Yoda befragt mich
Ich kenne Roman Hanhart und damit den Urheber von Yodas Blog (bisher) nur aus dem Internet.
Mich berührt immer wieder die Vielfalt seiner Themen, und ich habe grosse Achtung vor seiner Ernsthaftigkeit vor allem Menschlichen und seinem Wissen in so manchem IT-Fachgebiet.
Uns verbindet ein tiefer menschlicher gegenseitiger Respekt, den wir wohl beide nicht so genau erklären können. Ist auch nicht nötig. Wir pflegen ihn stattdessen lieber einfach weiter.
Und jetzt beginnt er doch tatsächlich, mit eigenen Stöckchen zu werfen. Eine absolute Unsitte unter Bloggern, wie er selber gleich bemerkt. Dennoch hat er mich damit erwischt. Ich kann ihm einfach schlecht etwas abschlagen. Vor allem, weil er sich Fragen ausgedacht hat,
„bei deren Beantwortung etwas mehr vom Menschen zu spüren ist, als bei den bisherigen Dingern, die meiner Meinung nach oft etwas oberflächlich sind. Ich will hoffen, dass mir dies wenigstens ansatzweise gelungen ist“,
wie er sagt.
Nun, das lasse ich gleich andere beurteilen:
Erzähl uns etwas darüber, womit Du die meiste Zeit im Leben verbringst?
Mit Reden oder Schreiben, hoffentlich auch wieder mehr mit Zuhören und Lesen. Es wird mir gerade bewusst, wie ausgeprägt sprachlicher Ausdruck schon immer mein Leben bestimmt hat – und wie viel Dampf dafür in die Luft ging, diese an sich ausgeprägte Lust und Freude in Geschäfts-Mails, Offerten oder sonstige Business-Postillen einfliessen zu lassen.
Allerdings ist damit jetzt weitgehend Schluss, denn es war eben keine Freude mehr in dieser Tätigkeit.
Gerne würde ich hier auch Spazieren, Sport treiben nennen. Aber beides rangiert wohl noch hinter Sport fernsehen…
Welchen Stellenwert nimmt in diesem Kontext Dein Blog ein?
Das Blog hat mich mir selbst näher gebracht und mir deutlich gemacht, wie wichtig das Schreiben für mich ist. Lebenswichtig.
Mit einem Mal habe ich einen Ort zur Verfügung, der mich zum Schreiben einlädt, ja mich dazu auffordert. Und meist ist das nicht Stress oder Mühsal, sondern Labsal, Freude, Teil des Tagwerks, das mir Frieden schenkt.
Erst seit dem Start dieses Projekts, seit Oktober 2004, habe ich auch die Möglichkeit, mit einmal Geschriebenem weiter „zusammen zu leben“. Zuvor ist mir das nie gelungen und alles, was älter ist, existiert nur noch in meiner Erinnerung – weil ich es fort geschmissen habe.
Würdest Du auch bloggen, wenn Deine Inhalte von niemandem gelesen würden?
Eine hinterhältige Frage. Aber die grösste Gefahr für das eigene Blog ist tatsächlich der eigene Gedanke nach der Zahl seiner Leser.
Schreiben muss auch im Blog immer erst ein Dialog mit sich selbst sein, egal ob Geplauder oder ernsthaftes Gespräch. Denn nur meine eigene Anwesenheit ist mir garantiert. Alles andere sind Besucher, die kommen und gehen können, wie es ihnen beliebt.
Ein kleines, nicht sehr bekanntes Blog kann auch eine Gnade sein: Es bleibt tatsächlich ein privates Projekt und mein eigenes Kleinod (im Idealfall, wenn da eine Beziehung entsteht). Eine Art subversive Eigenständigkeit zu behalten, auch wenn die Leserschaft steigt, kann genau so schwierig sein wie das Dabeibleiben, wenn man mehr oder weniger für sich bleibt. Kommentare zu erhalten, ist schön. Aber stilles Mitlesen ist nicht weniger wert.
Spielt Geld eine Rolle, wenn Du Deinen Blog pflegst? Wenn ja, welche und falls nicht, weshalb?
Nein. Überhaupt nicht. Ich kann mit Bloggen kein Geld verdienen. Aber natürlich wünsche ich mir, dass meine Texte gefallen – und vielleicht einmal jemand auf mich aufmerksam wird, wenn ich mal meinen eigenen Stil und meine Themen noch besser gefunden habe.
Verbesserst Du unsere Welt mit dem, was Du in Deinem Blog schreibst?
Meine Bloggerei ist schon häufiger das Werk eines Gutmenschen genannt worden. Das ist ein Ausdruck, den ich hasse und dessen Gebrauch mich traurig macht. Denn so wie er in unserer Gesellschaft verwendet wird, demaskiert er unser soziales Zusammenleben in dessen ganzer Armut.
Es ist nicht falsch, das Gute für die Menschen zu wollen, und schon gar nicht lächerlich.
Aber nein, ich will nicht die Welt verbessern. Ich möchte mich bessern. Ich möchte erfolgreich sein in meinem Menschsein. Ich möchte mich wohl fühlen in meiner Haut und in meinen Gedanken. Ich möchte mit wachem und positivem Geist in mich hinein hören und mich von mir und meinen Mitmenschen überraschen lassen.
Und ich möchte lernen, wie die Tiere dem Leben recht zu geben. Es ist für mich ein Phänomen, dass es der Esel sehr viel leichter hat, ein Esel zu sein, während ich das Gefühl nicht los werde, dass ich erst wieder lernen muss, ein Mensch zu werden. Wenn es mir gelingt, in dieser Art zu leben, dann gewinne ich Zufriedenheit. Und die mag dann auch gegen aussen wirken.
Dabei reicht es schon, wenn mein Dankeschön jene Menschen erreicht, die erfahren sollen, wie sehr sie mir Lehrer sind in ihrer Freundschaft, mit der sie immer wieder ein Lächeln für meine Schwächen finden.
Wie lange möchtest Du noch bloggen?
Solange ich den Impuls verspüre, zu schreiben. Das einzige, was mich vom Bloggen also abhalten dürfte, wäre ein Buchprojekt – das nicht in Sicht ist. Aber ich weiss eines: Ohne das tägliche Schreiben lebe ich nicht mein Leben. Ob sich dies immer in einem Blog niederschlagen wird, das vermag ich nicht zu sagen. Es gibt keine Garantien. Aber immer wieder ein leeres Stück Papier…
Erbringst Du innerhalb oder ausserhalb der Blogosphäre ein soziales Engagement für unsere Gesellschaft?
Hier gilt der Grundsatz: Tue Gutes, und sprich nicht darüber. Denn (noch) ist da nichts, für das ich Geld sammeln würde.
Was bedeutet für Dich der Beginn eines neuen Tages?
Die sinnliche Erfahrung, dass jedes Aufstehen neue Möglichkeiten bringt. Ich kann den Tag verschlafen, und er mag mir dadurch nur etwas Erholung gönnen. Ich kann ihn im Wald beginnen, und er mag mir dabei ein Versprechen geben: Es gibt den neuen Gedanken, der Altes wieder bringt, es gibt die Freude, dass Weisheit in mir wohnt, es gibt die Gewissheit, dass ich neu scheitern darf, wenn ich es nur immer wieder versuche: Das Leben. Denn es entsteht ständig neu, lebt sich mir vor und wandelt auch meinen Verfall in neues Leben um.
Es muss sich für mich nichts neu erfinden, aber alles kann sich bestätigen. Ich kann es schaffen, in einer gewissen Sicherheit älter zu werden.
Was nimmst Du wahr, wenn Du Dich im Wald aufhältst?
Das in Streifen geschnittene Licht. Die Klarheit der Geräusche. Den Teppich des Laubes. Den Moder, aus dem neues Leben wächst. Die unzähligen Farben in grün. Den einzigen Ort, an dem selbst dem unverbesserlichsten Zivilisten die Begegnung mit einem Auto absurd erscheinen kann.
Was denkst Du über Dein eigenes Sterben?
Ich möchte es bewusst erleben. Ich möchte dabei die Angst in die Hände aller jener legen, die vor mir den gleichen Weg gegangen sind. Ich fürchte den Abschiedsschmerz jener, die mich vielleicht nicht gehen lassen wollen genau so wie die nicht so unwahrscheinliche Möglichkeit, dass da niemand von mir Abschied nehmen wird.
Ich möchte angesichts der Loslösung von aller irdischen Schwere und der Eröffnung unendlicher tragender Tiefe eine Ahnung haben, dass so mancher Gedanke als erscheinende Gewissheit vertraut werden wird – und ich möchte auch vorbereitet sein auf die bis zuletzt vielleicht nicht ganz weichende Unsicherheit, in die ich mich doch fallen lassen muss, um zu erfahren, ob ich getragen werde.
Der Dalai Lama lehrt mit seinem Vorbild, dass das eigene Leben bereichert wird durch die Meditation über den Tod. Wie recht er doch hat!
***
Und jetzt müsste ich also diese Aufforderung an andere weiter leiten, eben das Stöckchen werfen. Mache ich nicht. Freue mich einfach, wenn es jemand hier auflesen würde und weiter trüge. Oder mir berichtet, im Vertrauen, wie er selbst auf das eine oder andere antworten würde. Und ich danke meinen Freunden, die solche Fragen sowieso mit mir zusammen bereden oder beschweigen. Und ich danke Dir, Roman, für diese Gelegenheit an dieser Stelle.
