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Kriegen wir angeboten, was wir verdienen?

∞  11 Dezember 2008, 20:41

Wir alle kennen das Credo, wonach das Verhältnis von Nachfrage und Angebot den Preis bestimmt, Ausdruck von Mangel oder Überfluss ist. Nach dieser Regel, so glauben wir, funktioniert auch das Warenangebot im Supermarkt.

Ich habe da so meine Zweifel. Vor allem bezweifle ich nicht selten, dass die Konsumentenschutzorganisationen ihren Namen zu Recht tragen. Mit dem Eintritt der deutschen Discounter Aldi und (bald auch) Lidl hat eine übermässige Preisvergleicherei von K-Tipp, Saldo und Konsorten Einzug gehalten.

Rein vordergründig geschieht das zum Wohle des Kunden. Die Waren werden billiger. Nur: Haben Sie sich schon mal gefragt, ob die Qualität des Angebots auch unverändert bleibt – und die Vielfalt?

Die Tendenz sieht nämlich so aus:

Gab es vor fünfzehn Jahren in jeder typischen Schweizer Detailhandelskette ein Warenangebot, das in einer Art Pyramide eine breite Basis günstiger Lebensmittel, ein immer noch vielfältiges mittleres Angebot und wenige Luxusartikel enthielt, so wird heute aus der Pyramide immer mehr ein Zylinder, dem man um den Bauch einen zu engen Gurt geschnallt hat: Das Billig-Angebot wird ausgebaut, um das Abwandern der Kundschaft zum echten Discounter zu unterbinden, dafür muss die verlorene Marge mit Luxusgütern kompensiert werden. Was leidet ist das ganz normale Angebot für den Mittelstand – auch hier. Dieses Angebot dünnt sich aus.

Es geht gar nicht anders. Ein Detailhandelsunternehmen, das unter dem Strich 2-3% Reingewinn erwirtschaftet – in einem guten Jahr – kann sich massgebliche Margeneinbussen gar nicht leisten. Also muss bei Billigprodukten der Preisdruck, den wir Konsumenten aufbauen, an die Produzenten weiter gegeben werden – mit dem Ergebnis, dass die Qualität leidet. Denn zaubern kann auch der Produzent nicht. Rechnen aber schon.
Viele Preisvergleiche in Konsumentenschutz-Zeitschriften sind einigermassen willkürlich und führen vor allem zu einer unerwünschten Nebenwirkung: Das Angebot nivelliert sich auf tieferem Qualitätsniveau ein.


Dabei tragen wir Konsumenten alle zur falschen Psychologie im Detailhandel bei: Es ist beinahe schon vorauseilende Angst, welche die führenden Detaillisten Migros und Coop dazu trieb, ihren Konsumenten auf jeden Fall zu versprechen, dass das “gleiche” Discount-Produkt nirgends billiger verkauft werde.
Bitteschön, was heisst “gleich”? Eben.
Mit Ihnen, der Kundin, dem Kunden will man nicht diskutieren, mit den Konsumentenschutzorganisationen schon gar nicht. Also werden die Preise – auch trotz tatsächlichen Qualitätsunterschieden – angepasst. Ein Handtuch ist ein Handtuch. Nicht einmal die unterschiedliche Grösse fällt mehr ins Gewicht. Was aber wird die Folge sein? Die Qualität des ursprünglich teureren Produkts wird abgebaut werden. Und das grössere Handtuch in ihrem Laden wird so klein werden wie dasjenige in dem Geschäft, das sie selbst gar nicht aufsuchen würden. In Deutschland nennt man das die Aldisierung des Warenangebots.

Sagen Sie jetzt nicht, dass sie das nicht wollen! Wir haben alle ein teilweise bizarr-komisches Konsumverhalten.

Das Brot wird billiger. Es war den Hauptnachrichten in Radio und Fernsehen viel Sendezeit wert. Sagenhafte 10 Rappen pro kg.
Da lohnt es sich wieder, mit dem SUV zum Einkaufen zu fahren, nicht wahr?

Grundnahrungsmittel werden in Deutschland zu absoluten Kampfpreisen, mit Null Marge verkauft. Die Überlegung: Diese Dinge brauchen Sie täglich. Wer das Mehl, den Zucker, die Butter, Milch und das Brot am billigsten anbietet, hat am meisten Kundschaft. Das haben alle Anbieter begriffen. Und alle verkaufen diese Artikel ohne Gewinn. Wie meinen Sie, wirkt sich das auf die Nährwerte jener Esswaren aus, die Sie täglich konsumieren?

Wir haben ein komplett gestörtes Verhältnis zu unserem Bauch und einen unzurechnungsfähigen Geist. Denn wir rechnen und vergleichen uns krank. Dort aber, wo sparen richtig einschenken würde, sind wir markengläubig, statusbewusst und ausgabefreudig.

Noch ein Tipp zum Schluss: Gehen Sie dieses Jahr noch bewusst extra einmal zusätzlich einen Kaffee trinken. Die Cafés schlagen nächstes Jahr 30 Rappen auf, heisst es. Wie viel davon beim Erzeuger der Kaffeebohnen landet, weiss ich nicht. Aber ich befürchte, ich ahne es…


°


[Bildquelle: Christine Bärlocher, ex-press.ch, via news.ch ]




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