Wenn Mama wieder mehr Frau wird
Man kann ja nicht sagen, dass über die Pubertät nicht geschrieben würde. Diese mysteriöse, noch immer leicht geheimnisvolle Phase, in der Tochter und Sohn, eben noch Kind, plötzlich ins Erwachsensein aufbrechen und die eigene Persönlichkeit endgültig nach Abgrenzung verlangt und darum so manches plötzlich an den Eltern peinlich ist (und nicht nur an ihnen), was vorher kein Thema war.
In der Regel nimmt man aber die Diskussionen um die Pubertät mit dem Blick auf die Jugendlichen wahr. Nur selten wird die Gefühlswelt der Erwachsenen wirklich beleuchtet. Es wird die Frage gestellt, wie man als Erziehungsperson mit dem Nachwuchs umgeht, um Verhaltensmöglichkeiten und Strategien.
Selten wird schlicht auf die Eltern fokussiert und zum Beispiel gefragt: Wie ist es um die Gefühlswelt der Mutter bestellt, welche “von einem Tag auf den anderen” ihre Bedeutung für die Tochter verliert – und eine ganz neue finden muss?
Nicole Althaus hat im Mamablog in einem sehr persönlichen, klarsichtigen und sensiblen Artikel genau dieses Gefühl als Mutter beschrieben.
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Man sitzt am Frühstückstisch und sucht im Gesicht des Teenagers nach dem Mädchen, dem man gestern noch zwei Zöpfe geflochten hat. Und man weiss im gleichen Moment: Man hat es verloren. Für immer.
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«Was weisst du schon», lautet die Standartantwort zu jedem mütterlichen Rat. Man kennt den Satz. Oft genug hat man ihn der eigenen Mutter an den Kopf geworfen. Er ist sozusagen die Quintessenz der Mutter-Tochter-Beziehung auf der Achterbahn namens Adoleszenz. Und ehrlich, was weiss ich denn schon?
Nun, zu wissen, dass man nichts weiss, ist nicht immer der falsche Ansatz, und wenn man dann dennoch den Mut hat, die unpopuläre Ratgeberin zu bleiben und damit seinen Part zu erfüllen, wie es Nicole Althaus vorhat, dann ist das für die Tochter sicher wertvoll. Mit dieser Einstellung wird sie wohl in einer Weise ernst genommen, wie es ihr zu wünschen ist.
Was in den Kommentaren – über hundert sind es schon – zu lesen ist, muss ich mir erst selber noch aneignen.
Hier möchte ich aber noch eine Bemerkung anfügen, gewissermassen den Blick von der Mutter auf die Frau oder den Mann werfen, die Mutter und Vater nun auch wieder “werden” müssen: Denn nach meiner Beobachtung ist dieser Schnittpunkt in der Familie nicht nur für die Kinder und deren Verhältnis zu den Eltern einschneidend, sondern auch für die Ehe an sich und die Persönlichkeiten von Vater und Mutter:
Mir scheint, dass insbesondere die Mütter in diesem Prozess oft ganz stark ins Grübeln kommen. Sie erleben vor allem mit ihren Töchtern, wie sich hier ein junges Leben aufmacht, als Frau gelebt zu werden, und es ist gut möglich, dass die Mutter ein Stück weit das Gefühl hat, als würde sie “zurück bleiben”. Auf jeden Fall ist es ein Moment, in dem frau wie mit einem Brennglas, in einer wohl sie selbst verwirrenden Subjektivität und Emotionalität auf ihr Leben blickt und Vergleiche zieht. Plötzlich mögen Frustrationen aufbrechen, welche danach fragen: Was war mit meinem Leben, mit meinen Träumen – und vor allem: Was kommt jetzt?
Für jede Partnerschaft ist das eine neue Herausforderung – und die plötzlich freie Zeit macht sie nicht kleiner. Nun gibt es nicht mehr so viel zu organisieren, die Kinder wollen sich selbst ordnen, egal, ob sie es schon können oder nicht. Chaos muss zugelassen werden, Durcheinander kann aber auch bei den Eltern herrschen, Verwirrung, Orientierungslosigkeit, weil die plötzlich notwendige Perspektive zu zweit viel zu lange nicht wirklich Teil der Vorstellung war. Wenn dann eine innere Unzufriedenheit über das, was man gemeinhin Selbstverwirklichung nennt, hinzu kommt, wird oft der Keim einer Entfremdung frei gesetzt, die früher oder später zur Trennung führt:
Die Pubertät der Kinder ist nicht nur für die Eltern eine Problemstellung. Sondern auch für das Paar.
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