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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Herr oder Frau Chef, die wirklich taube Nuss

∞  15 Januar 2009, 09:23

Wir haben so unsere feste “Runde”, wenn wir einkaufen gehen. Im Dorf gruppieren sich rund um Migros und Coop die einzelnen Detaillisten, die Drogerie, das Reformhaus, die Apotheke – und in einer Seitengasse, aber nicht wirklich abgelegen, die örtliche Landi. Dort gibt es z.B. das sagenhaft gute Mehl, das meine Frau für ihre Sauerteig- und andere Brote braucht, in Grosspackungen, die auch noch für einen Privathaushalt noch innert nützlicher Frist vertilgbar sind. Überhaupt ist dieser Laden eine Art Anachronismus, entstanden aus dem Angebot von bäuerlichen Genossenschaften für ihresgleichen, gibt es da mittlerweile eine ganze Palette von Nützlichem für jeden Privathaushalt zu kaufen – und dies zu oft sagenhaft günstigen Preisen.

Urwüchsig sind auch die Gerüche von Tiernahrung, die einem entgegen schwappen, wenn man die Tür öffnet und den Vorraum, eine Art Schuppen betritt, wo die aktuellen Schnäppchen und die grösseren Gerätschaften angeboten werden. Die Tür zum eigentlichen Laden liegt rechts um die Ecke. Ist man durch diese eingetreten, so hat man bereits zweimal die Türglocke ausgelöst, die jedes Öffnen der Türen mit einem zu hohen, zu langen und vor allem zu lauten Ton dokumentiert. Als Kunde sind Sie da schon nach ein paar Minuten im Laden genervt, denn schon ein höchst bescheidenes Kundenaufkommen löst ein ständiges, nerviges Getröte aus.

Die Einrichtung soll wohl die Aufmerksamkeit des Personals darauf richten, dass ein neuer Kunde den Vorraum oder den Laden betreten hat – oder tatsächlich gegangen ist (aha, dem ersten Tröten folgt ein zweites). Nun, Tatsache ist, dass jeder aufschreckt, der den Laden besucht, nur das Personal nicht. Und das ist gut so. Denn wäre die immer freundliche Dame hinter der Theke gleich beim Eingang, der das Getute direkt in die Ohren bläst, nicht auf Durchzug eingestellt, sie müsste verrückt werden. Dass sie es gleichmütig zu ertragen scheint, ist ja für eine junge Frau, die auf ihren Job angewiesen ist, nicht unbedingt so erstaunlich. Und wenn die Macht der Gewohnheit die Empfindlichkeit lindert, so ist dieser Effekt für das Personal zu begrüssen, wirkt aber dem eigentlichen Sinn der Installation mehr als entgegen.

Was ich mich allerdings frage: Wie kann man als Arbeitgeber NICHT auf die Idee kommen, diese Installation sofort zu ändern, wenn man auch nur einmal seine Angestellten bei der Arbeit besucht? In solchen Dingen liegt für mich eine unglaubliche Geringschätzung jener Menschen, die im direkten Kundenkontakt den Laden schlussendlich erfolgreich machen oder zum Scheitern bringen. Und das sind die Verkäuferinnen im Geschäft und damit jene, die den geringsten Lohn für ihre Arbeit erhalten. Dann habe ich, Entschuldigung, als Arbeitgeber die verdammte Pflicht, wenigstens für erträgliche Arbeitsbedingungen zu sorgen. Und dazu gehörte in diesem Fall eine einfache Veränderung der Installation, Kostenpunkt unbestimmt gering, und fertig.
Kommt noch dazu, dass er hier nicht auf die Dankbarkeit seiner Angestellten warten müsste – er bekäme sie sogar von den Kunden.

Nun, beim nächsten Besuch werde ich die Botschaft überbringen: Lieber Ladenchef X, das nervt! Und ich werde einfach von mir als Kunde reden und nicht von seinen Angestellten. Ich denke, das hat mehr Gewicht. Und ich werde es auch nicht der Dame hinter der Verkaufstheke sagen, wenn sie allein ist. Das kennt sie nämlich schon und holt nur ein verdrängtes Stück Elend dank der Unachtsamkeit von Vorgesetzten an die Oberfläche.





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Chef muss ich in den kleinen Dingen sein, die nicht gross werden dürfen