Vietnam: Hoi An, Palm Garden Resort
Erlebt am 4. April 2009, vormittags
[ Bilder des Tages: Album ]
Wir erwachen beide nach 08:00 und haben gut geschlafen. Langsam stehen wir auf, gehen frühstücken. Längs des Restaurants hat es einen langen überdachten Balkon mit Tischen, von denen aus man direkt in den Garten und auf die herrlich duftenden Frangipanibäume blicken kann, vom Dach hängen Orchideentöpfe. Genau da möchte ich sitzen, und da gibt es auch noch einen freien Tisch!

Das Frühstücksbuffet ist nicht nur gigantisch, die Speisen darauf sind auch ausgezeichnet. Da lassen wir es uns gut gehen, geniessen den Morgen.
Wir fotografieren in der grossen Anlage, die neben einem schönen Pool auch einige Seerosenteiche mit Fischen zu bieten hat und sehr geschmackvoll angelegt ist.

Mit dem Makro stehe ich nach wie vor auf dem Kriegsfuss, nehme das Zoom, mit dem ich schon all die Orchideen in Da Lat abgelichtet habe, stelle alles manuell ein und so bringe ich ein paar gute Blumen-Bilder zustande; wenigstens sieht es auf dem Display so aus.


Wunderschöne Schmetterlinge fliegen durch die Gegend, aber die wollen sich nie hinsetzen. Nur ein einziges Mal habe ich Glück.

Nach 10:00 beginnt es schon wieder richtig heiss zu werden. Ich schaue noch schnell am Strand vorbei: die Liegen sind besetzt, dh. es liegt schon mal ein Tuch drauf.
Auf unserem Balkon hat es Schatten und es weht ein leichter Wind. Hier lässt es sich gut aushalten, auch sind wir da sehr privat, es latscht niemand vorne durch, der Blümchen fotografieren will, oder so…
Thinky hängt seine nassen Kleider aussen an die Balkonbrüstung zum Trocknen. Ich sage ihm gleich, dass ich das Telefon nicht abnehme, falls es klingeln sollte.
Meine Krux mit der Hotelidylle
Das Leben im Hotel entlarvt seine Bewohner fast immer selbst. Je opulenter zum Beispiel ein Frühstücksbuffet aufgebaut wird, und das hier lässt wirklich keinerlei Wünsche offen, um so rücksichtsloser und gefrässiger gebärden sich die Gäste. Und so beschert mir dieser Morgen die Erkenntnis, dass vermögende Asiaten mindestens das gleiche Herrengehabe vorführen wie reiche Europäer. Aus dieser bahnbrechenden Erkenntnis schöpfe ich den folgenden ultimativen Ratschluss: JEDE Rasse sollte als Minderheit leben. Etwas anderes bekommt ihr einfach nicht. Und für alle Nachbarn im Land und daneben wäre es eh besser. Das zumindest wissen wir schon… Um das zu folgern, brauche ich keine Stunde. Etwa gleich lange dauert es anschließend, um feststellen zu können:
Die Hotelanlage ist wirklich wunderschön. Nur: Was macht man hier nach drei Tagen? Fotos, um alle Welt neidisch zu machen, sind schon jetzt, nach eine morgendlichen Stunde im Kasten.


Und danach sind wir auch schon wieder platt und durchgeschwitzt.
Im Internet lese ich die Botschaften eines Freundes, was mich ihm über alle Distanzen näher bringt und aufatmen lässt. Es ist gut, zu wissen, was ihn gerade umtreibt und wie er damit umgehen kann. Ich kann meine Gedanken an ihn “bündeln” und fühle mich ihm näher. Er schreibt uns, wie sehr er uns für unsere Entscheidung, unseren Lebensrhythmus zu entschleunigen, beglückwünscht, und jedes Mal, wenn das jemand zu uns sagt, kommt mir das komisch vor. Denn es ist doch so: Das, was für meine Frau und mich “normal” ist, setzen wir um. Was mehr erfordert, fällt hingegen auch uns schwer.
Alles eine Frage der eigenen Bewertungen. Und von wegen gemächlich: Wie gesagt, der Liegestuhl hat für mich in solcher Umgebung etwa so viel Reiz wie eine erkaltete Currywurst für einen Vegetarier, und so sind wir Entschleunigten auch schleunigst wieder bereit, einen Ausflug zu planen, trotz aller Hitze – denn die Hotelanlage ist so weitschweifend großzügig, dass ich wohl endgültig Orientierungsschwierigkeiten hätte, würde ich die Umgebung nur dazu nutzen, mich zwischen Buchdeckeln nochmals in eine andere Welt zu denken. Ich schaffe es einfach nicht, in dieser schönen künstlichen Welt das Rückgrat flach zu legen und nichts anderes zu tun, als Däumchen drehend zu lesen -oder noch weniger. Natürlich ist es heiß – viel zu heiß, eigentlich, um mittags um eins (!) los zu tippeln. Aber ich denke den Gedanken, der immer am Antriebsriemen zu ziehen vermag: Ich werde niemals mehr an diese Ecke kommen, sie ist einmalig, und es gilt, sie zu erkunden (das Land, nicht die Burg, die womöglich Europäer für Europäer oder reiche Asiaten da hin gestellt haben): So lasst uns denn Entdeckungen machen!
