Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Schreiben wie Reden ist immer ein Preisgeben

∞  7 August 2008, 08:01

Schreiben wie Reden kann gar nicht so belanglos sein, dass dabei nichts gesagt würde. Also offenbaren wir immer etwas von uns, wenn wir uns äussern. Wir reden immer auch von uns, ganz egal, was Thema ist.




Das eigene Schreiben ist immer auch ein Fixierbild des eigenen Denkens und Befindens. Ich gebe immer etwas preis. Manchmal mögen da die neuen Rätsel, die dahinter warten, gar eine Art Selbstschutz sein. Der Mensch ist nie entschlüsselt. Was uns in unserem Denken ausmacht, ist nicht durch die Gene bestimmt – und wenn doch: Was nützt es Ihnen, das zu wissen?

Sie erleiden, erleben oder geniessen dennoch Stimmungen in der ganzen Palette von Traurigkeit bis Heiterkeit. Und wenn nicht, so sind Sie auch nicht zu beneiden.

Schreiben ist ein Teilen dieser Regungen mit Lesern, als würden diese zusehen, wie jemand malt. Wie bringt man eine Stimmung aufs Papier?

Auch durch Palaver, flammende Rede, stille Reflexion, Plauderei, Flachs, Reim oder Pamphlet, durch jede Form des Schreibens dringt ein innerer Impuls von uns nach aussen. Er mag verpuffen wie Wasserdampf an der Sonne, oder als ein kühler Hauch auf der Haut erinnert werden, eine Wirkung entfalten, Teil eines Erlebens werden, eine Erinnerung im Leser auslösen, eine Assoziation erzeugen.

Wer liest, malt seine eigenen Bilder, filtert Worte, nimmt Stimmungen auf, lehnt ab oder bejaht, verschliesst oder öffnet sich.

Was bestimmt, dass das, was ich lese, zu mir vordringt? Ist die Qualität des eigenen Lesens nicht mindestens so wichtig wie der Text?

Lesen ist wie Zuhören, manchmal ein Nachhorchen, das zum Lauschen wird. Darum sollten Worte nie nur Lärm verbreiten, sondern wahrhaftig sein, ein Ausdruck des Versuchs bleiben, einem Gedanken eine Form zu geben, bevor er wieder im Nebel verschwindet. Und doch ist keine Hast angesagt, ihn zu binden. Denn er wird wieder kommen, wenn ich reif dafür bin und den Blick für ihn habe.

Und dann werde ich ihn erzählen, meinen Gedanken. Und vielleicht passt dazu dann ihre Neugierde, Frage, oder einfach ein bisschen Zeit, die Sie dafür haben. Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm. Denn wer schreibt, führt eine Art Selbstgespräch, wenn er die Worte setzt. Und nur schon die Arbeit des gewissenhaften Reporters ist schwer genug – gerade vor dem eigenen Urteil.
Immer wieder berührt es mich, wenn ich erkenne, dass jemand bei mir Stunden seiner Zeit verbringt. Und dann kommt der Moment, wo ich mich selbst nachlese. Manchmal tadle ich mich dann für Oberflächlichkeiten, für künstlich erscheinende Aufregungen, manchmal lese ich mich aber auch selbst wieder neu und staune über eine Klarsicht, die mir ganz persönlich neue Welten erschloss.

Schreiben ist meine Art der Meditation. Nie denke ich langsamer und konzentrierter, wie wenn das Schreiben das Ziel meines Denkens ist.

Wenn ich es eines Tages schaffe, es nicht nur langsamer sondern auch noch viel länger zu tun, dann werden daraus auch viel kürzere Sätze entstehen. Und viel weniger Worte “nötig” sein.


:::
Link: wordle.net


Beitrag abgelegt in Themen
zum Blog[gen]
und
Prosa[isch]


Schreiben: Voll Leben sprudeln