Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Brauchen Vegetarier noch Fürsprecher?

∞  6 Februar 2011, 21:45

Vegetarier sein zu können – das muss hoffentlich nicht mehr länger erklärt und entschuldigt werden. Auch von Schriftstellern nicht.



Auf dem Titelblatt der Weltwoche dieser Woche prangt unten der Titel:

Wie ich Vegetarier wurde.
Und darunter: _Erfahrungsbericht eines Schriftstellers.
Von Rolf Lappert_

Nun, seit 2001 bin ich selbst Vegetarier. Ich brauchte für diesen Entscheid keinen Schriftsteller, der mir angesichts der Aktualität den Entscheid nahe brachte.
Und so ärgert mich der Untertitel schon sehr. Er suggeriert nämlich, dass es dem gemeinen Leser schon helfen dürfte, dass hier nicht ein Körnchenpicker abgehobene Phrasen dreschen werde, sondern ein Schriftsteller wohlüberlegte Schlussfolgerungen zieht (gibt es übrigens keine abgehobenen verschrobenen Schritststeller? Wäre doch irgendwie schade, oder?).
Ich denke, wir sind doch längst über den Punkt hinaus gelangt, als Vegetarier nur Spinner sein konnten. Und für jene, welche das anders sehen, kommt wohl kein Schriftstller gerade recht.

Ich bin übrigens gar nicht ein Eiferer, der von Ihnen nun verlangen will, Vegetarier zu werden. Ich freue mich schon, wenn Sie bewusster Fleisch essen und damit weniger.
Ihr Ernährungsverhalten aber müssen Sie an den Ereignissen überprüfen, die Sie der Presse entnehmen können. Auch ich habe viele Jahre lang viel gelesen und auch gesehen – es hat mich nicht wirklich erreicht. Aber an jenem Tag, als ich die brennenden Rinderberge in Grossbritannien im Fernsehen sah, war es mit einem Schlag Zeit für mich.
Und damit begann auch ein Leben, das sich ganz allgemein leichter anfühlte, denn verdauen lässt sich vegetarische Kost sehr viel angenehmer als Fleisch. Ach ja, einen Irrglauben möchte ich noch korrigieren: Ein Vegetarier isst kein Fleisch. Dazu gehört auch Fisch, und natürlich auch helles Fleisch wie Huhn.

Wenn Sie das nächste Mal Fleisch essen, dann machen Sie mir einen Gefallen: Geniessen Sie es wenigstens. Mit Bedacht, Zeiteinsatz und der Stimmung, tatsächlich einen Festschmaus geniessen zu dürfen. Mit der gleichen Achtsamkeit, mit der Sie Literatur lesen statt Schund. Dann landen auch keine Papierservietten in Business-Restaurants beim Lunch, klacks, auf dem nur angekauten Schnitzel im Teller.
Wenn wir nämlich Fleisch, nein, Nahrung ganz allgemein, nicht fressen würden, wenn wir zum Essen zurück fänden, dann wäre uns allen mehr innere Ruhe möglich – und es wäre nicht weit bis zu bewusstem Verhalten, angesichts der Tatsche, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Alle. Auch die Vegetarier. Aber sie haben wenigstens diese eine verhängnisvolle Kette des die Welt erdrückenden Massenverhaltens aufgebrochen.