Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Menschen und ihre Ereignisse

∞  3 September 2012, 16:43

Ereignisse – Menschen wirken auf Menschen ein.

Ich bin damit beschäftigt, die Fotos aus drei Ereignissen, die ich dieses Jahr mit erleben durfte, aufzuarbeiten. Und ganz egal, ob es sich dabei um die Hurtigruten-Schiffsreise, das Schwingfest auf der Schwägalp oder die Tennis-“Clubmeisterschaften”:http://www.tcuitikon.ch/articles/2012/08 dreht – in jedem Fall staune ich, wenn ich die Fotos betrachte, über die Fülle von Eindrücken, die Menschen austauschen und teilen, und über die Unmenge an Geschichten, die jeden Tag dabei in jedem Leben neu geschrieben werden.

Was man auf einem Postschiff (das heute mehr ein Kreuzfahrtschiff ist) oder an einem Festanlass wie einem Schwingfest sich an Vielfalt zusammen reimen kann aus der Fülle der Typen, der schon visuell ganz unterschiedlichen Charaktere, das entsteht in einem Verein nach ein paar Jahren Mitgliedschaft aus vielen kleinen Begegnungen:

Schon wenn sich ein paar Dutzend Menschen an einem Ort versammeln oder regelmässig treffen, selbst wenn dies Menschen mit einem gemeinsamen Hobby sind und ähnlichen Prioritäten im Zusammensein untereinander – die Vielfalt ihrer Geschichten, ihrer Herkunft, ihrer Erlebnisse, Werdegänge und Temperamente, ihrer Fähigkeiten und Eigenheiten ist im Grunde atemberaubend. Und vielleicht ist diese Farbigkeit und Vielfalt bei uns noch ein bisschen ausgeprägter als in Nachbarländern, wer weiss? Wie auch immer:

Wenn man sich nur ein bisschen kennenlernt, mit einander zu reden beginnt und mal zuhört, dann wird aus dem fremden Anderen ein spannender Neuer, und beim Durchsehen der Fotos gehen mir viele Dinge durch den Kopf, die ich mit einzelnen schon erlebt habe – oder ich sehe den Menschen nochmals vor mir, wie er über den Platz geht, lacht, erinnere mich an Szenen, die ich mit ihm verbinde und die sich in meiner Erinnerung halten. Und natürlich sehe ich, dass Fotografie immer persönlich ist, dass das eigene Bild das fremdeste überhaupt sein kann. Aber ich kann auch sagen: Mit der Art, wie ich sehe, verrate ich auch sehr viel über mich selbst. Fotos werden niemals gut, wenn man sich das nicht bewusst ist. Der Fotograf kann sich niemals hinter der Linse verstecken. Er gibt viel von sich preis, und er sollte sich das bewusst sein und das auch bejahen. Sonst wird er den Zugang zum natürlichen Ausdruck des Menschen vor der Linse nicht finden.

Die besten Bilder von Menschen gelingen mir in aller Regel, wenn ich ein Teil ihrer Gruppe bin und mitten unter ihnen sitze. Wenn irgendwann die Tatsache, dass hier eine Kamera mit am Tisch ist, das Gespräch zwischen allen, auch mit mir, nicht mehr behindert, tangiert oder beeinflusst. Ja, es kann sogar der Eindruck entstehen, dass jeder einzelne am Tisch neugierig darauf ist, was wohl dabei heraus kommen mag, ohne dass er freilich deswegen nicht mehr echt am Gespräch beteiligt wäre. Es ist geradezu faszinierend, wie gut man spüren kann, ob das gegeben ist oder nicht, und ob man sich zurücknehmen muss oder kein Klicken mehr irgend jemanden stören könnte.

Wenn man jemandem ein gutes Bild von der eigenen Person schenken kann, dann ist das etwas ganz Besonderes, wie ich finde. Und die meisten können ein gutes Bild auch wirklich erkennen – und sich dann auch freuen. Obwohl der Zugang zu keiner Person so schwierig zu sein scheint wie zur eigenen – nicht nur auf Fotos.