SF2 spart bei der Fairness
SF2 investiert nach fünf Stunden Live-Tennis kein Geld mehr in die Siegerehrung. Hätte der andere Spieler gewonnen, wäre das garantiert anders gewesen. Und genau das ist das besonders Peinliche daran…
Seit einer guten halben Stunde ist der Wimbledon-Final 2008 Geschichte. Und das Endspiel zwischen Nadal und Federer hat wirklich Geschichte geschrieben. Vielleicht war dies der beste Grand-Slam-Final, den die Welt bisher gesehen hat. Mit der dramatischste war es auf jeden Fall. Trotzdem soll hier nicht in erster Linie von der Leistung der beiden besten Tennisspieler der Welt die Rede sein.
Natürlich bin ich traurig, dass es für Federer ganz knapp nicht gereicht hat. Aber ich kann nur den Hut ziehen vor Nadal und geniesse das Bild, wie Nadal seine Betreuer und Familie in die Arme schliesst und zu begreifen versucht, was er eben geleistet hat. Es ist wahrscheinlich die Geburtsstunde der neuen Nr. 1 im Welttennis, und sie vollzieht sich in einer Art, die feierlicher nicht sein könnte.
Das Deutschschweizer Fernsehen war den ganzen Nachmittag am gelben Ball, auch gleich nach der Regenpause. Doch für die Siegerehrung ist man nicht auf Sendung geblieben. Beim Westschweizer Fernsehen hingegen wurde die ganze Zeremonie noch übertragen und damit der sportlichen und menschlichen Leistung zweier ganz besonderen Protagonisten des Sports Tribut gezollt – nachdem diese fast fünf Stunden einen epischen Kampf geliefert und uns alle blendend unterhalten haben.
SF2 hingegen gehört die rote Karte gezeigt. Ich finde dieses Verhalten, sich nach einer solchen Übertragung abrupt aus der Live-Schaltung zu verabschieden, peinlich, unsportlich und in einer Art chauvinistisch, die beschämend ist.
Nicht zum ersten Mal kam das Ende einer Live-Übertragung so plötzlich, dass das offensichtliche Bemühen, ein paar Sekunden oder wenige Minuten Live-Übertragung einzusparen, schlicht so wirkt, als würde der Buchhalter dem Journalisten das Mikrofon aus der Hand reissen.
Werden ähnliche Verhalten bei Siegeszeremonien im deutschen Fernsehen beobachtet, zögern wir nicht, darin die typische Überheblichkeit und Arroganz der grossen Nachbarn zu sehen. Wann lernen wir wieder, dass der Sieg der “Eigenen” erst dann vollkommen ist, wenn man auch die Leistung derer, die man “besiegt” hat, als das würdigt, was sie war? Und erst recht gilt das in der Niederlage: Wo bleibt da der Respekt für den, der diesmal besser war? Wann gehen wir dazu über, dass alle Medien dieser Welt beim Vermelden der Resultate von Wettkämpfen nicht nur, z.B., den zweiten Platz des Landsmanns vermelden, sondern auch den Sieger und den Drittplatzierten?
Es gab mal eine Zeit, da war das selbstverständlich. Es ist noch nicht so lange her. Aber wahrscheinlich ist das naiv in unserer Gegenwart, in der am Ende bei noch so knappem Ausgang jedes Resultat eines Wettkampfs logisch erklärt wird und nur die Leistung des Siegers zählt?
Wie sollen in diesem Umfeld und dieser Geisteshaltung die Jungen in den Sportclubs noch das faire Verhalten bei Sieg und Niederlage lernen. Wann können sie das Wort Respekt nicht mehr buchstabieren, weil sie es noch gar nie gehört haben?
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