrag)
∞ 6 Dezember 2009, 19:12
[Vorbemerkung von Thinkabout: Der Verfasser / die Verfasserin des nachfolgenden Beitrags ist mir bekannt. Er oder Sie möchte anonym bleiben, und ich respektiere das hier wie in jedem anderen Fall, in dem ich ein ehrliches Bedürfnis erkennen kann, die eigene Meinung frei sagen zu wollen, mit dem Ziel, der aktuellen Debatte eine zusätzliche Stimme zu geben: Kritisch, aber durchaus mit dem Wunsch, die Verhältnisse konstruktiv zu beeinflussen. Gastbeiträge in diesem Sinn werden hier aus allen “Lagern” Platz haben können: Ich wünsche mir genau dies: Eine offene Debatte aller Betroffenen. Dass auch Stimmen aus dem angrenzenden Ausland zu Wort kommen, ist nicht beliebig: Wir fühlen uns durch die Reaktionen aus diesem Ausland sehr wohl betroffen, rechtsradikale Tendenzen macht man auch bei uns aus, und der Blick ins Ausland hat ganz bestimmt auch das Abstimmungsverhalten mit beeinflusst.]
Ich melde mich hier anonym als Gastschreiber zu Wort. Ich komme aus Deutschland und möchte einmal aus meiner Sicht ein paar Worte loswerden.
Die Deutschen (und nicht nur sie, aber sie ganz besonders) müssen für sich selbst ganz klar formulieren, welche ihre eigenen Werte sind, was ihre eigene Kultur ausmacht. Dann erst können sie diese auch zeigen und dazu stehen, anstatt immer nur nebulös ihre angebliche Toleranz gegenüber anderen Kulturen zu betonen. Erst dann werden sie ja für die anderen sichtbar. Wer aber selbst keine Konturen zeigt, muss sich nicht wundern, wenn sie von anderen weder gesehen noch respektiert werden. Und genau hier liegt der Ansatz für ein besseres Miteinander.
Anstatt ständig zu tolerieren, von muslimischen Mitmenschen nicht ernst genommen zu werden, zuzulassen, wenn unsere Kinder von den türkischen Mitschülern gehänselt, beschimpft und als Nazis abgestempelt werden, bloß weil sie sich gegen deren Übergriffe wehren, ist es an der Zeit, für die eigenen Standpunkte zu arbeiten und sich diese klar und bewusst zu machen. Doch es muss erlaubt sein, den anderen die Grenzen zu verdeutlichen, ohne gleich aus den eigenen Reihen als Ausländerfeinde ausgebuht zu werden. Es muss den ausländischen Mitmenschen einfach nur klar gemacht werden, dass es in Deutschland, genau wie in jedem anderen Land auch, Sitten, Bräuche, Gewohnheiten, Gesetze und Regeln gibt, die einzuhalten von ihnen auch erwartet wird und dass jeder, der sich nicht daran halten will, eben mit entsprechenden Konsequenzen zu rechnen hat.
Das hat absolut nichts mit Rassismus zu tun! Es hat mit Souveränität und Gelassenheit zu tun. Eine Gesellschaft, die ihre eigene Kultur kennt und dazu steht, kann sie gegenüber anderen abgrenzen und somit auch die anderen als anders akzeptieren und tolerieren. Eine Gesellschaft, die zulässt, wenn ihre Grenzen ständig von anderen ungefragt überschritten werden (weil die es auch gar nicht anders können, wenn sie die Grenzen nicht sehen), muss zwangsläufig einen unterschwelligen Groll gegen die anderen aufbauen, der möglicherweise dann wirklich in rassistische Gedanken und Taten umschlägt. Und dann sind wir wieder genau da wo wir vor dem zweiten Weltkrieg schon einmal waren.
Diese angebliche Toleranz, von der immer mehr Stimmen fordern, sie endlich fallen zu lassen, ist in Wirklichkeit auch keine, es ist vielmehr die Angst davor, von anderen immer wieder mit den Nazis des dritten Reiches auf eine Stufe gestellt zu werden. Das wissen viele Ausländer ganz genau und nutzen diese Angst aus, um den ungeliebten Deutschen im eigenen Land zu demonstrieren, wer die besseren Menschen sind, oder aber ihre eigenen Parallelwelten aufzubauen, wohl wissend, dass sie dort niemand behelligt.
Und nun zu der Schweizer Entscheidung. Als ich das Ergebnis gelesen habe, waren meine inneren Empfindungen voller Widersprüche. Einerseits irgendwo ein Schamgefühl, auf der anderen Seite Erleichterung. Erleichterung? Warum? Dass eine Mehrheit eines Volkes, einer Nation, es wagt, eine solch unpopuläre Entscheidung zu treffen gegen alle derzeitige politische Korrektness. Unpopulär, aber sie ist da, wir alle müssen uns endlich mit dem Thema beschäftigen.
Ich dachte an Klassenfeste, auf denen Türken ihren eigenen Grill mitbrachten und abseits aufstellen, damit kein Schweinefleisch ihr Essen verunreinigt. An meine Kinder, die als Nazis beschimpft werden, bloß weil sie sich gegen die Übergriffe ihrer türkischen Mitschüler wehren. An Elternabende und Elternstammtische, an denen so gut wie nie türkische Eltern teilnahmen, obwohl der Anteil der türkischen Schüler in der Klasse ein Drittel betrug. Und die sehr wohl ein Thema auf diesen Elternversammlungen waren. Nur die, die wirklich etwas dazu hätten sagen können, waren für uns schlicht unsichtbar, nicht da, nicht vorhanden.
Eine Mutter sagte einmal, das hier ist unser Kulturkreis. Genau. Doch selbst die Lehrer eiern herum, unterstellen deutschen Schülern lieber Rassismus statt sich mit dem selbstherrlichen Auftreten ihrer ausländischen, vorwiegend muslimischen Mitschüler zu beschäftigen. Doch auch sie agieren angstgesteuert.
Ein falsches Wort, und sie sitzen in der Nazi- und Rassistenecke!
Wann endlich sind wir bereit dazu, Toleranz gerade bei denen einzufordern, die sie doch die ganze Zeit in höchstem Maße von uns abverlangen? Wie lange noch wollen wir uns und unsere Kultur, Religion und Geschichte verstecken und uns auch noch dafür entschuldigen? Anstatt endlich zu dem zu stehen was wir sind, wer wir sind, was wir dulden, gutheißen, akzeptieren und was nicht?
Doch dazu ist Klarheit und Hingucken notwendig, nicht Wegsehen und Verleugnen. Wir, ich meine die Europäer und Bewohner des christlichen Abendlandes, spüren deutlich, dass der Islam eine Vormachtstellung anstrebt (oder nicht?). Wollen wir uns denn unserer Werte einfach so berauben lassen, weil wir nicht den Arsch in der Hose haben, Grenzen zu setzen? Lieber die ach so hoch gehaltenen Empfindlichkeiten und Gefühle der islamischen Welt auf den Altar stellen, bloß nicht antasten, lieber keine Mohammedkarikaturen, lieber doch hier und da eine Baugenehmigung für die eine oder andere Moschee. Damit die Muslime still sind und wir unsere Ruhe haben.
Diese Initiative in der Schweiz war aus meiner Sicht nur ein Ventil, die dünnste Stelle an der ganzen Konfliktblase, die sich da seit Jahren aufbaut. Für mich völlig klar, dass sie gerade an dieser Sollbruchstelle platzen musste. Und es ist vielleicht ein Glück, dass sie in der Schweiz (ausgerechnet!) lag, nicht in Deutschland.
Ich gebe zu, das ist nicht immer brav formuliert. Dennoch bin ich kein Rassist und kein Nazi. Habe ich Vorurteile? Vielleicht. Doch viel mehr liegt mir am Herzen, dass die Menschen hierzulande (und europaweit) für sich und für das, wofür sie stehen und wofür sie leben, die Verantwortung übernehmen, sich ihren Ängsten stellen und ihre Vergangenheit aufarbeiten. Solange das nicht geschehen ist, wird es weiterhin dieses reaktive und angstgesteuerte Herumgeeiere geben, in der Politik, in den Medien, in den Schulen, im Supermarkt…

Unsere Chancen mit Obama
∞ 21 Januar 2009, 06:58
Seit gestern ist es also Tatsache: Barack Obama ist als 44. Präsident der USA im Amt.
Seit seine Wahl fest stand, sind die Probleme der USA und damit der Welt nicht kleiner geworden.
Was sich erhalten hat ist das Übermass an Hoffnung, das auf die Schultern dieses Mannes fokussiert bleibt.
Natürlich ist das übertrieben, natürlich ist Obama nicht der Nabel der Welt. Vielleicht war es der amerikanische Präsident noch nie so wenig wie heute. Die Welt ist wirklich globaler geworden. Ein unmöglicher Satz, ich weiss, und doch wissen wir alle, was damit gemeint ist.
Noch nie war es uns bewusster denn heute, noch nie war es so sehr Fakt wie jetzt:
Es gibt diese eine Welt und wohl definitiv auch den einen Markt, den globalen Wirtschaftsraum mit veränderten Spielregeln, Machtverhältnissen und unveränderten Begehrlichkeiten. Sie wachsen nun nur in noch mehr Köpfen und jenseits aller alten Grenzen.
Was also kann Obama bewirken?
Das Wichtigste scheint etwas Ungreifbares und daher auch sehr Fragiles, vielleicht gar nur Eingebildetes zu sein:
Wann haben wir das letzte Mal einer grossen politischen Figur zugebilligt, dass sie ein Regierungsamt mit dem Willen antritt, für Alle Gutes zu bewirken?
Sind diese Projektionen “berechtigt”? Müssen sie nicht zwangsläufig bitter enttäuscht werden?
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Gesellschaft und
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Wille
∞ 5 Januar 2009, 21:12
“Er hat einen unbändigen Willen.”
Wir bewundern Menschen, die sich für ein Ziel alles abverlangen können, die ihr Glück scheinbar zu erzwingen vermögen. Wir fassen Mut, wenn wir vorgelebt bekommen, dass nichts unmöglich sein muss. Auf jeden Fall glauben wir das gerne. Womöglich trauen wir da unserer Bewunderung zu viel zu. Denn ihr ist ja eigen, dass wir damit gleichzeitig schon zugeben, dass wir Gleiches nicht schaffen könnten.
Biographien lesen – ein Hobby von vielen Menschen. Und ich würde mal behaupten, dass praktisch alle diese Leser an einer aussergwöhnlichen Lebensgeschichte vor allem faszinierend finden, mit welcher Hartnäckigkeit und Willensstärke ein Ziel verfolgt wird. Wir wollen von Siegern lesen.
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Gastbeiträge

Weihnachten und Internet - eine Aktion
∞ 5 Dezember 2008, 07:40
Michael Gisiger hat mich eingeladen, an einer Weihnachtsaktion bei aseantic.com teilzunehmen.
Und weil die Idee einen guten Zweck verfolgt, bei dem immerhin fast 2000 Franken für wohltätige Zwecke zusammen kommen und dabei mindestens hundert Franken für “mein” SOS-Kinderdorf in der Mongolei anfallen, habe ich gerne mitgemacht.
Acht von Michael “handverlesene” Blogger haben Artikel für das Projekt geschrieben, die bis zum 19.12. nach und nach aufgeschaltet werden. Er war schon vor mir dran.
Wer sonst noch geschrieben hat? Keine Ahnung. Das weiss nur Michael. Vorläufig. Gevotet kann dann erst werden, wenn alle Artikel online sind.
Im Frack in den Himmel - das waren noch Zeiten
∞ 17 November 2008, 21:15
Gastbeitrag
Doch halt! Der Einlass wird verwehrt! Zu Füssen einer archaischen, steilen Treppe aus gefurchten, Moos- und Feuchtigkeit-überzogenen Steinquadern sitzt ein leger gekleideter Held in cooler Popidol-Pose. In seinen muskulösen, wenngleich schwielenlosen Händen hält er ein Schwert am Schaft, einem Hostienschrein ähnlich, vor sich. Das Schwert selbst ist nicht etwa juwelenbesetzt, sondern zeugt in seiner altertümlichen Schlichtheit, mit schmucklosem Blech beschlagen, von der edlen Gesinnung seines Herrn. Oder von dem gut ausgestatteten Fundus eines Kostümverleihs.
Bewacht der Held die Himmelspforte? Schlägt er den vermessenen Feind zurück, der ruchlos Einlass in den dionysischen Himmel des Gospels begehrt? Oder steht er mutig voranschreitenden Helden und Kämpfern für den Fortbestand des Gospels zur Seite?
Die aristokratisch geformte hohe Stirn über dem stählernen, wenngleich Vertrauen erweckenden Blick geneigt, den linken Mundwinkel zu einem einladenden, obschon leicht frivolen Lächeln nach unten gezogen, hockt der Held im Frack – ja, auf was denn?
Seine Kehrseite löst sich im sanften Photoshop-Übergang zum Wolkenhintergrund hin auf, knietief stecken seine Waden in fluffigem Cumulus.
Der Manschettenknöpfe entledigt, den Kragen lässig geöffnet und nach oben gestülpt, zeugt das leutselige Erscheinungsbild unseres Helden von seiner unmittelbaren Bereitschaft, die Himmelspforte mit seinem eigenen Blute zu verteidigen. Es bleibt ungewiss, ob er sich im Moment des Ankleidens zu einem Konzert befand, als ihn der Ruf zur Verteidigung ereilte, oder ob er im Anschluss an einen Auftritt mit bereits in Auflösung begriffenem Tenu kurz bei den Stufen vorbeischaute um nach dem Rechten zu sehen – und dabei zufällig auf einen Pressefotografen stiess.
Eine Schar schwarzgewandeter Gestalten mit rosa angestrahlten Schals schwebt im Hintergrund. Sanft in Wolken eingehüllt, die Blicke erwartungsvoll, die Münder geschlossen, lassen Sie den Betrachter fragen: Haben sie es bereits geschafft? Sind sie bereits der elysischen Verzückung jenseits der Pforte teilhaftig? Doch warum sind sie dann im Schweigen erstarrt? Oder gehören sie zu den zurückgeschlagenen Eindringlingen, die an den Prüfungen scheitern mussten? Worin mussten sie sich als Einlass-Begehrende prüfen lassen – im Schwertkampf? Oder mussten sie gar vorsingen?
Letztlich bleibt die Frage offen, wohin die Himmelspforte führt. Der Betrachter wird sich des Eindruckes nicht erwehren können, sämtlicher Sinne beraubt in ein endloses Nirwana zu stürzen. Keine fernen Ufer locken, keine nebulösen Konturen künden von den Verlockungen jenseits der Türflügel – blindes Vertrauen muss dem Einlass Begehrenden eigen sein.
Doch, was kann einem bei einem solch wundervollen Helden schon Schlimmes widerfahren? Den Hinterkopf ins sanfte Gegenlicht der göttlichen Strahlen getaucht, die tatsächlich so was wie einen Heiligenschein formen, scheint Bo Katzman letztlich eines verkünden zu wollen:
Nun, es funktionierte. Die Konzerte waren innert Tagen weitgehend ausverkauft. Und diesbezüglich hat sich nichts verändert.