Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Meinung, Kritik, Urteil - Respekt

∞  6 Juli 2008, 19:17

Vom Umgang des Kritikers mit sich selbst, und was mein Urteil zu allererst auch mit mir selbst anstellt.


Kritik gehört zum Leben. Wir sind oft nicht einverstanden. Jemand sieht unsere Leistung kritisch. Wir teilen eine Meinung nicht. Wir widersprechen, argumentieren, lehnen ab.

Kritik ist gerade im Journalismus und beim Bloggen oft die Essenz des eigenen Tuns. Es gibt Lieblingsthemen, in denen man sich eine besondere Legitimität zur Kritik zubilligt. Gerade Blogs erlauben die freie Meinungsäusserung ohne Einbindung in ein Redaktionssystem, eine redaktionelle Grundausrichtung, eine verlegerische Richtlinie.

Die freie Meinungsäusserung zu leben, bedeutet, zu kritisieren und kritisiert zu werden. Es kann Beides auch fast drohen: Der Zwang, Stellung zu beziehen wie die Notwendigkeit, Kritik zu ertragen. Wer sich hinstellt und beginnt:

“Ich finde…”
“Meiner Meinung nach…”
der exponiert sich, riskiert auch Widerspruch. Kritiker, die nicht kritikfähig sind, mögen häufig sein, sind aber ein einziges Ärgernis. Gerade Blogger, ja jede Kommunikation im Internet, steht in der Versuchung, besonders süffisant und grob geführt zu werden, da die virtuelle Kulisse es erleichtert, aus einer gewissen Deckung heraus auszuteilen.

Wenn die Kritik aber zum Urteil wird, wenn wir zu richten beginnen über das Tun und Denken anderer, dann verlieren wohl zuerst wir selbst etwas: Wir sind nicht zum Richter geboren. Ich glaube, dass wir das tief in uns selbst wissen und in Fällen, in denen wir nur noch den Kopf schütteln können über andere, ja selbst dann, wenn uns ein Verhalten völlig fremd ist und uns entsetzt, wir in erster Linie bestürzt sind über uns selbst, weil wir im Grunde wissen, dass dies alles, was sich in jemand anderem zeigt, auch in uns selbst angelegt ist…

Wer in einer Diskussion ausfällig wird, lebt eine gehässige Ablehnung, die ich in mir vielleicht auch spüre (vielleicht gegenüber anderen, in einem anderen Thema), sie aber selbst erfolgreich bekämpft oder zurück gehalten habe. Indem sie von anderen verbalisiert wird, hat dieser jemand die Grenze durchbrochen, die ich mir selbst setzte. Er verunmöglicht mir und anderen, diesseits einer Limite in einem vernünftigen Gespräch, in einer Diskussion zu bleiben. Oder er offenbart mir in einem Thema, wie gebrochen man sein kann in seiner inneren Harmonie, dass man die Ablehnung und Ausgrenzung betreibt, sie vielleicht gerade für sich selbst auch sucht, weil man sich eh nicht mehr selbst finden kann und daher unbewusst im Widerspruch anderer gegen sich selbst neue Identität finden möchte.

Die Herzensguten werden oft als Einfältige verlacht. Die Welt ist nicht so. Sie ist vielmehr gierig und gar oft zynisch. Dennoch vermag eine dem menschlichen Ausgleich zugeneigte Haltung Ausstrahlung zu haben. Bleiben wir beim Bloggen: Ich rechne es Lesern und Kommentierern hoch an, dass Sie Alle hier dazu beitragen, dass wir in einem Haus denken, fühlen und reden können, in dem Respekt spürbar bleibt – zu unser aller Vorteil.

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[Bidquelle: studiengesellschaft-friedensforschung.de ]


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