Tages-Geticker vom 2. Februar 2009
Der Mensch lernt ja von Beispielen, und nicht nur das Kind imitiert, kopiert und macht nach. Wobei es durchaus Unterschiede darin geben mag, welche Beispiele auf wen attraktiv wirken. So kann einer z.B. seine Zigi noch so jamesdeanmässig nonchalant im Mundwinkel tanzen lassen – mich lässt das kalt. Der Raucherhusten meines Vaters, der heute noch in meinen Ohren wie der Notruf einer Krähe tönt, die eben durch den Fleischwolf gedreht wird, hat da einfach stets ein Gegenargument parat. Total uncool, der James, sorry.
Aber Männekens, die stets ihr Notizbuch mit dabei haben, stets bereit, flugs einen Gedanken, der flüchten will, rechtzeitig zwischen Kladden zu sperren, die finde ich cool. Leider leben davon zu wenige stets in meiner Nähe, so dass ich zu wenig Imitationsgelegenheiten habe und mein Notizbuch immer wieder verlege, egal, ob es sich um die grössere oder die kleine Ausführung handelt. Dabei ist es wie mit dem Fotoapparat: Wäre das Werkzeug stets zur Hand, es liesse sich jeder einzelne Tag ganz anders rapportieren.
Wobei, wenn ich mir so überlege, was dabei heraus käme, so fürchte ich, dass sich zum Beispiel die Absurditäten des heutigen Tages in kürzester Zeit vervielfältigt sähen – und nur beweisen würden, was ich gar nicht wissen will. Es ist schon schlimm genug, dass ich es ahnen muss:
Die Welt spinnt. Und damit sind wir gemeint. Wir werden immer engstirniger. Und weltfremder.
So habe ich mir heute doch tatsächlich notiert:
In Lugano empfiehlt die Polizei im Stadtverkehr das Montieren von Schneeketten.
Dafür können wir doch nichts, sagen Sie? Vielleicht. Aber ich kann durchaus verstehen, dass man unserem Treiben auch von oben nicht wirklich mit Übersicht, sprich Gelassenheit zuzusehen vermag und deswegen mit den Niederschlagsarten und deren Verteilung in Nord und Süd leicht mal durcheinander geraten mag:
In der Schweiz fürchtet man vor der Abstimmung zur erweiterten Personenfreizügigkeit die Einwanderung schlecht qualifizierter Bulgaren. Komisch. In Bulgarien fürchten sie sich vor der Auswanderung der gut Qualifizierten.
Und in Basel müssen die Schüler ausgeschlafen und ernährt in die Schule kommen. Das sagt das Schweizer Radio DRS in einer Mittags-Nachrichtensendung nicht etwa den Schülern, sondern den Eltern. Da wird doch tatsächlich lang und breit erklärt, ausreichende Ernährung und genügend Schlaf wären unabdingbare Voraussetzungen, um gut lernen zu können. Wie sich die Zeiten wandeln. Das ist heute eine Erkenntnis, die im Rahmen der Idee des Service Public vom Nationalradio zu verkünden ist.
Ich habe mich als Schüler noch darüber genervt, wenn mir Mutter auf den Schulweg nachrief, natürlich so, dass es die Kameraden ganz bestimmt hören konnten: “Kurtli, hesch di Nastuech?” Das waren richtig gute Zeiten.
Das findet die Stadt Basel auch. Zumindest Ernährung und Schlaf für die Kids will sie nun von den Eltern einfordern. Per möglichem Bussgeldbescheid von bis zu CHF 1000.—, wenn das Kind im Diktat einschläft oder den Stift wegen einem Hungerast nicht mehr zu führen vermag. Erfahrungen an anderen Orten wären durchaus ermutigend. Hey, das ist keine Absurdität! Das ist so real, dass es für dieses Gesetz schon Erfahrungswerte gibt! Also, wenn Sie mich fragen, dann sollten die Bulgaren und alle anderen noch ein wenig warten. Wir sind wirklich noch nicht auf sie vorbereitet.
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