Die Sorge mit der Sorge
Gestern abend, so ganz zum Schluss eines gemütlichen Kegelabends, locker am runden Tisch in einem bereits leeren Lokal mit hoch gestellten Stühlen, sitzen wir Kollegen beim letzten Trunk und tauschen noch ein paar Neuigkeiten über Bekannte aus. In wenigen Minuten sind verschiedenste menschliche Schicksale angesprochen, liegen unsichtbar und doch erinnert oder gedacht auf dem Tisch. So Vieles kann so schnell gehen…
Die Sorge um einen Menschen – sie kann einen umtreiben, ruhelos werden lassen. Sie bohrt ständig, lässt die Einsamkeit ahnen, schürt den Hass oder zumindest die Verzweiflung über die eigene Unzulänglichkeit und Machtlosigkeit.
Natürlich spendet die Sorge auch Energie, treibt an, macht Kräfte frei. Aber vielleicht wird sie gar für den Umsorgten zum Problem, wird die Hilfestellung zu zusätzlichem Druck, die gefühlte Belastung zur Gegensorge: Alle möchten die Sorge weg haben, der direkt Betroffene am meisten. Und doch ist er der erste, der das Problem auch annehmen, mit ihm arbeiten, sich ihm stellen muss.
Und jeder Rat, jede Hilfe, bleibt ein Besuch von aussen. Wie kann ich am besten begleiten, versorgen, besorgen, umsorgen, ohne dass mein Sorgen zum Klammern und zur Bedrängung wird.
Wie unterschiedlich kann so ein Waldspaziergang sein. Mich könnten auch heute die Begegnungen am Wegrand anlachen, anblinzeln, begrüssen. Aber ich habe meine Kamera nicht dabei. Ich weiss schon zu Hause: Meine Augen werden offen sein und doch nichts sehen.
Und natürlich ist dies auch ein Morgen, an dem mich mehrere Hunde anknurren, scheinbar herrenlos auf mich zu gerannt kommen oder mich ihr Gebell aus einem verdeckten Garten plötzlich überfällt, so dass ich zusammen zucke…
abgelegt in Zeit und Leere und Tagebuch
