Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Die Kernfrage an Zuwanderer

∞  28 Juni 2011, 16:52

Ein integrierter Ausländer ist ein halber Schweizer. So wie die meisten von uns hat er fremdes Blut in den Adern – aber er wird sehr schnell Wertmassstäbe jenes Landes annehmen, das ihm die Chance bietet, seinen Platz zu finden – und dafür auch belohnt zu werden. Die Jungs der U21 leben genau diese Haltung sehr anschaulich vor.


Rund um die U21-Nationalmannschaft der Schweiz lassen sich verschiedene Gleichnisse für die Integration von Ausländern in der Schweiz erzählen. Auf ein paar Gedanken hierzu möchte ich an dieser Stelle nochmals eingehen, nachdem ich ein paar kurze Interviews mit einigen der jungen Spieler gehört habe.

Es wurde klar, dass keiner dieser Jungs zum Beginn seiner Karriere erwartet hatte, dass sie es leichter haben würden als andere. Sie sehen vielmehr in der Tatsache, dass sie sich besonders anstrengen müssen, auch Vorteile: Sie haben früh angenommen und akzeptiert, dass sie sich ihren Platz erkämpfen müssen und sind sich entsprechend gewohnt, Konkurrenzkampf anzunehmen.

Ganz entscheidend war es dabei umgekehrt, dass sie sehr schnell lernen durften, dass gerade im Fussball und damit in der Selektion für ein Team nichts anderes zählt als das fussballerische Talent und der Wille, zu lernen und besser zu werden – und in einem Team zu funktionieren, also auch die übergeordneten Massstäbe dieses Teams zu akzeptieren. Sehr schön veranschaulicht wurde das durch die erstaunte Reaktion des Trainers Tami, der gar nicht wusste, dass nicht weniger als fünf seiner Spieler albanische Wurzeln haben. Er war sichtlich überrascht und fügte gleich an:

Es gibt für mich nur gute oder weniger gute Spieler, woher einer kommt, ist für mich nicht so wichtig. Aber ich frage ihn, wohin er gehen will.

Dieser Satz ist für mich so etwas wie ein Leitsatz, der sich auch in der ganzen politischen Diskussion um die Integration von Ausländern und Flüchtlingen anwenden liesse:

Woher die Menschen auch kommen – entscheidend dafür, ob wir mit ihnen gut zusammenleben können, ist ihre Motivation: Wohin wollen sie kommen? Welchen Willen zur Integration bringen sie mit? Wer durch diesen Fragekatalog durchfällt, muss auch einsehen, dass ihm etwas Grundsätzliches für das Leben in unserer Gesellschaft fehlt. Und hier sollten wir dann auch die Grenze ziehen. Wortwörtlich.
Umgekehrt müssen Einwanderer erwarten dürfen, dass tatsächlich ihre persönliche Situation zählt und der Wille zur Integration auch honoriert wird – ohne Vorurteile.

Wir erleben damit vielleicht mehr Konkurrenz als uns lieb ist, aber im Ergebnis machen uns diese Mitbürger wacher, leistungsbereiter und fähiger, mit der Vielfalt einer echten Gemeinschaft gemeinsam in einer Gesellschaft Wohlstand zu erarbeiten. In der Folge gibt es nicht weniger, sondern mehr Arbeitsplätze…

Das könnte dann dazu führen, dass wir ein bisschen weniger darüber diskutieren, ob wir mehr Zuwanderung verkraften können oder nicht – und mehr über die Programme, mit denen Zugewanderte integriert und besser in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können. Auf dass die Leistung wirklich zähle.

Ich verherrliche das Beispiel der U21 nicht. Mir ist sehr wohl bewusst, dass wir es hier mit jungen Menschen zu tun haben, die Wesentliches geschafft haben. Aber gerade dies darf der Anspruch sein, den man an andere stellen und welche andere haben dürfen, wenn sie ihren Beitrag leisten: Jeder einzelne Spieler erfährt täglich, dass gegen ihn selektioniert werden kann. Aber er kennt dafür Gründe, die sachlicher Natur sind, und er fühlt sich als gleichwertiger Sportler in einem Teamwettkampf.

So sollte es vermehrt überall sein dürfen. Für den gemeinsamen Erfolg.