Vom Glück, die Freundlichkeit zu üben
Sie begegnet mir in den letzten Jahren, wie mir scheint, häufiger als auch schon. Sie schaut nicht nur vorbei, sie wohnt auch leichter in mir. Und immer wieder beschäftige ich mich mit der Freundlichkeit auch in meinen Texten.
Ich heisse sie willkommen. Während vor dem Fenster des Zuges die Landschaft in trübem Grau dahin glitt, fühlte ich dieser Tage das Lächeln in meinem Gesicht. Meine Freundlichkeit soll eine Form der Demut werden für empfangenes, erfahrenes Glück.
Freundlichkeit ist ansteckend. Und so strahlt sie zurück. Und ich freue mich am Glück anderer. Denn aufrichtige Freundlichkeit kennt keinen Neid.
Freundlichkeit wohnt in der Geste, im Lächeln. Sie setzt es nicht auf, sie füllt es aus. Freundlichkeit will Frohsinn schenken, Achtsamkeit lehren.
Ich liebe die Subversion, zu der unverhoffte Freundlichkeit fähig ist.
Und ich frage mich: Lerne ich in diesen unbeschwerten Zeiten genug, um auch neues Leid freundlich anzunehmen und in ihm meine Demut zu lernen?
Ich glaube, dass Freundlichkeit eine Lebensform ist. Eine Lebenskunst. Wenn es mir gelingt, mir Freundlichkeit wie einen Smoking anzulegen, mich in ihr wohl zu fühlen, dann wird sie Begegnungen mit Menschen zu einem Fest für mich machen und es wird kein Mangel an aufblitzenden Augen sein, die links und rechts meines Weges erwachen und mir Kraft zurück geben.
Bin ich mir meine Freundlichkeit gewohnt, so werde ich sehr viel schneller innehalten, wenn sie fehlt: Ich will sie dann zurück haben und befrage mich schneller nach den Gründen für meinen Missmut.
Und ich werde mehr Menschen kennen lernen und mehr von jedem Einzelnen erfahren.
Zum Wohlsein, lieber Mitmensch. Du hast mir was zu sagen.
