Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ratschlagen - Zwischen Selbstgefälligkeit, eigener Belastung und echtem Lernen

∞  19 August 2009, 21:29

Es ist sicher unterschiedlich, wie stark und wie oft sich Menschen in der Situation wiederfinden, dass ihr Rat gefragt ist, weil ihnen das Herz ausgeschüttet wird, wie man so schön sagt, also eine Not anvertraut, ein Problem, das umtreibt oder ein Ereignis, das keine Ruhe lässt. Es wird zu mir getragen, um selbst etwas Ruhe zu finden.

Jedes Problem, jede NOT, die mir dargelegt wird, hat das Potential, mich selbst zu erschüttern, Fragen bei mir aufzuwerfen, die mir vielleicht gar nicht willkommen sind. Es dürft damit wohl fast allen klar sein, dass der Vorgang an sich sehr schlecht dafür geeignet ist, dem eigenen Ego zu schmeicheln.

Mir persönlich ist es dabei, auch stets dann, wenn mich Sorgen meiner Leser erreichen, wichtig, dass ich alles innerlich wie weiter erzähle. Eine Auslegeordnung mache ich, in der ich versuche, dem Betreffenden mit einer ganzheitlichen Betrachtung und einer entsprechenden Erfassung gerecht zu werden. Dabei ist für mich das Bemühen entscheidend, nicht das Resultat, an dem ich in jedem Fall scheitern werde, denn ich kenne nur ein paar Facetten eines jeden Menschen, mag ich auch schon lange Kontakt mit ihm haben.

Dann muss ich mir bewusst sein: Jede Antwort, jeden Rat, den ich gebe, verrät auch etwas über mich selbst. Und ich muss den Mut haben, dies zuzulassen und gleichzeitig nicht damit zu kokettieren: Schau her, wie gnadenlos ehrlich und selbstkritisch ich bin. Das ist nicht die Sorge des Gegenübers. Er soll und wird für sich überprüfen, was von dem, was ich ihm zu schreiben weiss, für ihn bedenkenswert ist, und was in den Papierkorb gehört.

Gegen jede Überheblichkeit hilft mir zudem die immer wiederkehrende Erfahrung, dass Hilfesuchende nicht einfach Bittsteller sind, sondern immer auch Lehrer. Denn auch ich habe meine Baustellen, hänge an ganz anderen Orten fest, dafür vielleicht noch viel vertrackter und hilfloser, gerade, weil ich es vielleicht nicht schaffe, mir Hilfe zu holen. Weil ich denke, mein Problem wäre so was von speziell und aussergewöhnlich, dass mir eh niemand helfen kann.

Und: Wenn man tatsächlich zu helfen vermag, dann entstehen Bindungen, die, mindestens im Moment, nicht nur die gleiche Augenhöhe kennen. Manchmal liegt die eine Hand ganz deutlich in der Hand des anderen, und man führt, leitet oder weist einen Weg.

Das ist nicht Freundschaft. Das ist Begleitung, gütige Fürsorge. Und das ist etwas anderes. Sie will nicht mit der Umarmung enden, sondern mit dem Loslassen, der Befreiung und Sendung in ein selbst bestimmtes Leben.

Mancher Fortschritt, die Überwindung einer festgefahrenen Denkweise, eines zerstörerischen oder beengenden Verhaltens, braucht enormen Aufwand und immer sich wiederholende Neubesinnung auf das Wesentliche. Von “ja, ich weiss” bis “ja, ich mache” ist oft ein unheimlich langer Weg. Dabei wird die Geduld, auf die man an anderer Stelle selbst – wie schon geschrieben – angewiesen sein mag, vielleicht auf ganz harte Proben gestellt. Deshalb ist es ganz wichtig, sich auch einen gewissen Egoismus zu erhalten:

Nichts von dem, was ich beratend tue und aufwende, investiere ich nur für andere. Ich mache es auch für mich, mein eigenes, echtes Vorwärtskommen. Und ich muss dabei auch nur so weit gehen, wie es mir selbst gut tut. Ich darf nein sagen, weil auch ein Nein einem Menschen gerechter werden kann, als ein vorgegaukeltes Ja. Und auch, weil manchmal die klare Limite erst den richtigen Prozess auslöst. Woher wir die Hilfe am Schluss bekommen, vermag oft niemand zusagen.
Gelernt aber können alle etwas haben. Immer wieder.

Auf in den Abend und das weitere Leben, in dem es jeden Tag auch Dinge gibt, die explizit für SIE wichtig sind, und denen Sie Raum geben sollten – gerade dann, wenn Ihnen Ihre Nächsten unter den Mitmenschen wichtig sind.


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