Wir verursachen Konsequenzen
Unsere Schuldenlast drückt uns im Grunde viel zu wenig. Dabei würde “nachhaltig handeln” zuerst bedeuten, anzuhalten, und unseren Verbrauch in allen Belangen unseren Mittel anzupassen. Wir sind weit davon entfernt – als Einzelne wie als Teil einer Gemeinschaft.
I
Es sind bewegende Zeiten, die wir erleben. Und dabei sind wir nicht Zuschauer, sondern stehen mittendrin. Während wir mit Sympathie, vielleicht auch ein wenig Unbehagen nach Nordafrika schauen, weil wir nicht abschätzen können, wie sich die Volksbewegungen entwickeln werden, fehlt uns selbst in unseren Gesellschaften jede gestalterische Kraft. Wir lassen uns zwar erschrecken von Fukushima, wollen die Energiewende, sagen nein zur Atomkraft – aber verschwenden keinen Gedanken daran, dass dies auch eine andere Verbraucherhaltung bedingen würde. Wir glauben den Politikern, dass die Energiewende machbar ist durch die konsequente Förderung alternativer und erneuerbarer Energiespender, während die Politiker uns die Lösung verkaufen, die ihnen wahltaktisch nicht schaden wird – von der sie also ausgehen, dass sie nicht unpopulär erscheint und daher Stimmen kosten wird. So beruhigen Wähler und Politiker gegenseitig ihr Gewissen, und darum gilt immer, dass das Volk in einer Demokratie jene Politiker in Parlament und Regierung bekommt, die es verdient.
Uns fehlt jede Bereitschaft, für unseren gesellschaftlichen wie natürlichen Lebensraum das eigene Verbraucherverhalten zu ändern. Längst leben wir alle nach der Formel, dass wir für unsere wachsenden Schulden mehr Geld drucken – was zwingend mehr Wachstum bedingt, weil nur dann das neue Geld immer wieder gern verliehen wird. Mit diesem Verhalten ist es aber unmöglich, wirklich nachhaltig und damit klimafreundlich zu wirtschaften. Das ist das Umwelt-Dilemma. Daneben aber hat die Politik (und damit wir selbst) weltweit eine weitere Sackgasse gebaut:
Nirgends werden so elementar einmal vereinbarte Grundregeln verletzt wie in volkswirtschaftlichen Kooperationen oder unter den globalen Motoren der Wirtschaft: Das Heilmittel gegen Schulden sind überall neue Schulden.
Jeder Private Schuldner weiss, dass das am Ende schief geht, sobald sich ein Gläubiger nicht mehr hinhalten – oder sich kein neuer für den alten finden lässt. Der EU droht die Quittung: Aus einem Gemeinschaftsprojekt für Wohlstand und Sicherheit ist eine Schicksalsgemeinschaft auf Gedeih und Verderb geworden, in der die grossen Geldgeber im Endeffekt auch die grössten Schuldner sind. Europa ist nie wirklich zusammen gewachsen. EU-Mitglieder haben stets die eine Prämisse gefunden: Geschäftspartner zu sein. Zu mehr ist Europa nicht zusammen gewachsen.
Mehr hält Europa nicht zusammen als das gemeinsame Problem. Und längst bekommen die Teilnehmer in ihrer so unterschiedlichen Bedeutung für Brüssel die faktische Macht der Stärkeren oft gnadenlos zu spüren. Teinehmer, die einst fit für eine Sportart erklärt wurden, kaum dass sie erstmals die Qualifikation für die Europa-Liga geschafft hatten. Eine Relegation aus dieser Liga war nicht vorgesehen… Nun ist es dadür sehr spät geworden, was schonungslos offen zu legen droht, wie sehr die EU ein Schönwetterkonstrukt ohne die tiefere Verbundenheit einer echten Völkergemeinschaft geblieben ist.
Wir schulden der Welt etwas. Dringend. Und das Wort “Eigenverantwortung” muss neu übersetzt und angewendet werden…
