Reflexionen

In Wort und Bild gesehen, gedacht und gefühlt
Zum Betrachten, Nachdenken, Mitdenken, Vordenken
Mit Lebenslust ein Leben lang, mindestens


Zürich - Singapore

∞  12 Mai 2009, 17:55

ERLEBT AM 18./19. März 2009


Am Vorabend hat Thinky unsere zwei Taschen eingecheckt, jetzt sitzen wir mit unseren Rucksäcken im Zug zum Flughafen.

Die Sicherheitskontrolle passieren wir ohne Gepiepse, das Boarding nach Sitzreihen wird vom Bodenpersonal überwacht, klappt deshalb einwandfrei, und wir starten pünktlich um 11:05. In ca. zwölf Stunden werden wir in Singapur landen.

Als Vegetarier oder Empfänger anderer kulinarischer Extrawürste wird man zuerst bedient. Ich weiss nicht, ob das gerecht ist, gefallen will es mir aber, und das Essen ist ausgezeichnet, wie immer bei Singapore-Airlines.

Jeder Passagier hat zur Unterhaltung seinen eigenen Bildschirm, auf dem er individuell Filme anschauen, Infos abfragen, Spiele machen kann. Ich nehme keinen Kopfhörer, mich interessieren nur die Infos, zB. das Wetter in Siem Reap. Fehlanzeige: Keine Meteodaten für Kambodscha oder Vietnam erhältlich, die scheinen kein Wetter zu machen, sondern es so zu nehmen wie es ist.

Thinky schläft ein wenig, ich bin wach und kann auf gut zehn Bildschirmen viel Geflimmer sehen: da hüpft, tanzt, springt, lacht und weint es, geküsst, gekämpft und geschlagen wir auch, in Action- und Trickfilmform, Dramen und Komödien, Western und Krimis. Ich schaue da und dort ein paar Minuten mit, versuche einfach ganz entspannt zu sein, schlafen geht nicht, meditieren vielleicht, etwas dösen schon.

05:40 Ortszeit Singapur: die Maschine setzt zur Landung an, es ist stockdunkel und regnerisch. Auf dem Monitor sehe ich, dass der Tag erst über Japan dämmert.

MIT PINGUINEN NACH SINGAPUR


Bewusst Schlaf finden im Flugzeug, das ist für mich je länger je weniger möglich. Also warte ich darauf, bis mir irgendwann die Augen zufallen. Positiv wie ich bin, bilde ich mir zu diesem Thema sowieso ein, dass man seine Glieder beim Aufwachen danach leichter sortiert bekommt, wenn man zuvor spontan wie ein halbvoller Kartoffelsack irgendwie in seinem Sitz zusammen gesackt ist, die Weich- und Knochenteile durch die Schwerkraft und die Schlafkraft irgendwie zwischen Lehnen, Kopfhörern und Rücken- und Vorderlehnen verkeilt… Bevor ich aber halbgerädert erwachen werde, zappe ich mich durch die medialen Tranquilizer. Ausser James Bond vermag mich nichts nur zu langweilen, ohne dass ich mich aufrege. Bond kann ich zudem auch ohne Ton schauen (ich hasse Kopfhörer, und Flugzeugkopfhörer ganz besonders). Bond ist mittlerweile eine Art Kampf-Ballett mit visualem Päng-Päng-Effekt und eignet sich hervorragend für Langstreckenflüge.

Er hat nur einen Nachteil: Nach zwei Stunden oder so ist Schluss. Und jetzt? In meiner Not wechsle ich ins Kinderprogramm. Ich hoffe auf einen Tom & Jerry – Cartoon. Die sind international verständlich, ohne Ton. Aber nix da. Stattdessen wird ein Zeichentrickfilm mit dem Namen “Happy Feet” geboten. Pinguine sind ja drollige Wesen, und ganz offensichtlich ist der Star des Films ein kleiner Pinguin, und damit noch drolliger. Schnell mal bin ich fasziniert davon, wie fliessend die Bewegungen der Tiere in diesem Film wirken. Der Kleine hat es schwer. Im Gegensatz zu allen anderen Pinguinen kann er nicht singen (!), sondern nur tanzen, was natürlich völlig unakzeptabel ist. Wie er dennoch seine Angebetete findet und so ganz nebenbei die Welt und damit die ganze Pinguin-Kolonie rettet, müssen Sie sich selber ansehen. Ja richtig. Ich habe “müssen” geschrieben. Ich habe auf jeden Fall nach fünf Minuten den Ton eingeschaltet und die Kopfhörer aufgesetzt, und bis zum Ende des Films daran nichts geändert. Ich mag eben echte Helden und wahre Geschichten. Märchen à la Bond sind irgendwie kindisch dagegen.

Und danach? Habe ich sogar etwas geschlafen. Geweckt hat mich dann ein schwerer Pinguin, der sich auf der Suche nach dem Meer watschelnd und wabbelnd durch den Mittelgang gezwängt und mir dabei den Bauch ins Gesicht gedrückt hat…



Erst um 08:40 geht es weiter, die Bordkarten haben wir schon in Zürich bekommen, also haben wir Zeit, uns etwas zu restaurieren. Die stets blitzsauberen Toiletten und Waschräume des Changi-Airport eignen sich dafür hervorragend. Ein Desinfektionsmittel aus dem Duty-Free möchten wir kaufen, aber Hochprozentiges hat es nur in Glas- und nicht in Petflaschen, und damit wollen wir uns nicht belasten. Dann müssen eben die Chilischoten reichen, um allfälligen Darm-Käferchen den Garaus zu machen.

Natürlich statten wir den zwei Koi-Teichen einen Besuch ab und bewundern die Orchideen; ich kenne keinen schöneren Flughafen als den Changi!




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