Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Feierabendverkehr

∞  12 September 2008, 19:20

… ist nicht das, was man meinen könnte (oder gar sollte?). Nein. Mit Begegnungen, egal welcher Art, hat der eigentlich nichts zu tun. Im Gegenteil.

Das Wort bezeichnet eher einen Massenzustand, dem alle, die davon Teil sind, entfliehen möchten. Und zwar allein. Und so schnell wie möglich.

Die Masse ist das Problem, und das Mass auch. Es ist schwierig, die Contenance zu halten und schliesslich regst Du Dich auf, weil der links zu schnell und der vor Dir zu langsam fährt. Und wenn gar keiner mehr fährt, weil man schlicht nicht kann, rege ich mich gerade wohl deshalb noch mehr auf, weil da keiner ist, dem ich die Schuld geben kann. Das System ist Schrott, die Verkehrsplanung eine Sache von Dilettanten, jede Baustelle eine Zumutung. Und alles das prallt an die Fensterscheibe. Von innen. Ich bin mit meiner Entrüstung allein. Oder mit meiner bleiern gewordenen lahmen Verzweiflung über diese schamlose Vorführung der Tatsache, dass wir schlicht zu viele sind. Ein paar da draussen könnte man sich doch wirklich ganz leicht wegdenken. Der Rentner da vorn sollte nach vier Uhr Nachmittags zwingend zum Fussgänger werden, die Mutter nebenan ihre Einkäufe doch bitteschön um genau zwei Uhr erledigen. Jetzt hat sie das Gefühl, sich mit mir aufregen zu dürfen, dabei komme ich aus dem Stollen und habe doch schlicht keine Wahl.

Feierabendverkehr? Die Bezeichnung ist schon ein Witz. Das ist Geschäftsverkehr. Oder allenfalls Geschäfts-Schlussverkehr. Ein Schluss übrigens, der längst kein Punkt mehr ist, sondern ein langer Gedankenstrich, dem noch drei Pünktchen folgen. Die Ladengeschäfte schliessen individuell, die gleitende Arbeitszeit ist eine entgleitende Abendsfreizeit geworden, der Chef arbeitet bis sieben, wer auch Chef werden will bis halb acht.

Früher kam man um diese Zeit wenigstens vorwärts. Heute bleibt einem nicht einmal mehr eine gewisse Exklusivität im Bewusstsein, fleissig zu sein. Man trifft sich im Verkehrs-Nadelöhr wieder. Im Abstand von ein paar lächerlichen Metern.

Ich bitte Sie! Jeder, der als Erfolgreicher befragt wird, und manchmal kommt es mir vor, es wird jeder von ihnen befragt (und jede sowieso), also einfach alle von ihnen “wissen” nur eines: Er oder Sie hat besonders hart gearbeitet.
Ich etwa nicht? Eine Frechheit ist das.
Nee. Die sind einfach clever(er) als Sie und ich. Und stehen später im Stau. Oder?

°

[Bildquelle: Foto by sunside ]



Anmerkung: Dieser Text ist Teil einer neuen Reihe, die wir als solche in eine neue Sammelbox stecken: Fotografin gibt Blogger eine Schreibaufgabe. Blogger gibt Fotografin eine Bildaufgabe.


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