Mein Schreiben. Täglich.
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
Ägypten ist in Aufruhr. Wollen Meldungen aus Kairo aktuell und authentisch sein, so lässt sich fast nicht mehr was anderes vermitteln, als die Unübersicht. Journalisten können kaum mehr arbeiten, allen offiziellen Verlautbarungen zum Trotz. Es ist schon unter alltäglichen Bedingungen nicht einfach, in einem fremden Land mit anderer Mentalität Hinter- und Tiefgründe zu erfassen und sie auch so zu transportieren, dass wir Fremden das Fremde verstehen. Dafür ist vor Ort viel Beziehungspflege nötig, ein Einarbeiten und Einfühlen und Einleben in die konkreten Lebensumstände vor Ort. Das Vertrauen von Einheimischen zu erlangen, braucht Zeit, Engagement. Und dabei ist immer auch ein Stück Distanz gefragt, um einigermassen abschätzen zu können, wie weit man als Journalist und Vertreter eines Mediengefässes auch benützt werden möchte…
Trotz aller dieser Begleitumstände halten wir uns in aller Regel für gut informiert. Die Informationsflut ist gross und Veränderungen werden sehr schnell wahr genommen. So lässt einen die Entwicklung in Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern in diesen Wochen oft schon beim Betrachten fast ein wenig kurzatmig werden…
Der Weg für Ägypten zu neuen Verhältnissen, zu Stabilität, Ordnung und neuer Mitbestimmung, ist noch sehr weit. Journalisten stören, werden zu Projektionsflächen für Frust und Aufbegehren gegen den Aufruhr. Wer von Gewalt berichtet, setzt sich selbst Gewalt aus. In aller Regel wissen wir wenig oder nichts von den Gefahren, dem Idealismus, der dazu gehört, als Journalist wirklich Journalist und Reporter zu sein. Und zu bleiben. Nicht nur die Jagd nach News treibt diesen Berufsstand um. Korrespondenten und lange vor Ort tätige Medeinschaffende sind ehrlich bemüht, ein Bild von den Gegebenheiten und damit von den Menschen zu zeichnen, das diesen gerecht wird. Im Moment findet ein Exodus aus Ägypten statt – und ein Kampf um Information, um die Aufrechterhaltung einer Berichterstattung, die damit auch all jene stützen soll, welche mit neu gefasstem Mut nun geprüft werden auf ihr Durchhaltevermögen.
Wir News-Konsumenten können nicht viel mehr tun, als gerade in diesem Moment einmal die Arbeit jener zu schätzen, welche Herzblut und Courage in ihre Tasten packen – und in die Schritte, die zuvor für die Informationsbeschaffung notwendig sind – und wir sollten mit unserem Interesse für die Ereignisse jeden erdenklichen Grund liefern, dass alles dafür getan wird, dass weiter aus Kairo und von anderen Orten mit gesellschaftlichen Umbrüchen berichtet werden kann. Schützen können wir niemanden vor Ort, aber wir können signalisieren, wie wichtig diese Arbeit ist. Auch für uns. Auf dass Journalismus sein kann, hier wie dort, was er sein soll: Beobachtende vierte Macht im Staat, Informationsplatz für den Bürger, der über Justiz, Regierung und Parlament Bescheid wissen und mit diskutieren soll. Korrespondenten liefern Korrespondenz über diese Prozesse – und wer auch immer weniger Freiheit besitzt, seinen Staat mitzugestalten als wir sie haben, wer seine Meinung nicht frei äussern kann, sollte unsere Unterstützung haben. Denn er braucht Mut – während wir nicht mal gegen die Trägheit ankämpfen, mit der wir unsere eigenen Möglichkeiten oft beleidigen – und damit jene, die früher ähnlich für unsere heutigen Freiheiten gekämpft haben.
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