Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Voraus eilende Befürchtungen und wirkliche Aufregung

∞  13 August 2009, 19:38

Die Schweinegrippe wird fürchterlich, hat es geheissen, getönt, ja getutet, aus allen Löchern und auf allen Kanälen. Jetzt ist sie fast da, die Pandemie – aber so richtig will ich es noch immer nicht glauben. Und während die Horror-Prognosen zu Beschreibungen des scheinbar unmittelbar bevorstehenden Ereignisses einer Massengrippe mutieren, will ich es noch immer nicht so recht glauben – dass es auch nur so sehr schlimm wird, nämlich.

Und ich scheine nicht der einzige zu sein. Je näher eine Bedrohung kommt, um so gelassener scheinen wir zu werden. Es ist wohl so, dass wir am Ende doch erkennen, dass das Lamentieren und Jammern und Bedrohungen skizzieren nur so lange wirklich Sinn zu machen scheint, als effektiv eigentlich gar nichts getan werden kann.
Ist dann alles nicht so schlimm, kann dies der “frühen Sensiblisierung” zugeschrieben werden. Wir werden sehen. Und praktisch alle werden es überleben, wie bei jeder Grippe auch. Die Gesundheit ist eben ein wirtschaftlicher Faktor, und die Berichterstattung darum herum auch…

Das gilt so ziemlich für jede mediale Aufregung, ich weiss. Die Gefahr der Auflösung, Aufweichung oder zumindest Hinterfragung des Bankgeheimnisses ist im Zusammenhang mit der UBS das Kernthema, das unseren Staat bedroht, die Grundwerte unseres Freiheitsbegriffs der Bürger torpediert und das Vertrauen in den Finanzplatz Schweiz zerstört. Die ganze Welt registriert, wie der Umgang mit Kundendaten in dieser Angelegenheit des Steuerstreits zwischen der USA und der Schweiz gehandhabt wird.

Wirklich? Seit Mittwoch ist bekannt, dass es zu keiner Anklage kommt und sich die Staaten aussergerichtlich geeinigt haben. Tausende von Kundendaten werden wohl tatsächlich preis gegeben werden. Und wen interessiert es – ausserhalb unserer Grenzen? Ich habe am Tag danach in keiner einzigen deutschsprachigen Zeitung das Thema im Vordergrund abgehandelt gesehen. Meine Feedreader deutschsprachiger Zeitungen aus dem Ausland bei netvibes.com/thinkabout haben mir alles mögliche ans Herz gelegt zur Lektüre, aber keinen Schweizer Skandal noch die Verhinderung desselben.

Aufregungen… Wir schüren sie, bevor wir sie erleben könnten. Irgendwie ist eine gewisse Armseligkeit der Preis, den wir für ein vorauseilend Befürchtungen hegendes Abwehrverhalten zum Schutz unserer Behaglichkeit zu zahlen haben.


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Bildquelle: saarblogger