Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Streit oder Gespräch mit sich selbst

∞  10 Juni 2013, 00:21

Streit um des Streites willen, ist selbst in Diskussionen nur eines: Ermüdende Selbstbefriedigung.

Kennen Sie diesen Typus auch? Durchaus helle Köpfe, welche nicht nur gescheite Gedanken denken können, sondern sie in aller Regel auch noch sehr rund zu formulieren vermögen. Das klingt dann geradezu super gescheit. Irritierend daran ist nur, dass ein ungesundes Mass Aggression mitschwingt, gerade so, als würde die Person, welche ihre These aufstellt, nichts so fürchten, wie den fehlenden Widerspruch. Denn dann könnte sie sich nicht an diesem Wiederspruch reiben und sich in rhetorische Höhen versteigen, wenn sie ihrerseits wieder Paroli bietet.

Ermüdend daran ist vor allem, dass schon in der Grundthese, welche diese Menschen in den Raum werfen, die Botschaft enthalten ist: Wetten, dass ihr zu blöd seid, es zu verstehen?

Blöd ist man da tatsächlich, wenn man sich (zu sehr) auf eine solche Diskussion einlässt. Oder überhaupt. Denn im Grunde ist es wirklich nur eines: Ermüdend. Ätzend. Verlorene Zeit.

Interessant daran ist eigentlich nur die Frage: Was bringt uns dazu, uns wirklich an unseren Widerständen zu reiben, zu erkennen, wo wir anhängen, was uns nicht vorwärts kommen lässt? Brauchen wir dafür den Disput mit anderen, die Dikussion, den Rat, die Führung? Oder ist es nicht vielmehr so, dass das Davor und das Danach viel wichtiger ist, die Frage, die wir uns selbst in der Stille stellen können, ohne Lärm machen zu müssen: Es ist nicht falsch, sein Innerstes für sich behalten zu wollen – es kann nur absolut notwendig werden, dass man sich dabei helfen lässt, mit diesem innersten Selbst umzugehen, es anzusehen, zu bergen, und dann auch lieb zu haben. Dies alles sind Prozesse voller Tränen, vielleicht auch mit Schreien, aber das laute Geschrei um des Schreiens willen ist pure Energieverschwendung. Bei sich selbst ist Wahrheit fern jeder Blenderei. Und wer sich dem stellen kann, ist Fachmann und Fachfrau für den Umgang mit sich selbst – den uns niemand abnehmen kann. Und auch nicht muss. Denn unser Innerstes hat nichts Schreckliches. Es ruht.