Worte - Verpackung oder Speerspitze?
Bei meiner Tätigkeit als Webmaster und “Öffentlichkeitsarbeiter” in der Kommunikation von Vereinsbelangen an die Mitglieder erlebe ich im Kleinen, wie unterschiedlich der Wortlaut einer Information dessen Gehalt beeinflussen kann – und wie sehr man sich dabei fragen mag, ob das Geschriebene tatsächlich auch so aufgenommen werden kann, wie es gemeint ist?
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Was meinen wir, wenn wir “die richtige Formulierung” einer Veränderung finden wollen? Was macht die Worte “richtig”? Wollen wir den Inhalt mit Wohlklang verpacken und ihn damit leichter geniessbar machen, wo wir Ablehnung fürchten? Sind wir versucht, der Rhetorik so viel Raum zu lassen, dass aus Worten kleine Speerspitzen werden? Wie können wir verhindern, dass am Ende etwas ganz anderes haften bleibt, als das, was wir ins Zentrum stellen wollten? Und wie schaffen wir es, die Wirkung der Worte vorauszusehen?
Pressesprecher, Kommunikatonsbüro eines Konzerns, Öffentlichkeitsarbeit in jeder Form beschäftigt sich ständig mit genau dieser Krux, die auch darin liegen kann, etwas so rund auszudrücken, dass niemand mehr auf den Inhalt achtet. Auch dies gibt es. Und immer gibt es vor allem ein Problem: Jene, die mitteilen, erzählen von den vielen Gedanken, die sie sich zu einem Thema gemacht haben – unter Umständen genau jenen, die genau daran noch keinen einzigen solchen Gedanken verschwendet haben.
Tja, Leute. Das ist Vorstandsleben in einem Verein. Verflixt wichtig. Und manchmal sehr ermüdend. Und wenn man genau davon und vor allem davon spricht, und sich zu sehr davon leiten lässt, wird’s nicht beschwingter. Das wiederum ist überall genau so. In einer Firma noch viel mehr als in einem Verein. Denn dort wird man wenigstens dafür bezahlt.
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Ein Tastendruck bei Facebook
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Mit dem Ziel, über meinen bis dato sehr toten Facebook-Account die Möglichkeiten zu erkunden, um einzelne Webseiten bekannter zu machen, habe ich mich also wieder mal an dieses Social-Media-Ungetüm heran gewagt. Das Ergebnis war eine nicht ganz freiwillig aber selbst verschuldete Springflut.
istockphoto.com/koun
Es gibt in Facebook die hilfreiche, aber aus Sicht der Jünger von Mark Zuckerberg nicht ganz selbstlosen Angebote, dem Facebook-Mitglied beim Finden von Freunden und Kontakten zu helfen. Am besten geht das über Adressbücher bestehender eigener Mail-Accounts. Also habe ich ein solches Verzeichnis ausgewählt, worauf mir Facebook auch postwendend eine lange Liste von Personen aus meinem Adressbuch anzeigte, die ein Facebook-Konto haben, mit der Gelegenheit, bei jeder Person per Click vorab zu bestimmen, wer auch tatsächlich eine “Freundschaftsanfrage” von mir bekommen soll. Praktisch, denn von einigen weiss ich, dass sie der ganzen Kiste kritisch gegenüber stehen und nicht mit entsprechenden Anfragen belästigt werden wollen.
istockphoto.com/koun
Mit dieser Detailpflege bin ich ein ganzes Weilchen beschäftigt, denn mein gewähltes Adressbuch ist nicht winzig und Facebook ja auch nicht – ensprechend sind doch einige meiner Kontakte auch potentielle virutelle Facebook-“Freunde”. Das führt am Schluss dazu, dass ich, erlöst von der Konzentration, die gepflegten Daten auch absende – und dabei nicht bedenke, dass Facebook die Anfrage damit auch allen sendet, die gar kein Facebook-Konto haben und in meinem Adressbuch stehen. Geschickt gemacht von Facebook, dumm weil mangelhaft überlegt von mir und unkonzentriert abgeschlossen. Der unbedachte Klick meinerseits beschert Facebook hunderte von Werbemails, in denen meine Kontakte über mein FB-Account informiert und eingeladen werden, doch auch gleich im Netzwerk mitzumachen. Sch…
Aber dann geht’s los. Keine drei Sekunden nach der Auslösung der Anfragen habe ich die erste Freundesbestätigung eines Facebookmitglieds. Und nach zwei Tagen bilanziere ich mal wie folgt:
Ich habe mit einem Freund, mit dem ich mich sonst höchstens mal in SMS ein wenig humorig austausche, einen Feierabendschwatz über Facebook geführt und weiss nun, dass er mit einer guten Bekannten ein Web-Projekt verfolgt und welche Musik er mag.
Ein anderer Kontakt aus früheren Internet-Zeiten, der uns in der Zwischenzeit völlig verloren ging, lebt wieder auf, und
Ganz allgemein staune ich, welche Menschen mit Facebook etwas anfangen können, und welche gar nicht. Diese Trennlinie verläuft überhaupt nicht so, wie ich das erwartet hätte, was deutlich macht, dass Facebook quer durch alle Schichten Netz-Aufmerksamkeit weckt und aber auch bindet, die dann z.B. für Blogs fehlt.
Freunde schreiben mir, bestätigen mir, dass sie mit Facebook nichts anfangen können, benutzen die Gelegenheit aber, um mir von sich zu erzählen und nach mir zu fragen
Und ein Geschäftspartner, der auf Grund seiner Vorgesetztenfunktion eigentlich über operative Projekte mit uns mehr über seine Angestellten informiert wird als dass er direkt involviert wäre, nimmt meine “rausgeflutschte Anfrage” zum Anlass, sich bei mir nach meinem Befinden zu erkundigen. Daraus wird ein kurzer Mailaustausch und eine Verabredung zum Mittagessen im Januar.
Ich kann gar nicht alles aufzählen… Diejenigen, die mein “Missgeschick” verärgert hat, kann ich diesen Erfahrungen nicht gegenüber stellen, weil sie mir ihren Ärger nicht mitteilen – und sich Ähnliches wahrscheinlich schon gewohnt sind – aber es lässt sich schon feststellen, dass die Dynamik, welche Facebook erzeugen kann, auch im Guten erstaunlich ist. Wenn also Facebook dazu gut wäre, uns in unserer Neigung zum kontaktscheuen Phlegma ein bisschen anzustupsen, liegt – wie in jeder Kommunikationsmöglichkeit – viel positives Potential darin. Das Portal ist gratis, Geld muss mit Werbung verdient werden – dass dies auch mit dem Potential der Mitgliedsdaten versucht wird und manches im Graubereich abläuft, muss man trotzdem nicht gutheissen, im Gegenteil. Nur ist auch klar, dass Facebook da nicht der alleinige Sünder ist. Ich denke da an die Ankündigungen der Kreditkartenfirmen, Kundendaten zu Werbezwecken weiter geben zu wollen.
Die Entscheidung, ob wir deswegen auf diese Serviceleistungen verzichten wollen, muss jeder Einzelne selber treffen, und es ist gut so, wenn er sie auch tatsächlich treffen kann. Gläsern werden wir in jedem Fall von Jahr zu Jahr mehr – die Fülle an Daten, die wir nur schon über Handysignale abgeben, über Zutritt-Systeme in öffentlichen Gebäuden und bald über Fahrkarten-Chips in Zügen und Büssen – lässt sich kaum eindämmen. Automatisation, Abwicklung der Vorgänge in immer kürzeren Zeiten – das ist das Optimierungspotential unserer digital technisierten Welt: Dabei werden in tausenden von Bereichen Daten gespeichert, weil Automatisation Wiederholung bedeutet und damit dort um so mehr bringt, wo neue Abläufe nach bewährtem Schema eingespeist werden und Daten nicht mehr neu erfasst werden müssen. Die Cookies, die wir von Internet-Seiten kennen – sie werden in unserem ganzen Leben immer häufiger angebracht.
Da hat ein spontan entstehender Austausch auf Facebook doch schon fast wieder etwas Tröstliches – denn in diesem Austausch beleben sich zwei Menschen mit Geist und Herz. Fast so, als wenn es Leben wäre.
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Offener Brief an Roger Köppel
Herr Köppel,
wir haben lange mit dem Entscheid gerungen, ihn immer wieder verworfen, denn die Weltwoche gehört seit meinen Studienzeiten zu meiner Lektüre. Aber nun ist der Entscheid doch gefallen: Wir erneuern das eben zur Zahlung fällige Weltwoche-Abonnement nicht mehr.
Die Welt mag so grauenhaft sein, wie Sie und Ihr vom Zügel gelassenes Hetzkampagnen-Team es argwöhnen. Sie wird aber durch diese Art Journalismus, wie ihn die Weltwoche praktiziert, nicht besser. Ihr Wochenblatt fördert die Skandalisierung und Zoterei in Politik und Wirtschaft. Ihre Praxis hat mit seriös recherchiertem und die Persönlichkeitsrechte direkt Betroffener respektierendem Grundanstand nichts gemein.
Sie reizen in jeder Geschichte das juristisch gerade noch nicht sanktionierbare Missachten elementarster Anstandsregeln aus. Sie greifen anhand scheinbar offenkundiger Verfehlungen Einzelner jede Institution an, derer Sie habhaft werden können und scheuen sich dabei nicht, zwischen Faktum und Annahme nicht klar zu trennen. Seit der nicht erfolgten Wiederwahl von Bundesrat Christoph Blocher ist kein Element des Schweizer Staatswesens vor den destabilisierenden Angriffen der Weltwoche mehr sicher.
Würde zudem in der Beurteilung der Recherchierleistungen und Schlussfolgerungen, zu denen Weltwoche-Journalisten nach Ihren Gnaden offensichtlich berechtigt sind, das gleiche Mass auf Sie und Ihre Schreibstiftsoldaten angewendet, dann wären Bezeichnungen wie Gauner und Wortverdreher sehr wohl zu gebrauchen, und ich bedauere es schon fast, habe ich hier Skrupel, noch deutlicher zu werden. Die Art, wie Sie einzelne Funktionsträger aufs Korn nehmen und persönlich beleidigen, ist einfach unerträglich – und das System, das dahinter zu erkennen ist, muss entschieden bekämpft werden:
Die Formulierung eines Urteils über einen Menschen und seine Arbeit mag kritisch bis total ablehnend sein, wirkt sie aber vernichtend, so bekommen Sie und Ihresgleichen keinen Persilschein ausgestellt, wenn Sie am Ende wenigstens zu Teilen recht behalten. Ihre immer bewusst mit auf die Person zielende Berichterstattung vergaloppiert sich im hässlichen Echo der Verunglimpfungen. Ich wünsche gar nicht, dass man Ihnen mit gleicher Münze zurück gibt; der Schaden für die politische Kultur ist so schon immens. Ich wünsche mir, dass man Ihre Masche erkennt, ihr dezidiert entgegen tritt und im Übrigen zusieht, wie Sie sich allmählich an Ihren Lesern vorbei an einen Ort vergaloppieren, wohin Ihnen diese nicht mehr folgen werden.
Wir mögen Ihren Journalismus nicht länger unterstützen, genau so, wie wir es absolut unerträglich finden, mit einem Zeitungsabonnement einen “Verleger” zu unterstützen, dessen Investoren im Hintergrund bis heute nur vermutet werden können. Für ein ständig nach Transparenz schreiendes Blatt ist das der Witz schlechthin.
Die Thinkabouts
Vom kleinen Grossen
Das grosse Wort ist nichts
gegen die kleine Tat.
Der leise Satz
dringt tiefer als jedes Gebrüll.
Verstehen kann man beteuern.
Wird der Beteuerung geglaubt,
kann daraus Erfahrung werden.
Bis keine Worte mehr nötig sind.
Und sich eine Schulter an dich lehnt,
oder eine Hand nach deiner greift.
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Die Krux mit der Anerkennung
Chrampfen Sie auch den ganzen Tag? Bemühen Sie sich bei allem, was Sie tun, um gutes Gelingen, arbeiten Sie mit Sorgfalt und packen Sie eher mehr als weniger Herzblut in die einzelne Tätigkeit? Wollen Sie den Job gut machen, die Aufgabe nicht nur erfüllen, sondern mit dem Ergebnis auch noch überraschen? Haben Sie Berufsstolz?
Und? Wird erkannt, was Sie tun? Sieht der Gast, mit welcher Liebe Sie im Restaurant kochen? Beachtet der Chef, dass Sie nicht nur nach “dem Buchstaben arbeiten” sondern mitdenken? Werden Sie mal gelobt? Genügend?
Oder sind Sie von Kunden und Kollegen umgeben, für die alles selbstverständlich ist, so lange es funktioniert, aber wehe, es funktioniert einmal nicht? Ist es manchmal gerdadezu absurd, für was sie scheinbar auch noch die Schuld tragen könnten?
Verzeihung. Das wird nicht gut gehen.
Die missgelaunten Kunden werden nicht verschwinden. Mit übler Laune werden Sie auch weiter konfrontiert werden. Der Chef wird nach wie vor selbstverständlich nehmen, was Sie für ihn leisten. Wahrscheinlich wird sich das noch verstärken, denn der gute hat mehr Druck, als früher. Vielleicht sogar, weil er in seiner Welt ganz ähnlich denkt wie Sie.
Was Sie aber riskieren, ist, dass “die Guten” wegbleiben. Dass Sie irgendwann gar nicht mehr hören und sehen, dass es auch Menschen gibt, die tatsächlich “Danke” sagen. Die auch mal loben und denen dabei kein Zacken aus der Vorgesetztenkrone bricht oder der Gastthron unter dem A… zusammenbricht. Und plötzlich macht es tatsächlich niemand mehr. Weil Sie den Menschen mit der üblen Laune die Macht über Ihre eigene Stimmung geschenkt haben. Und die positiven Menschen um Sie herum wollen nicht, dass ihnen das gleiche geschieht.
Darum sollten Sie sich ganz genau überlegen, warum Sie denn glauben, dass Sie einen guten Job machen, die Aufgaben erfüllen, und dabei alles geben. Die Loyalität, die Sie beweisen, den Stolz, den Sie haben – dies alles ist im Kern für niemand anders bestimmt, als für Sie selbst. Und wenn Sie es nicht wollen, wird Ihnen dies kein Griesgram und kein Ignorant nehmen können. Sie arbeiten so, wie Sie arbeiten, weil Sie sich nur so in sich selbst wohl fühlen und in den Spiegel schauen können. Und wollen. Und das allein ist alles andere schon wert. Niemand kann Ihnen das nehmen. Der Platz, an dem Sie das leisten, kann genau der richtige sein. Aber nur so lange, als der König Kunde eingeladen ist, in ihrem Königreich Gast zu sein – ohne irgend ein Tafelsilber Ihrer Persönlichkeit zu vereinnahmen. Wenn Sie das nicht erlauben, wird ihm das auch nicht gelingen.
Freundlichkeit ist des Griesgrams grösste Prüfung. Wird sie mit innerer Herzlichkeit vor sich selbst geleistet, kann mir keiner was. Aber meine Freude an dem zu kündigen, was ich gerne tue und dem ich einen Teil meines Lebens widme: Diese Macht hat keiner, wenn ich ihm nicht dazu verhelfe. Ist der Griesgram der Herr Chef und hilft am Ende alles nichts, so nehme ich meine innerlich bewahrte Integrität mit – und behaupte mich in anderer Umgebung. Auch dort wird es viel mehr Tadel als Lob geben. Weil Zufriedenheit und Anerkennung gelernt werden müssen. So arm dran sind wir leider alle. In jedem Job.
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Schreiben Sie
Tagebuchverfasser, Blogger, Journalist oder Autor? Falsch. Es gibt nur Schreibende. Und wenn man Milena Moser glaubt, wollen alle schreiben.
Ich weiss nicht, ob das ähnlich zu verstehen ist, wie die Aussage, dass alle gerne singen möchten. Das ist natürlich falsch. Vielleicht möchten alle gerne gut singen können. Das möchte ich auf jeden Fall sehr, sehr gerne. Und genau darum singe ich nicht. Nie. Ausser im tiefsten Wald, wenn es geradezu Sinn macht, zufällige Zuhörer zu erschrecken.
Aber vielleicht stimmt es ja, dass eigentlich alle schreiben möchten. Vielleicht möchten auch alle reden. Und es fehlt nur an der Überzeugung, es zu können. Der Mensch besitzt ja eine unglaublich ausgeprägte Fähigkeit, sich die Fragen zu beantworten, bevor sie gestellt sind (und andere gar nie zu stellen, obwohl die Antworten ganz wichtig wären, aber das ist ein anderes Thema). Was also fasziniert am geschriebenen Wort? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass etwas, was man spricht, wenn es denn aufgeschrieben wird, plötzlich irgendwie verbindlicher ist. Das Geschriebene ist wie die Fotografie eines Gedankens. Eine Art Zeugnis eines gedachten Moments. Es ist ein Teil von uns, eine Offenlegung, und es ist irgendwie immer mehr als die Summe aller Buchstaben. Der Satz kann dabei ganz banal sein, der Leser kann dennoch alles, wirklich fast alles hinein denken. Gerade dann. Der Leser kann sich sein eigenes Leben vorlesen. Und er tut es wohl viel häufiger, als er es sich bewusst ist.
Wenn das Kind aus dem Ferienlager schreibt:
Hoi Mami, wie geht es Dir? Mir geht es gut. Heute Nachmittag machen wir eine Wanderung., dann kann es sein, dass die Mutter daran eine halbe Ewigkeit zu lesen vermag. Vielleicht hört sie die Stimme der Tochter, sie riecht die Blumen auf der Bergwiese, stellt sich die Aussicht vor, sieht das vertrauteste Gesicht in ihrem Leben lachen und macht sich gleichzeitig Sorgen, da sie die Stimme ja nicht hören und befragen kann, ob das Kind wirklich glücklich ist?
Texte können beruhigen, aufrütteln, sie können was sagen und doch viel verschweigen, aber sie sind in jedem Fall verbindlicher als ein flüchtig gesprochenes Wort. Und weil wir als Leser das immer wissen, auch wenn wir vielleicht nie darüber nachdenken, deswegen mag wohl Milena Moser vermuten, dass alle gerne schreiben würden.
Tun Sie es. Sie atmen doch auch, ganz selbstverständlich. Schreiben Sie jede Woche einen elektronischen Brief. E-Mail soll ein veraltetes Medium sein, habe ich gelesen. Ich finde es modern genug, dass es mir wichtiger ist als jede PN oder jede Nachricht auf Facebook oder Twitter oder wie alle diese flüchtigen Dinger heissen. Nein, ich schreibe Mails. Von Herzen gern und häufig, und doch viel zu selten. Die meisten meiner Adressaten würde ich überfordern, würde ich von ihnen Antworten im gleichen Ausmass und Tempo erwarten. Aber darum geht es nicht. Ich rede ja auch mit mir beim Schreiben, und ich bin jedem dankbar, der mir dabei hilft – gerade weil ich ihm schreibe, weil er mir einen Grund dafür schenkt, und weil er mir diese Zeit wert ist, in der ich mir selbst ein Bewusstsein schenke, das näher bei mir selbst bleibt als bei den meisten anderen Tätigkeiten.
Schreiben ist immer auch begegnen. Schon in dem Moment, indem sie einen Buchstaben setzen. Lange, bevor es jemand anders gelesen hat. Reden Sie ruhig mit sich selbst. Wenn Sie es schreibend tun, wird niemand meinen, Sie wären sonderbar. Das werden Sie höchstens, wenn Sie sich diese Begegnungen mit sich selbst nicht gönnen.
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PS: Und wenn Sie etwas älter sind und meinen, Computer und dieses E-Mail-Dings wären nichts mehr für Sie, dann lassen Sie sich gesagt sein: Sie verspielen damit eine wunderbare Chance für den Rest Ihres Lebens!
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Blog Backstage: Allerwelts- oder Themenblog? - Und wer mit wem?
Immer wieder gibt es im Hintergrund dieses Blogs und auf Grund meiner (leider im Moment spärlichen) Kommentar-Beiträge an anderen Orten einen Meinungsaustausch rund um prinzipielle Themen und Fragen zu Blogs und zu deren Qualität – und ihren Möglichkeiten. Da man sich dabei sehr schnell in allgemeinen Betrachtungen wieder findet, sind Urteile und Einschätzungen dann leider meist sehr subjektiv, und eine Diskussion führt ins Uferlose.
Als durchaus leidenschaftlicher Debattierer, und gepackt (oder geplagt) von einer grundsätzlichen Faszination für die Anforderungen, welche eine aktive Diskussion auf einem Blog an die Moderation stellen kann, verfolge ich die Entwicklung in diesem Bereich mit grossem Interesse: Blogbeiträge zu aktuellen politischen Themen können sehr leidenschaftliche Diskussionen auslösen. Während hier solche Debatten zwar vorkommen, aber viele Beiträge eher grundsätzliche Betrachtungen anstellen und anregen wollen, gibt es in News-Netzen oder Blogs, welche die Politik und Medien kritisch begleiten, sehr viel öfter hitzige Diskussionen. Da sich dort die Kommentierenden oft nicht kennen und Wortmeldungen schon mal der Grösse des Portals wegen überhaupt in Betracht gezogen werden, ist die Summe der möglichen Motivationen dafür sehr unterschiedlich. Die Wogen gehen hoch, die Reibungsverluste können hoch sein und die Erschöpfungsverluste beträchtlich. Ein News-Portal steckt so was nicht nur weg, es lebt unter Umständen sogar davon, was selten dazu führt, dass die Artikel, welche die Debatten ins Rollen bringen, qualitativ besser werden… Für kleine Blogs aber kann eine solche Woge das Ende bedeuten, denn die Energie, die plötzlich aufgewendet werden muss, um auf die unterschiedlichsten Argumente zu reagieren – oder den eigenen Standpunkt wieder und wieder zu erläutern, kann enorm sein. Am Ende bleibt oft Frust allein übrig, weil man bezüglich des Resultats alle Illusionen verliert:
Man vermag vielleicht kaum jemanden zu benennen, den man tatsächlich zu tieferem Nachdenken veranlasst hätte, man sieht sich dem Entsetzen jener Leser gegenüber, die “Sie ganz anders eingeschätzt” haben und “so was nie von Ihnen gedacht” hätten, und man bekommt ein besseres Gefühl für die unterschiedlichsten Antriebe, welche Anstoss zu Kommentaren sein können. Hinzu kommen am anderen Ende jene Leser, die sich still verweigern und eine solche Debatte nicht wollen – und plötzlich fern bleiben. Ein Blog und sein Blogger mit Allerweltsthemen, mit einem breiten Themenspektrum, das sich danach richtet, was eben diesen Blogger ganz allgemein interessiert, scheint also gut daran zu tun, sich bei gewissen Themen möglicher Konsequenzen bewusst zu sein. Vielleicht ist ja aber auch bezüglich seiner Interessen nicht gar so vielfransig wie ich… Und wenn er ein paar Jahre durchgehalten hat und sich somit für ihn die Schwerpunkte heraus gebildet haben, über die er regelmässiger zu schreiben weiss, so wird er sich darauf vielleicht immer mehr konzentrieren, ohne dass er dadurch ein Themenblog würde, wie es ein Ressort für einen Bund einer Tageszeitung macht:
Eine Konzentration auf ein solches Themenspetkrum verschafft Leser, welche entsprechend interessiert gezielter nach bestimmten News suchen. Das Potential der Leserschaft kann dadurch höher sein, wenn das Spektrum “breite Gruppen interessiert”, die Profilierung ist einfacher, Knowhow leichter zu beweisen. Aber auch hier gilt: Es sollte nicht unterschätzt werden, wie schwierig es ist, täglich oder zumindest regelmässig neue Themen zu finden – oder bestehende wirklich eigenständig, also mit zusätzlichem Erkenntniswert zu vertiefen oder neu zu beleuchten.
Es gibt wohl als Blogger wie Leser nicht die eindeutige Antwort, welche Art Blog interessanter gestaltet werden könnte. Ganz klar aber bleibt ein Blog das Werk eines Einzelnen, ist es das, für das es ursprünglich stand: Ein Tagebuch oder eine chronologische Aufzeichnung einer gedanklichen Auseinandersetzung mit einem Themenbereich dieser einen Person. Die Individualität ist die ursprüngliche Triebfeder, mit allen Vor- und Nachteilen der Subjektivität, und in allem durchdrungen vom Charme, aber auch der Begrenzung aller Wirksamkeit, die darin begründet ist, dass da einer seine freie Zeit mit dem Bündeln seiner Gedanken in tippfähige Wortreihen verbringt, ohne dass er im Entferntesten die Power hätte, daraus mehr als ein Nischenprodukt zu machen.
Sie spüren schon. Ich schreibe von mir. “Wann nicht?” mögen Sie vielleicht denken. Touché. Ich fühle mich allerdings wohl in meiner Nische, und ich habe keinen einzigen Gedanken in der Art, etwas, was mir im sechsten Jahr grosse Freude macht, einzustellen. Was mich mehr beschäftigt, ist die geraubte Illusion, mit der sich viele Blogger, aber eben auch Journalisten herumschlagen:
Ganz offensichtlich ist es so, dass mancher Anwurf, den die Bloggerszene aus dem Kreis der professionellen Schreiberlinge einsteckt, auch mit dem Frust dieser Journalisten zu tun hat:
Wer könnte besser erkennen als sie, welches Potential im Grunde in Blogs liegen würde? Aber genau so, wie Blogger das, was sie tun, meist in der Freizeit unterbringen, so haben auch Journalisten kaum genügende Ressourcen, um selbst ein Blog zu betreiben (schlecht bezahlt werden sie schon für die Texte, die sie beruflich schreiben…). Und abseits der wenigstens einigermassen beachteten Mainstream-Onlineveröffentlichungen mag aus diesem Kreis sowieso niemand herumtippen. Wer könnte das nicht verstehen?
Der Schweizer Markt ist klein, aber er ist gewiss qualitativ nicht ausgeschöpft. Schon gar nicht für die Online-Mediumsform eines dem Qualitätsjournalismus entsprechenden Gemeinschaftsblogs von Journalisten mit Bloger-Flair und erfahrenen Bloggern mit journalistischem Talent. Einer solche Kombination, eingebettet in ein Gesamtkonzept, das den Meinungs- und Leitartikel und die Kolumne in bloggerischer Form zum Anreiz für engagierte Debatten macht (denen sich die Blogger selbst nicht entziehen), würde ich persönlich gute Chancen geben. Vor allem dann, wenn ein solches Gemeinschaftsblog in den Kommentarthreads im Sinne einer offenen Diskussionskultur wirklich moderiert würde und eine verlegerische Kompetenz im Hintergrund so viel Manpower und Finanzen und Vernetzungen ins Projekt einfliessen liesse, dass Inhalt, Form und Verbreitung in verschiedene Hände gelegt werden könnte.
Von dem allem habe ich nur eines: Die Begeisterung für diese Idee… Möge sie (die Idee, nicht die Begeisterung) geklaut, aber nicht verwässert werden…
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Ein Big Boss macht Mutterschaftsurlaub
Eine interessante und auch außergewöhnliche Situation:
Die Chefin von ABB Schweiz, Jasmin Staiblin, bekommt ein Kind. Und sie will den gesetzlich erlaubten Mutterschaftsurlaub von sechzehn Wochen in Anspruch nehmen.
Die Weltwoche macht dies in ihrer Ausgabe 27/09 gleich doppelt zum Thema: Roger Köppel fragt im Editorial, ob dies „in Ordnung sei“ (ist es natürlich nicht), und René Lüchinger konstatiert in einem Kommentar „die nicht wahr genommene Führungsverantwortung“. Beide Journalisten setzen ihrer Argumentation zugrunde, dass einfach alles vom Chef abhängt. Von seiner Tüchtigkeit hängen die Arbeitsplätze ab (Köppel). Versagt der Chef, geht die Firma unter (Köppel). Er schreibt von den ungeschriebenen Gesetzen des Unternehmertums, denen sich auch Frauen unterwerfen müssten, was bedeutet, dass sich die ganze Person für den Erfolg der Firma hinzugeben hat.
Und Lüchinger stellt fest, dass 16 Wochen Ausstand „nicht gehen“. Für ihn bedeutet Topmanagement „Sechzig- oder Siebzig-Stunden-Wochen, Entbehrung und weitgehender Verzicht auf ein geregeltes Familienleben“. Dass zahlreiche Managerehen geschieden und Kinder von Top-Führungskräften ohne Vaterfiguren aufwachsen, ist unabwendbar und ein Indiz, dass alles der Verantwortung für die Firma untergeordnet wird. Es fehlt auch nicht der Hinweis, dass der Arbeitgeber diese Hingabe mit dem fürstlichen Gehalt einkauft.
Der Kommentar endet mit dem Hinweis, dass die „ABB gut daran täte, einen Plan B in der Schublade zu haben“.
Und hier setzt denn auch mein Contra ein: Die beiden Journalisten benützen das Beispiel zum Versuch einer Grundsatzdiskussion in einer Frage, die erst einmal niemanden außer der ABB selbst etwas angeht. Davon auszugehen, dass sich die ABB keine Gedanken zu einem Plan B gemacht hat, ist einigermaßen selbstherrlich. Die Argumentationskette liest sich wie der Versuch, vorauseilend den Mythos der großartigen (männlichen) Manager zu verteidigen, wonach selbstverständlich das ganze Wohl des Unternehmens von einem Superhero, dem General abhängt. Und genau diesem Mythos entsprechen auch die exorbitanten Saläre, die solchen Personen, die in aller Regel Manager und nicht Unternehmer sind, bezahlt werden.
Persönlich ist mir einigermaßen unwohl, wenn ich mir vorstelle, dass die Novartis den Rhein runter treibt und womöglich ersäuft, wenn Daniel Vasella nicht an Bord ist. Auch und gerade der oberste Chef sollte seine Firma so organisieren – und seine Mitarbeiter so auswählen, dass jeder seine persönlichen Qualitäten einbringt, aber keiner unersetzbar ist. Ein Mutterschaftsurlaub ist zudem planbar (das Lösungsmodell für die Firma damit auch), ein Unfall oder eine Krankheit nicht. Und trotzdem gibt es auch dafür garantiert überall Schlachtpläne, wie ich schwer hoffe, um es auch etwas martialisch auszudrücken.
Der Friedhof ist voll von unersetzlichen Managern und Unternehmern, die alle ersetzt wurden. Zwangsläufig.
Diese Kritik will nur die Krux dieser alten und tief verankerten Denkweise offen legen. Persönlich kann ich gar nicht beurteilen, ob das bei der ABB versuchte Modell wirklich funktionieren wird. Interessant finde ich etwas anderes:
Die ABB scheint sich auf oberster Ebene ein Angestelltenmodell zuzutrauen, das Jobsharing und Familienleben mit einbezieht. Natürlich ist es möglich, dass sich Angestellte, wie es Lüchinger suggerieren will, sogleich in einem führungslosen Zustand sehen. Dass von der ABB ein Statthalter bestimmt ist (jaaah, selbst Frau Staiblin hat einen Chef, und dieser, Präsident Peter Smits, übernimmt vorübergehend), und der Zürcher Headhunter Björn Johannsson explizit meint, es wäre „alles nur eine Frage von „mindset“ und Organisation“, wird zwar erwähnt, aber es wird nicht darauf eingegangen. Dabei ist ja genau das die spannende Frage:
Was wäre, wenn die ABB Schweiz zu einem Modell würde, in dem alternative Führungsmodelle von oben eingeführt und breiter umgesetzt würden? Wenn Mitarbeiter, Frauen wie Männer, genau darin die Qualität ihrer Firma sähen, dass diese ihre Angestellten ernst nimmt, indem sie explizit auch deren gewonnene Qualitäten als Familien“manager“ fördern und dann auch nutzen will?
Was wäre, wenn Männer darin keinen Angriff mehr auf ihren Krieger-Mythos sähen – und die Frauen ernst damit machten, Loyalität zu Familie und Unternehmen praktisch umzusetzen. Wäre doch phantastisch, wenn sich beweisen ließe, dass jemand, der nur fünfzig Stunden pro Woche arbeitet, vielleicht mehr damit heraus holt, als jener, der siebzig Stunden malocht? Wie das gehen soll, hat mir bis jetzt sowieso niemand erklären können.
Wenn ich mir einen Siebzig-Stunden-Wochenjob beschreiben lasse, dann steckt darin sehr viel „Repräsentation“, allenfalls Reisen und ganz sicher Pflege einer Wichtigkeit, die man nur dann ernst nehmen kann, wenn man die Chance zum Ehemann und Familienvater verloren hat und seinen persönlichen Wert nur noch mit dem Ansehen in einer Welt gleich setzen kann, wie sie Lüchinger und Köppel beschwören.
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Bin dann mal auf Stippvisite gewesen
Twitter-Tagebuch aus Lissabon 12. bis 16. Juni 2009, per 16.6.09
Lissabon good bye. Es lag auch an Dir, dass ich kaum je zuvor in ein paar Tagen so viel Einblick in eine Stadt gewann. #Lissabon
Was bleibt in u/Erinnerung: Die Hilfsbereitschaft der Menschen. Europäer, die neugierig geblieben sind. #Lissaboner about 8 hours ago
Eine junge Stadt, die zeitlos jung bleibt in alter Kulisse #Lissabon about 8 hours ago
Noch nirgends so viele Europäer an Krücken gesehen… #Lissabon about 9 hours ago
jeffjarvis-Twitters über Iran haben mich in Lissabon das alte liebe TV nutzen lassen… #Jarvis about 22 hours ago
Kehrsaugmaschinen hinter verschlossenen Klosterkirchentüren – keine Zeit für Kirchgänger am Montag #Lissabon 1 day ago
Eine Assistentin mit Formularausfüllphobie ist fern des Büros KEINE Hilfe #Lissabon 1 day ago
Metro – funzt einfach scheinbar in jeder Stadt – öV at its best #Lissabon 1 day ago
Heute laufen uns die Dinge wieder über den Weg. Leichtigkeit des Seins… #Lissabon 1 day ago
Nepp in der Pasteleria de Suiza – ausgerechnet! Nie mehr. #Lissabon 1 day ago
Alfama: So viel Fiesta-kater tagsüber – aber langsam nehmen die Menschen wieder Fahrt auf… #Lissabon 2 days ago
Hieronymus-klosterkreuzgang: Hier prasselt der Regen nicht. Er klatscht und singt. #Lissabon 2 days ago
Mosteiro dos Jeronimos, Kreuzgang: Es gibt Orte, deren Besuch ich jedem Freund wünsche – und das hat nichts mit dem Regen zu tun #Lissabon 2 days ago
Tempo de Espera – Lissaboner Verkehrsbetriebe sind Realisten #Lissabon #Metro 2 days ago
Denke an alte Lissaboner – kein leichtes Leben. Aber der Respekt scheint hier größer. Hoffentlich stimmt m/ Eindruck. #Lissabon 2 days ago
Prazeres – Familiengruften mit so was wie Kajütenbetten für Särge – steinerne Heimat für Erinnerte und Vergessene #Lissabon 3 days ago
Jardim da Estrela: Vom Geächze des Electrico zum Vogelgesang im Park #Lissabon 3 days ago
Menschen, die warten können: Immer wieder eine Wohltat #Lissabon 3 days ago
Banco Espirito Santo – an jeder Ecke: Dekadenz des Geldes? #Lissabon 3 days ago
Frühstücken wie Götter mit vertrautem Müesli und typischem hiesigem Gebäck #Lissabon 3 days ago
Tag 1: Viele relaxte Menschen, die nicht nur Zuckerschlecken.kennen. Strassenbeizkultur. Fassadenträume.. Leichte Melancholie. #Lissabon 3 days ago
S. Domingos – wann war ich letztmals in einer Kirche mit ähnlich starker spiritueller Ausstrahlung? Tiefe Freude in mir. #Lissabon 4 days ago
Der Anflug über Lissabons Brücken ist einmalig schön: Ein Zeitlupen-Schweif aus Vogelperspektive 4 days ago
Biblisch: Wir sitzen zuhinterst und kommen deshalb als erste in München an. 4 days ago
Also: Ich finde die Freundlichkeit der Leute von der Security Control SEHR wohltuend + ansteckend #Pandemie 4 days ago
Ein Biberli für 3.50. Zürich’s Flughafen soll der beste Europas sein. Die Anbieter scheinen es auch zu wissen… 4 days ago
Städtereise: Hab’ noch selten so wenig Gepäck gehabt. Bin ich nun auf dem Weg zum Pilger oder einfach nur schusselig vergesslich? #Lissabon 5 days ago
Ein erinnerter und fest gehaltener Händedruck
Es war ein Tag, eingetaucht ins klassische Wintergrau einer gutbürgerlichen Stadt. Der Wind strich über die Brücken des Flusses und zerzauste mein Haar, während er über die breite Krempe des Hutes meines Begleiters glitt, in dessen Windschutz unsere Augen sich suchen und in einander ruhen konnten.
Flussaufwärts schauend hatten wir die kräuselnden Schaumkronen der Strömung stets nur kurz im Blick, bevor sie unter uns hindurch zum nahen See tanzten, vorwärts getrieben vom Spiel eines unsichtbaren Orchesters, dessen Takte atemlos aneinander gereiht sich endlos fortsetzen würden, während wir uns ans Brückengeländer lehnen konnten, ein Stück Gegenwart teilend, das wir mit Erzählungen füllen durften von uns und Menschen, die uns lieb waren und sind.
Wir drehten uns um, mit entspannten Rücken, die in dicken Jacken keine Kälte spüren mussten, und wir sahen, wie das Licht über dem See heller leuchtete, wie sich überhaupt der ganze Blick zur Flussmündung hin weiten durfte, heute, und an jedem weiteren Tag. Ein wenig bedauerte ich es, dass meinem Gast kein Blick in die verschneiten Alpen vergönnt sein würde, und ich vermied es, ihm davon vorzuschwärmen. Ich liess ihn lieber erzählen von Menschen, die ihm wichtig sind, und ich genoss den Frieden, der darin lag, wenn er von seinem Vater erzählte, wie er in alten Jahren ganz unvermittelt nochmals ein Stück Geborgenheit erleben durfte, weil er unter Menschen willkommen geheissen wurde.
Und ganz still für mich erzählte ich im nächsten Moment diesem mir unbekannten Vater von der Freude seines Sohnes über dieses Stück Herzenswärme, das ihm so sehr gegönnt wurde.
Später, viel später und doch viel zu schnell, war es Zeit, sich zu verabschieden. Wir schüttelten uns die Hand. Nein, das ist nicht ganz richtig. Ich glaube, ich nahm deine Hand und legte sie in die meine. Ich drückte sie ein wenig, so weit es mir mit meiner kleinen Bürolistenhand, die in dieser deiner Pranke so geborgen lag, überhaupt möglich war, und während ich die Kraft deiner Hand genoss, nahm ich mir vor, dir diese Zeilen zu schreiben: Dir zu erzählen, wie schön es ist, diese Hand zu halten, welcher Zauber darin liegt, die Schwielen vieler harter Stunden Arbeit an ihnen zu fühlen und gleichzeitig nicht nur zu wissen, sondern fühlen zu können, wie viel Herzenswärme die gleichen Hände schon Tasten anvertraut haben, Worte bildend, die zu lesen so vielen Menschen schon so viel Freude bereitet haben. Dir mögen diese Sätze wie Schaumkronen auf tanzenden Wellen erscheinen, die längst vergessen sind; ich aber sage dir, dass ich manches davon in ganz stillen Gewässern bewahre, wo sie herrliche Spiegelbilder eines weiten Himmels bilden. Immer wieder neu.
°
Versandtes
und
Tagebuch
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