Die SVP und ihre Blogger und Twitterer
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Ich gebe die Empfehlung von Mark Balsiger für einen Artikel in der NZZ über die SVP und die Geister, die sie rief auf diesem Weg gerne weiter (und nehme an, dass er so auch tatsächlich öffentlich lesbar ist). Dazu folgende Bemerkungen meinerseits:
Ich habe mich immer schwer getan mit dem Mahnfinger der Presse, wenn sie sich darin gefallen konnte, vom zentrifugalen Drive der “Volkspartei” nach rechts aussen zu schreiben und davor zu warnen. Vor allem, weil ich mir sicher war, dass dies mehr Werbung denn Aufklärung für jene bedeuten würde, die tatsächlich zum Zielpublikum der Partei gehören. Jetzt wird die Debatte wieder lanciert, und ich befürchte, sie wird medial auch diesmal lebendiger und grösser gehalten, als sie vom Wahlvolk empfunden wird: Die SVP hat (nach) der virtuellen Welt nun selbst auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass sie in ihren Reihen Politiker und Protagonisten hat, die sich schon mal eine Kristallnacht für Missliebiges religioses Gedankengut vorstellen können, andere twitternd als Arschloch bezeichnen mögen – und dann später finden, das wäre durchaus umgangssprachlich. Dass solche Schulpfleger und Lokalpolitiker nicht unbedingt jedermanns Sache sind, ist nun auch der SVP klar geworden und sie hat sich von der betreffenden Person getrennt.
Wenn ich hier keine Personen mit Namen nenne, die auch hier kommentiert haben, dann schlicht deswegen, weil die Geschichte schon etwas Schimmel ansetzt, wie ich finde, und das eigentlich Interessante weiter zu beobachten sein wird: Den Umgang der jüngeren Kräfte in der Partei nämlich mit dem Instrument, rechtsnationale Ängste vor Überfremdung mit jedem Ablehnungsthema im eigenen Parteiprogramm zu verknüpfen. Botschaft der Presse auch da wieder: Das Gschmäckle ist bedenklich, der Finger gehoben. Wie weit sie da dem Kalkül der Partei aufsitzt, der es lieb ist, es wird von ihr als genau dieser aufrecht stehenden wehrhaften Kraft gesprochen, vermag ich nicht zu sagen, aber genau das würde mich brennend interessieren. Was ich schlicht nicht glauben kann, ist, dass man zwar um die jahrelange Bloggerleidenschaft dieses nun geschassten Rechtspolitikers wusste, aber nie in diesen Veröffentlichungen gelesen haben will, wie der Lokalpräsident der SVP verlauten liess. Und wäre es denn zu glauben, läge die Disqualifikation nicht in der Verharmlosung, sondern in der Verblendung, solches nicht ernst zu nehmen.
Viel wahrscheinlicher ist doch, dass man im Zentrum der SVP darauf spekuliert, dass die ihr Gedankengut eifrig postulierenden Repräsentanten am äusseren Rand damit die Funktion erfüllen, die extrem aufrechten Schweizer zu gewinnen und zu binden, ohne dass man in Gefahr geriete, dies wirklich als durchgehende Strategie entlarvt zu bekommen. Dann bricht eben von Zeit zu Zeit mal ein besonders klappriger, aber übermütig gewordener Gaul durch die Abschrankung und wird dadurch zum Fall für den Metzger.
Es wird interessant aber nicht erquickend sein, weiter auf diese Partei zu blicken – nicht unbedingt bei jedem einzelnen Anliegen, aber beim inneren Antrieb, der allen Aktivitäten eigen zu sein scheint.
