Das kleine grosse Glück
abgelegt in SMS zum Tagund in Zeit und Leere
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
Der kleine Feierabend mit seinem Durchatmen vor dem erfrischenden Getränk am kleinen Tisch mit der Zeitung ist kleines Geschenk und grosser Lohn zugleich.
Genau jetzt fragen wir nicht, ob es morgen wieder so sein wird? Wir geniessen, gestatten uns Lohn nach einem harten Tag. Wir fragen im Moment nicht, ob der Tag wirklich hart war und wir ein Recht auf das Glas Bier oder den erfrischenden Saft haben.
Tatsache ist, dass uns der Tag gefordert hat und die Erfrischung uns jetzt gut tut, dass wir entsprechend bewusst trinken und diesen ersten Schluck geniessen; so sehr, dass im Augenblick nichts anderes eine Bedeutung hat oder behält oder bekommt.
Vielleicht sind Sie heute durch den Tag gewandert, oder Sie sind auf dem Fahrrad, in einem Moment mit ruhig dahin fliessender Zeit sich bewusst geworden, wie gut Ihr Leben eingerichtet ist.
Sie haben einen Moment Glück erlebt. Haben Sie ihn angenommen? So wie den Schluck am Feierabend? Oder neigen Sie dazu, diesem gefühlten Glück zu misstrauen? Vermuten Sie dahinter den nächsten Rückschlag? Das Leben kann ganz schön launig sein, ich weiss. Aber in aller Regel sind es unsere eigenen Sperenzchen, die so manchen Glücksbringer zur Verzweiflung bringen könnten, weil wir eben nicht schlicht und einfach sagen können: Und verflixt nochmal, ich geniesse jetzt dieses Bier oder diesen Abend oder dieses Leben, so, wie es sich mir anbietet, und frage nicht nach dem nächsten Tiefschlag. Und wenn er dann kommen mag, dann werde ich mich genau so wenig vom Rad werfen lassen für immer, wenn es denn nicht sein muss. Ich werde aufstehen und gehen und stehen, wo immer mich das Leben haben will, ich werde das Leben nach seiner Sonne fragen und ihm Sinn geben wollen, denn ich will in ihm zuhause sein und in den Schuhen, in die es mich stellt, Trittsicherheit finden.
Und wenn da ein Stuhl steht am Rand des Weges, auf dem PAUSE steht, dann setze ich mich. Ich muss nicht härter zu mir sein als mein Schicksal. Und ich darf annehmen, dass dieses nichts mit mir vorhat, das mich aus der Bahn werfen will, ohne mich auf neue Wege zu stellen.
Nehmen wir also den Fluss der Zeit auf, leben wir am Fluss, der unsere Lebensgrundlage ist, gleiten wir auf ihm dahin, baden wir darin, meiden wir Stromschnellen, und wenn sie uns erfassen, so können wir doch hoffen, dass wir wie Treibholz durch die Wirrnisse finden und an einer neuen Sandbank anhängen.
Wo und wann die Reise zu Ende ist und was wir dabei erleben – wie könnten wir es wissen? Aber wir können wissen, dass der Augenblick nur mit unserem eigenen Zutun seine ganze Vielfalt für uns ausbreiten kann.
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