Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Wieder mal Oper

∞  11 April 2007, 16:48

Lange ist es her, ein halbes kurzes Leben lang, eine Generation, dass ich als Student auf Klappstühlen im Schauspielhaus sass und mit Kleist den zerbrochenen Krug zum Brunnen trug (oder so ähnlich), auf schmerzenden Hinterbacken, die mit dem blanken harten Holz der Klappstühle fast so angeregt kommunizierten wie meine Ohren die Stimmgewalt der Schauspieler aufnahmen. Aber nur fast.

Nach Andorra und Biedermann und die Brandstifter begann ich teilweise in der Form von Theaterstücken Geschichten anzudenken und mich dabei mit Henrik Ibsen oder Lessing zu verbrüdern. Diese Bretter des Theaters zeigten eine Welt, die mich faszinierte. Weniges ist so anregend wie das Zusammenspiel von Regie und Schauspiel, das dem kreativen Schaffen eines wortmalenden Künstlers eine Gestalt gibt, so dass am Ende sich ein paar hundert oder tausend Menschen auf eine Bühne konzentrieren. Diese atemlose Stille und reine Konzentration auf die Darbietung hat etwas erhellend Klares, das den Geist anschubst. Bis Thomas Hürlimann mit nacktem Fleisch inszeniert wurde und nichts mehr im Zürcher Schauspielhaus modern genug sein konnte, wenn nicht Blut aus Kübeln floss. Da habe ich mich verabschiedet, innerlich und äusserlich, und meine Brötchen ohne weitere Träumereien verdient und im Studium das Flanieren entdeckt, jenseits aller Weltbühnen. Irgendwie war und bin ich für diese Art Moderne einfach zu spiessig.

Meine Opernhausbesuche waren noch einiges seltener, und ein fliegender Holländer, der einfach nicht unter gehen wollte, gab mir dann auf eben einem solchen noch etwas härteren Klappstuhl den Rest. Denn hier hielten den Gesässbefindlichkeiten meine Ohren nichts Vernünftiges entgegen, da mein musikalisches Gehör miserabel ist, auf dem Stand eines Pinguins vielleicht, wobei ich nicht weiss, wie schlecht Pinguine tatsächlich hören mögen, aber wenn sie sauschlecht hören, musikalisch gesprochen, passt der Vergleich in jedem Fall.
Etwas hat sich das in der Zwischenzeit gebessert und mittlerweile kann ich auf einer getragenen Melodie mitschwimmen, ohne einzuschlafen.

Und also wage ich mich heute Abend wieder einmal in die Oper. Zugegeben. Ich bin eingeladen. Alleine wäre ich nicht auf die Idee gekommen und zu teuer wäre es mir wohl auch gewesen. Jetzt ist es mir in jedem Fall teuer genug, dass ich die Gelegenheit nutze, mir etwas Inspiration zu holen für das gesprochene Wort, mag es auch ein gesungenes sein. Ich lechze geradezu nach der Atmosphäre des Theaters, stelle ich fest, und freue mich jetzt einfach mal.

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