Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Zahlen zur Schweiz

∞  13 September 2011, 17:41

Wieder erleben wir einen wunderbar milden, sonnigen Tag, den wir mit dem süssesten und intensivsten Nichtstun verbringen, den man sich nur irgendwie vorstellen kann. Dazu gehört auch:

Lesen.

Und viel zu oft hört das Lesen dort auf, wo ich es heute nur unterbreche: Um Aufgenommenes zu einem Beitrag zu verarbeiten und es wiederum unter die Menschen zu bringen.

Aber das soll eben hier und heute doch sein, wie an den anderen Tagen auch:
Ein paar Striche für ein Bild von der Schweiz, wie es in der Regel nicht im Bilderrahmen hängt. Nichts macht mir mehr Lust beim Schreiben und Bloggen wie die Chance, einem Leser unter Umständen den Blick auf eine vermeintlich bekannte Sache neu zu öffnen. Oder, wenn er ihn kennt, ihm diesen wenigstens zu vertiefen.

Manchmal sind dazu auch Zahlen von nutzen, weshalb es in den in der Sidebar anwählbaren Themen ja auch die Rubrik Zahlen statt Worte gibt.

So liefert denn die Ferienausgabe der Weltwoche vom 28. Juli bis 10. August, die ich erst jetzt, eben in meinen Ferien, durchblättern kann, solches Zahlenmaterial, das ich doch ganz interessant finde.

Migration

Der Ausländeranteil unter den Einwohnern der Schweiz liegt so hoch wie sonst nur noch in Luxemburg (36.1%) und Australien: Jeder vierte Schweizer Einwohner hat keinen Schweizer Pass. In den grössten Schweizer Städten Zürich, Basel und Genf ist es mehr als jeder Dritte.

Zum Vergleich: Österreich 14.2%

Unter den Ausländern sind die Italiener, Deutschen und Portugiesen mit deutlich je über 200´000 Personen am Zahlreichsten vertreten.
Der erste aussereuropäische Staat folgt erst auf Rang 13: Sri Lanka, mit gut 30´000 Personen.

Die Asylbewerber machen nur 2.2% der Ausländer aus. Mehr als 60% der Migranten haben ein unbeschränktes Bleiberecht.

Wirtschaft

Die Schweiz lebt vom Export von Käse, Schokolade und Uhren?
Quatsch. Den größten Anteil am Aussenhandel haben Chemikalien, gefolgt von Maschinen und Elektronik, erst dann folgen Instrumente und Uhren.

Die Arbeitslosigkeit im ersten Quartal 2011 lag bei 3.9 Prozent. In den OECD-Staaten liegt sie nur in Norwegen tiefer (3.3%).

Österreich: 4.5%, Deutschland 6.3%

Konsum und Alltag

Dass Schokolade als Schweizer Symbol gilt, hat viel mit dem eigenen Konsumverhalten zu tun: Der Schweizer liebt Süsses und reiht unter den 20 stärksten Marken nicht weniger als sieben Süsswaren ein. Die höchsten Konsumausgaben tätigen wir für

Wohnen und Energie (27.8%)
Verkehr (14%)
und erst dann kommen
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (12.4%).
Fast so viel ist uns
Unterhaltung, Erholung und Kultur wert (11.9%)
und für
Gaststätten und Hotels werfen wir nochmals 9.8% auf.

Das zeigt, dass wir durchaus gesellig sind und gerne, sehr gerne reisen.

Und: Wohl noch nie musste unsere Gesellschaft anteilsmässig so wenig von ihrem Geld für Nahrungsmittel aufwenden…

Womit wir beim Vergleich

Früher und heute

angekommen sind.

Die Lebenserwartung ist seit 1950 um fast 15 Jahre gestiegen.

Obwohl wir seit 1970 eine extreme Zunahme des Individualverkehrs erleben, sterben heute fünfmal weniger Menschen im Strassenverkehr.

Zum Schluss ist mit der Mär aufzuräumen, die gesteigerte so genannte Fiskalquote hätte vor allem mit der falschen Politik zu tun. Sie ist ein beliebtes Schlagwort für politische Debatten und der Tenor ist immer der gleiche: Die Quote steigt, wir haben immer mehr Abgaben zu leisten. Konkret tun wir dies aber für Gegenleistungen,die wir ganz offensichtlich wollen. Wir wünschen uns nämlich einen hohen Standard der Gesundheitsvorsorge und – versicherung, eine gute Altersvorsorge etc. Und die Fiskalquote addiert Steuerabgaben inklusive Berufsvorsorge und Kranken- und Unfallversicherung und setzt sie ins Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt.
Diese Quote ist in der Schweiz in den letzten 18 Jahren von 36.2 auf 42.6% gestiegen.
Wenn Sie nun an die in dieser Zeit gestiegenen Kosten für die Krankenversicherung denken, dann wird deutlich, dass diese Abgaben ziemlich direkt wieder von uns im Bedarfsfall in Anspruch genommen werden – und nicht zuletzt deshalb so hoch sind, weil wir auch den damit verbundenen Standard einfach wollen. Und schon gilt, wie für die Steuern, über die wir in der Schweiz selbst befinden können, auch:

Wir zahlen, was wir uns leisten wollen.

Und es liessen sich viele Statistiken zitieren, welche bestehende Leistungsfähigkeit weiter dokumentieren – und Mut für die Zukunft machen können. Das Gegenteil gelingt natürlich auch. Denn statistisches Material untermauert fast jede Aussage. Das gilt aber noch mehr für Expertenmeinungen. Sie sind auch für jede Ansicht zu haben. Deswegen tun Zahlen immer mal wieder gut, wenn sie das Bauchgefühl zum Ausdruck bringen. Folgen wir also dem inneren Bild und tragen wir dem Sorge, was unsere Eigenständigkeit ausmacht, wiederum auch laut Statistik:

Wenn drei Dinge genannt werden dürfen, für welche die Schweiz steht, dann nennen immerhin 15% der Befragten:

Ordnung und Präzision.

Wird schon alles werden. Oder einigermassen bleiben. Und sich doch verändern, ich weiss. Aber man stelle sich vor, alles Unstimmige wäre in Stein gemeisselt…