Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Bloggen aus Freude an der Sprache

∞  7 Juli 2008, 18:54

Zeichnen ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

Joseph Joubert



Vielleicht geht es Ihnen manchmal ähnlich:

Wir haben eine Meinung von einem Phänomen, einem Trend, einem Angebot, zu dem wir auch regelmässig Kontakt haben, dass wir uns tatsächlich eine Meinung bilden können – und sie auch längst gefasst haben:

Das Fernsehen ist seicht, oberflächlich, macht dumm.

Internet-Angebote sind beliebig, oft dümmlich, einfach Schrott.

Und dann gibt es einen Anlass, vielleicht eine Aufgabe, oder auch einfach eine Laune der Zeit, durch die man an das scheinbar Bekannte neu heran tritt und es mal ein bisschen gründlicher untersucht.

Und dann stellt man fest: Ja, das Fernsehen ist seicht. Aber es gibt Perlen. Für jeden ist praktisch etwas aufzutreiben, das ihn wirklich zu interessieren vermag, so dass sich Wissen vermehrt, und das mit Vergnügen.

Oder das Internet, und hier die Blogs, um es ein wenig einzugrenzen. Ja, die meisten sind Schrott. Wenn man es denn so bezeichnen will, dass mich nicht interessieren muss, mit wem gestern Hannelore über welchen Lehrer wie hergezogen ist. Oder so. Oder das Strickmuster des nächsten Pullis nicht mal im Winter mich tatsächlich zum Innehalten bringen muss, genau so wenig wie ich den 101. lauen Artikel über das brandheisse neue iPhone wirklich noch brauche. Sind Sie der Meinung, Blogs wären Schrott? Sie haben Recht. Und liegen doch völlig falsch.

Es gibt Perlen. Wir haben nur viel zu wenig Zeit, sie zu suchen. Und eigentlich stossen wir alle ja zufällig darauf. Und noch etwas entdecke ich in diesen Tagen:

Die unbändige Lust von uns allen, gute Texte zu lesen. Was dabei gut heisst? Nun, ich glaube, dass jenseits des achtlosen Tagebucheintrages und diesseits der literarisch ambitionierten halsbrecherisch kreativen Sekundenbeschreibung gerade Blogs oft eine Sprache bieten, die sich flüssig liest und dabei doch so beschwingt klingt, dass man den Text mit Freude liest, weil man spürt, dass er auch mit eben dieser gleichen Lust geschrieben wurde. Ich finde es erstaunlich und sehr ermutigend, wie viele Menschen gerne lesen und schreiben.

Und wie sehr sie sich dabei damit zu beschäftigen bereit sind, was denn dieses schreiben ausmache? Ich werde so, angestiftet durch andere, noch selbst zum Blogleser, nachdem ich es lange vernachlässigt habe, was für einen Blogger gar nicht so untypisch ist. Dabei können wir und durchaus gegenseitig inspirieren.


Das Zitat mag ja hoch gegriffen sein. Aber ein Text, den ich gerne von Anfang bis Ende lesen, schafft es immer, dass ich meine Welt in Gang setze, eigene Bilder und Meinungen, Widerspruch oder Zustimmung entwickle. Es ist, als würde ich geweckt, ein bisschen geschüttelt, manchmal auch einfach nur gestreichelt. In jedem Fall aber merke ich, dass ich an einer bestimmten Stelle nicht aus Teflon bin: Ich lasse mich bewusst stören. Wenn das nicht geschieht, bleibt auch der Text tot. Und das ist öfters schade, als wir glauben mögen…


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