Reflexionen

In Wort und Bild gesehen, gedacht und gefühlt
Zum Betrachten, Nachdenken, Mitdenken, Vordenken
Mit Lebenslust ein Leben lang, mindestens


Australien 2007 - Tag 28

∞  5 Januar 2009, 07:12

Erlebt am 20. November 2007 – Von Albany (Caravan Park)nach Nornalup (Valley Of The Giants Eco Park CP)

Ein Tag der Sensationen



Wir schlafen wie die Murmeltiere! Allerdings weckt uns die feuchte Kälte in der Luft frühzeitig. Aber die Schlafsäcke sind trocken geblieben, und die Kissen auch. Das Zelt ist pitschnass. Aber nur aussen. Es hat tatsächlich gehalten.
Wir schälen uns aus den Schlafsäcken und bringen uns mühsam auf Betriebstemperatur. Der Himmel verheisst das unverändert feuchte Wetter. Aber ich kann das Zelt abbrechen und zusammenlegen, ohne verregnet zu werden. Das nassschwere Überzelt packen wir wieder in einen der äusserst geräumigen und reissfesten schwarzen Plastiksäcke, die ich bei Woolworth gekauft habe, und legen es dann in den Fussraum der hinteren Sitzbänke im Auto. Das Müsli schmeckt richtig gut. Wir haben trockene Kleider am Leib und frieren nicht. Zumindest schlottern wir nicht. Es braucht nicht viel, um sich königlich zu fühlen. Nur die Lernphase ist manchmal etwas hart…
Noch können wir nicht wirklich wissen, wie schön der Tag werden wird, auch wenn wir die heutigen Sehenswürdigkeiten natürlich im Internet schon erkundet haben vor der Reise. Also, zumindest meine Frau. Ich bin darin nach wie vor ziemlich träge… Aber ob das auch so wäre, wenn ich nicht mehr als zwanzig Jahre lang die Erfahrung stets von Neuem gemacht hätte, dass mir mit Sicherheit gefallen wird, was sich meine Reiseführerin zusammen gestellt hat?
Unser erstes Ziel heute ist der Torndirrup National Park, knapp 10 km ausserhalb von Albany. Er ist vor allem für seine spektakulären Küstenformationen bekannt. Wir steuern einen Weg zu den Blowholes an, einem Einlass in den Uferfelsen, durch das das unterirdisch anrollende Meer durch den Druck Gischt- und Wasserfontänen hindurch schiessen soll, die dann wie eine Art Geysir zu sehen sind.


Der Weg an sich wäre eine kleine Wanderung wert, und wir wagen es schliesslich: Es ist wieder sehr bewölkt und höchst unsicher, dass es nicht regnen wird. Ein strammer Fussmarsch hin und zurück weckt dann in jedem Fall unsere Lebensgeister endgültig. Das Meer muss wohl mehr bewegt sein oder in einem anderen Rhythmus schlagen, dass man sehr viel mehr als ein paar Gischtpupser zu sehen bekommt.
Aber die Landschaft ist beeindruckend und die Steinquader erheischen in Ihrer Grösse und Stärke, die sie vermitteln, durchaus Respekt.
Dem Wetter gerecht werden die kurzen Distanzen zu den Sehenswürdigkeiten in diesem Park. Unser nächster Halt gilt dem Stony Hill Heritage Walk, wo uns ein Rundgang eine 360°-Aussicht auf Albany und das Hinterland sowie die ganze Südhalbinsel erlaubt. Das Wetter wird besser! Und die Pflanzen faszinieren uns auch hier, mit Blütenständen, wie wir sie noch nirgends zuvor gesehen haben. Der Rundgang ist sehr schön, und dass wir ihn stressfrei und bei aufklarendem Wetter absolvieren können, ist noch schöner.




Ich liebe Leuchttürme! Auch der hier von Torndirrup steht stoisch gelassen da – und ist ganz eindeutig in besserem Zustand als die Hinweistafel zu seinen Füssen…




Im Gegensatz zur Ocean Road sind die Klippen hier aus hartem Granit, so dass die Erosion des Wassers nicht zu zerkrusteten, schorfigen und zerfressenen Felsformationen führt, sondern sich vielmehr glattwandige, spiegelblanke Quader bilden, die manchmal wirken, als hätten sie als Vorlage für Inkabauten gedient. Besonders spektakulär ist The Bridge, ein Granitbogen, der sich über das Wasser spannt, oder The Gap, eine tiefe Felspalte, die vom leckenden und stampfenden Meerwasser immer tiefer und weiter ins Landesinnere getrieben wird.




Danach tanken wir in Albany und fahren dann weiter der Sonne entgegen: Über Denmark in den William Bay National Park. Bei schliesslich strahlendstem Sonnenschein und atemberaubenden Lichtverhältnissen erreichen wir den Küstenabschnitt, der nur Green Pool genannt wird. Warum? Kein Kommentar. Einfach die Bilder ansehen – und sich wie betrunken fühlen angesichts dieser Schönheit (Geduld, erst noch ein bisschen lesen, ja?).
Kilometerweise erstreckt sich der Strand, und er bietet immer wieder neue, einzigartige Ausblicke. Granitfelsen liegen wie hingeworfen zum Teil direkt am oder im Wasser, so dass man auf oder neben ihnen stehend immer wieder neue kleine Pools entdecken kann, zum Teil komplett abgeschirmt und geschützt von der rauhen Brandung, die auch hier der Küste vorgelagert grollt und dröhnt. Elephant Rocks werden diese Felsen genannt. Mächtig wie Riesenelefanten sind sie auf jeden Fall! Am ganzen Küstenstreifen zählen wir vielleicht zehn Menschen. Es ist windig und kühl, keine Saison, wir brauchen unsere Jacken. Aber hier dürfte in den heissen Jahreszeiten mächtig was los sein. Jetzt aber ruht das Auge still über der unberührten Landschaft. Das Gefühl, im Paradies zu picknicken, war in meinem Leben nie näher als an diesem Tag.




Nach ein paar Stunden können wir gar nicht mehr aufnehmen, was wir sehen, und wir verlassen den Ort mit einem tiefen und alles umfassenden Gefühl, reine Schönheit gesehen zu haben. Und gefühlt.
Und der Tag der Sensationen ist noch nicht zu Ende! Weil wir so gut in der Zeit sind und das unfreundliche Wetter zu Beginn uns unserem Tagesziel schneller nahe gebracht hat als gedacht, beschliessen wir, eine weitere Sehenswürdigkeit noch heute zu besuchen: Das Licht ist hier am Abend bestimmt sehr viel wärmer als am frühen Morgen: Im Valley Of The Giants im Walpole Nornalup National Park. Bitte nennen Sie das Valley immer mit den beiden Ortsnamen Walpole und Nornalup, wenn Sie keine Probleme provozieren wollen. Die beiden Städtchen liegen sich nämlich beständig in den Haaren, wem denn das Tal der Riesen wirklich oder zumindest mehr “gehöre“…
Allerdings haben die Menschen hier in jedem Fall einen aussergewöhnlichen Platz geschaffen: Nirgends wohl kann man so gut wie hier das Wesen und die Atmosphäre der Baumriesen erfahren: Die Tingle Trees sind eine Eukalyptusart, die bis zu fünfzig Meter hoch in den Himmel ragen. Tja, und in den Wipfeln dieser Giganten können Sie spazieren, wenn Sie wollen. Vierzig Meter über dem Boden, auf einem Rundgang in Form einer Hängebrücke aus Stahlrohren, die sich viele hundert Meter weit zwischen die Bäume spannt. Die Trassen schwanken erstaunlich wenig. Die Begehung ist auch nicht schwindelfreien Naturen wie mir durchaus zuzumuten. Es schadet ja auch nichts, wenn Mann mal ein bisschen stiller ist und wenigstens von Zeit zu Zeit die Klappe hält. Mehr als zehn Personen dürfen sich übrigens nie auf einer einzigen Querverbindung zwischen zwei Pfeilern bewegen. Ein Zeichen, dass die Macht übermässiger Schwingungen nicht unterschätzt werden darf. Aber der Walk lässt sich durchaus geniessen, und ich hoffe, auch hier Fotos beizusteuern, wie es sie in dieser Anschaulichkeit nicht so oft im Netz zu finden gibt.




Danach auf dem sicheren Boden unbedingt noch den Spaziergang durch das Ancient Empire machen! Dieser Gang entlang der mächtigen und oft bizarren Wurzelgebilde, die aus einem Fantasy-Film stammen könnten, ist der stille Abschluss einer einmaligen Erfahrung der Nähe mit Jahrhunderte alter Natur. Noch etwa 6000 ha gross ist der Abschnitt, auf dem diese Bäume anzutreffen sind. Ganz still sitzen wir zwischendurch auf einer Bank, und ganz leicht fährt meine behutsame Hand über einen gefallenen Riesen am Wegrand. Und gleich daneben bohrt sich ein nächster Turm mit geschätzten 12 Metern Umfang scheinbar wie ein ungespitzter Pfahl in den Boden.
Während wir sehr still sind, jagen zwei junge Männer an uns vorbei, balancieren auf den Strünken und johlen sich gegenseitig an. Ich kann mich erinnern, den einen von ihnen auf dem Parkplatz gesehen zu haben, mit einem Jetski auf dem Anhänger. Irgendwie sind wir Menschen wirklich verschieden gestrickt…
Je älter die Bäume sind, um so bizarrer die Wurzelformationen. In gewisse Baumstämme kann man hinein stehen, wobei sich 1m60 Körpergrösse sehr wohl verloren vorkommen können. Es wäre durchaus möglich, in gewissen Bäumen einen VW-Bus zu parken…




Unser Nachtlager ist ganz in der Nähe vorgesehen, und es erweist sich als Bijoux, passend zu diesem unglaublichen Tag:
Der Eco Park wird von einem etwa siebzigjährigen Herrn geführt, der den Ehrgeiz hat, einen ökologisch verträglichen Park aus seinem kleinen Traumrefugium entstehen zu lassen. Und mit sehr viel Liebe und Zeit erklärt er uns dann auch, was wir bei ihm an Pflanzen und Tieren erwarten dürfen.
Er hat nur ganz wenige Gäste, und für uns ist sehr schnell klar, dass wir an diesem ruhigen, naturnahen Ort zwei Nächte bleiben wollen. Und wir sind praktisch unter uns. Die Einrichtungen sind sauber, wenn auch sehr einfach, und die Landschaft verspricht abwechslungsreiche Spaziergänge. Überall laden kleine Pfade dazu ein. Es gibt auch einen kleinen See, der als Wasserreservoir dient, die Ebene ist eine Flusslandschaft, auch wenn der Fluss nur ein Bächlein ist. Und schon der Zeltplatz selbst ist jede Entdeckungstour wert:




Darin auch noch mehr Wildlife vermuten zu dürfen, macht unsere Freude einfach perfekt.
Und tatsächlich: In den Abendstunden können wir emsige Honey Possums beobachten: Eine winzige, vielleicht mausgrosse Art Opossums. Aber Bilder dazu gibt es erst am morgigen Tag. Erstens haben wir sie an beiden Tagen gesehen, und zweitens glauben Sie mir sowieso nicht, dass das auch noch an diesem Abend sein durfte.
Der Tag hielt uns nicht nur blauen Himmel bereit, sondern auch angenehmes Klima: Auch jetzt wird es zwar mit der aufziehenden Nacht kühl, aber es ist fast windstill. Wir sind überzeugt, dass wir genau hier einen Ruhetag verbringen wollen. Mal sehen, wie die Nacht sein wird…


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Der Bericht wird in ein paar Tagen in die Sektion verschoben.