Australien 2007: Fehlstart
Erlebt am 22. Oktober – Im Zug zum Hauptbahnhof Zürich
Thinkabouts sitzen mal wieder falsch
Der Tag unserer Abreise ist da. Es ist bedeckt und kühl, aber trocken. Wir stehen um acht auf, machen die letzten Kontrollgänge durchs Haus, geniessen nochmals den Komfort des Vertrauten, zwingen uns zu einem ruhigen Frühstück, und dann gehen wir zum Bahnhof.
Wir sind – natürlich – zu früh. Auf der Bank am Perron sitzen wir zusammen, die Knie aneinander. Ich schaue meine Gefährtin an. Es ist mal wieder so weit. Welche Abenteuer auch warten, auf dich kann ich mich hundertprozentig verlassen. Ich versuche mir auszumalen, welche Belastungsproben uns drohen könnten, und die Aussicht auf sechs Wochen auf engstem Raum mit Thinkabouts Wife kann mich auch jetzt nicht schrecken.
Der Zug fährt ein, ich werfe einen flüchtigen Blick auf die Türen, sehe die 2 für 2. Klasse und das Nichtraucherzeichen. Wir entscheiden uns im Doppelstockwagen für die obere Etage und setzen uns auf die bequemen Polster. Ich atme tief durch und frage meine Frau, ob eigentlich die Züge heute schon generell rauchfrei wären? Wir wissen es beide nicht. In Sachen Bahn sind wir Banausen. Das Schwierigste für uns an einer Fernreise kann schon mal die erste Strecke sein: Auf jeden Fall achten wir peinlich darauf, dass wir auch in die richtige Richtung abfahren – ist alles schon mal anders passiert…
Und da steht er dann vor uns, der junge Herr Zugbegleiter. Er möchte die Fahrkarten sehen, die wir auch brav aus unseren Taschen klauben. Warum wir 1. Klasse reisten, will er wissen?
Was, Wie? Es stellt sich heraus, dass dies ein zweigeteilter Wagen ist. Unten 2. Klasse, oben erste. Wir sitzen falsch. Macht zwei Mal 80 Franken Strafe plus Aufpreis aufs Ticket.
Wie bitte? Mich trifft zum zweiten Mal fast der Schlag. Der junge Mann lässt sich dann wenigstens dazu erweichen, uns mit einmal 80 Franken schlüpfen zu lassen. Mit gutem Recht verweist er allerdings auf verschiedene Kennzeichnungen im Wagon, an denen man es hätte sehen können…
Aber unser Blick ist ganz offensichtlich schon über den grossen Teich gerichtet und hat für derlei Kleinigkeiten keine Aufnahmekapazität mehr.
Eigentlich habe ich meine Schweizer Franken als Wechselgeld-Reserve mitnehmen wollen. Wenn ich diese Reserven in diesem Tempo aufbrauche, wird das Flugzeug ohne uns abheben… So beginnt unsere Reise auf den ersten zehn Kilometern also mit einem neuen Kapitel aus der Kategorie: Thinkabouts Reiselapidarien per Bahn…
Danach erweisen wir uns als Weltbürger. Wir finden den richtigen Flughafen, und das richtige Gate, wie sich noch heraus stellen wird…
