Von Buttons, die mir nicht gefallen
Wie ich heute lese, lädt das Bundesinnenministerium in Deutschland die Vertreter Sozialer Netzwerke an einen runden Tisch. Thema ist weiterhin die Selbstbeschränkung der Netzwerke bei der Datensammlung und –verwertung des Internetverhaltens ihrer Mitglieder.
Dabei geht es vor allem um den berümten “Gefällt-mir-Button” von Facebook. Wir alle kennen ihn wohl mittlerweile, und wer ihn nicht benutzt, dem fällt er dennoch auf, denn es gibt mittlerweile kaum ein Leitmedium mehr, das darauf verzichtet.
Dabei gehen wir “User”, davon aus, dass wir den Button nutzen können, also User sind, und, wenn wir das wollen, mit dem Anklicken des Buttons anderen Internetgängern den Artikel empfehlen können – per Anzeige auf unserem Facebook-Profil. Was wir nicht wissen oder uns zumindest kaum je bewusst machen, ist, dass wir auch hier mehr Benutzte als Nutzer sind. Denn wenn Sie eine Seite aufrufen, welche diese Buttons integriert hat, fliessen Ihre Daten, also schon Ihr Aufruf der Seite, bereits in die Facebook-Rechenzentren.
Wie gesagt, diese “like-”-Buttons sind, genauso wie der Google-Plus-Button, auf praktisch jedem Medienportal zu finden, während womöglich der Artikel unter dem sie stehen, sich gerade kritisch mit den Datenkraken der sozialen Netzwerke auseinander setzt. Und warum wohl ist das so? Weil alle diese Portale geil auf Clicks sind und auf die Werbewirkung der User durch Vernetzung spekulieren. Und da die Wettbewerber das alle auch machen, entsteht ein Sachzwang, eine Phobie vor einem drohenden Nachteil. Schon haben uns die Brüder von Facebook und Konsorten in der Tasche.
Richtig: Auch ich bin geil auf Clicks und habe genau aus diesem Grund diese Buttons auch installiert.
Manchmal habe ich mir dabei eingbildet, dass das vor allem eine Serviceleistung für Leser wäre, die so einfach auf Artikel für ihre “Freunde” hinweisen könnten. Ausserdem entsteht mit dem Click auf den Google-Plus-Button so was wie ein Verzeichnis der empfohlenen Artikel auf dem eigenen Google-Plus-Profil, das man selber nutzen kann. Oder könnte, als Ort zum Nachschlagen, zum Beispiel.
Mit diesen Buttons ist jetzt Schluss hier. Das fällt mir leicht, denn ich habe weder eine Veränderung meiner Besucherzahlen festgestellt noch je gesehen, dass so ein Button bei mir benutzt worden wäre. Wahrscheinlich denken jetzt einige Leser: Na endlich hat er es begriffen. Charakter brauche ich dafür gar keinen. Höchstens dafür: Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich mir das nicht vorher habe bewusst machen wollen.
Bis zur nächsten scheinbar so tollen neuen Gadget-Welle. Dann springe ich womöglich wieder hechelnd hinterher… Bis dahin interessiert mich in Sachen Traffic eigentlich nur diese Rückmeldung hier#, und ich danke Ihnen Allen, dass Sie “einfach so” herfinden.
Erlauben Sie mir noch eine Schlussbemerkung:
Während Google gross angekündigt hat, zukünftig Pseudonyme als Nutzernamen zu akzeptieren, darf man gerne darauf hinweisen, dass das, was für Google und Facebook so viel Bockbeinigkeit offenbart, bei Twitter gar nicht diskutiert werden muss: Twitter-Accounts können Sie so viele führen, wie Sie mögen, unter welchem Namen auch immer – und Sie müssen sich auch nicht “backstage” mit echtem Namen registrieren lassen.
So, ich tauche dann mal ab, muss ich doch in alten Einträgen diverse Buttons lüschern, äh, löschen.
