Reflexionen

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Mit Lebenslust ein Leben lang, mindestens


Australien 2007 - Tag 32

∞  1 März 2009, 22:54

Erlebt am 24. November 2007 – Vom Warren NP nach Hamlin Bay

Aus dem Wald ans Meer



Abends zuvor um zehn fuhr doch noch ein Auto vor: Der Ranger als Toilettenreiniger. Der Duft, der uns heute morgen auf jeden Fall auf dem Plumpsklo empfing, hätte jeder Fünfsternhotel-Edelkloschüssel entströmen können.
Am Picnic-Tisch sitzend verzehren wir unser Müesli, und Thinkabouts Wife wirft lange letzte und dann allerletzte Blicke auf ihren strahlenden Gum Tree, den sie schon von ihrem Schlafplatz aus beobachten konnte und der das erste mächtige Zeichen von Schutz war, das sie heute beim Erwachen wahrnehmen konnte.
Die Fahrt führt uns dann weg von den Flussufern zu einem Lookout, wo wir nochmals einen Blick auf den verschlungenen Lauf des Warren Rivers werfen können, bevor wir erneut über Pemberton nach Manjimup fahren. Entlang dieses sog. Donnelly Drives besuchen wir den Diamond Tree: Dieser Feuerwachtbaum hat eine gut sichtbare Holzplattform, ist aber seit 1976 nicht mehr “im Betrieb”. Jetzt steht er als Denkmal da, und nicht nur Touristen besuchen den Informationsstand. Ein Skink lugt noch etwas morgenstarr aus einem Riss in einem Baumstrunk, und auf dem kleinen Rundgang macht mir ein wunderschöner rotgeflügelter Fairy Wren den Gefallen, genau so lange still zu halten, dass ich ein einziges Foto schiessen kann. Danke!




In Manjimup ist dann wieder mal tanken und einkaufen angesagt, und ein freundlicher Motorradfahrer lotst uns danach auf die Graffith Road, die uns den Donelly River entlang zum Glenorian Pool führt.
Auch hier sind wir praktisch allein. Sobald man sich dem Weg entlang etwas durch die Büsche schlägt, komme ich ins Schwitzen. Es scheint schon ziemlich heiss zu sein. Die Farbe und Stille im und über dem Wasser ist wunderbar.
Die Wälder bringen immer wieder besondere Formationen hervor: Wie “The Four Aces”, vier Riesen, die scheinbar in Habachtstellung aus allen Richtungen im lichten Wald sofort als streng ausgerichtete Gruppe auszumachen sind.
Nach dem Picnic übernimmt meine Copilotin die Fahrt über den Highway bis vor Augusta. Genau gesagt bis Karridale, wo uns ein auf einem hohen Eisenstab thronender Plastik-Riesennikolaus am Strassenrand mit ausgestreckter Hand ultimativ zu einem Halt auffordert und uns den Weg zu einem weiteren Vanilla-Milchshake weist.
Wir sitzen auf einer Veranda, umgeben von älteren britischen Touristen. Ich höre die Stimmen, doch ich nehme nicht viel auf. Es erscheint mir unwirklich, in dieser Ecke auf Klinkerstein zu sitzen, nachdem ich doch eben mich noch in einem vierhundert Jahre alten Wald befand…
Vor Augusta biegen wir in den Leeuwin Nationalpark ab, der von einem strahlend weissen Leuchtturm geprägt wird. Sollte Ihnen auf den Bildern das Fundament dieses Leuchtturms besonders massiv vorkommen, so muss das nicht nur ein optischer Eindruck sein: Es ist ein strahlend schöner Tag, keine Wolke am Himmel, aber es herrschen Winde, die so brutal sind, dass es meiner Frau nur in meinem Windschatten gelingt, dem Sockel entlang nach vorn zu gelangen, wo ein Schild auf die wirkliche Besonderheit dieses Ortes hinweist: Hier treffen der Pazifik und der indische Ozean mit gegenteiligen Strömungen aufeinander, und tatsächlich ist hier ständig an den aufeinander prallenden Wassermassen und deren Schaumkronen die Berührungslinie auszumachen.




Etwas weiter von der Erhebung weg, in der Senke, kommt man besser vorwärts und kann sogar spazieren. Ein verkrustetes und vom Salzwasser zerstörtes Mühlrad steht nutzlos am Strand, und in einem meterhohen dichten Ufergehölz zerrt der Wind nicht so sehr an den Kleidern. Und stets oder zumindest fast immer bleibt der strahlend weisse Leuchtturm sichtbar.




Unser Camp liegt heute an der Hamlin Bay. Nach ausführlichem Duschen erwachen meine Lebensgeister wieder, und wir machen einen langen Spaziergang dem ausladenden Strand entlang. Wir haben Zeit zum Reden und brauchen sie auch. Wir sind müde, brauchen wieder einmal einen Ort, wo wir zwei Nächte bleiben können und wollen. Irgendwie zerrt der Wind in mir eine Unruhe hervor, die nicht zu diesem wunderschönen Ort passen will. Am Strand sind wir nicht allein. Während die einheimischen Kinder herumtollen und sich in ihrem Spiel nicht stören lassen, rangeln sich die Touristen doch tatsächlich um die scheinbar “besten” Plätze für den Sonnenuntergang. Man könnte meinen, sie wähnten sich im Kino, wie sie so mit breiten Hintern auf den Überresten eines Jettys sitzen, auf dem noch bis ins 19. Jahrhundert das gewonnene Holz aus den Wäldern in die Schiffe geladen wurde. Nun, mir dienen sie als Kulisse, und während andere das Pech beklagen, dass “ausgerechnet heute” der Horizont wolkenverhangen wäre und ihre Kameras einpacken, mache ich Bilder, die mich bis heute durch ihre Intensität glücklich machen.




Menschen sind einfach manchmal kaum auszuhalten.

Der Reis, den wir aufsetzen, will einfach nicht zum Kochen kommen. Der Wind ist schuld… Der ist – für mich – manchmal auch nur schwer auszuhalten!


Der Artikel wird nach einigen Tagen in die Sektion GEREIST verschoben.