Wir brauchen es scheinbar billig.
Ich bin ein gesellschaftlich, sozial und politisch interessierter Mensch. Und ich führe ein Blog, das sich mit solchen Themen beschäftigt. Manchmal, scheint mir, täte es mir besser, ich würde nicht bloggen. Dann fiele es mir vielleicht leichter, einfach mal Augen und Ohren zuzumachen. Lebte es sich so nicht einfacher?
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Ich kann ja nicht sagen, dass ich ein wirtschaftlich so geschulter Mensch wäre, dass ich wirklich verstünde, wie man unser Wirtschaftssystem besser gestalten würde – wie man vor allem dahin käme, es entsprechend zu verändern. Aber ich stelle angesichts des neuesten Zinsentscheids der EZB für noch billigeres Geld einfach fest, dass sich die Parameter, nach denen die wirtschaftlichen Systeme weltweit funktionieren, massiv verändert haben – und dass sich diese Veränderung laufend fortsetzt – mit höchst ungewissen Folgen für uns alle:
Die Staaten haben kaum mehr Hemmungen, weiter Schulden zu machen – und nur schon um deren Schuldzinsen zu bedienen und die private Finanzierung unserer Hypotheken nicht zu gefährden, kann sie womöglich gar nicht anders. Und so leben wir immer mehr in einer Welt, in der wir mit finanzpolitischen Systemen das Abbild der Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaften so zwischen Deflation und Inflation einzudämmen versuchen, dass sich die Zinsspirale in keinem Fall zu drehen beginnt:
Diejenigen, die schon kurzfristig bei einem Kurswechsel in der Zinsentwicklung ins Rudern kämen, bestimmen über jene, die private und berufliche Vorsorge ernst genommen haben: Unsere Renten und die zusätzlichen Pensionskassengelder sind angesichts der gleichen Entwicklung gefährdet, denn die Pensionskassen sind mit diesem Zinsniveau gar nicht in der Lage, die notwendigen Anlagerenditen zu erzielen, um die Verzinsung der Sparkapitalien der Versicherten sicherzustellen. Über kurz oder lang werden hohe Schulden und niedrige Zinsen ein Problem schaffen, das uns im Würgegriff hält, wenn es nicht schon der Fall ist. Das bedeutet dann, dass, wenn das Pendel irgendwann doch auf die andere Seite ausschlägt, grosse Teile der Wirtschaft und ihrer Teilnehmer ins Rutschen kommen.
Es wäre mal interessant, zu erheben, wie gross die relative Verteuerung der Hypotheken heute ausfallen dürfte, ohne dass es, sagen wir mal zehn Prozent der Wohnungsbesitzer nicht mehr möglich wäre, die Zinsen zu leisten. ich bin überzeugt, dass dieser kritische Gap bestimmt nicht höher ist als vor fünfzehn Jahren – dass er aber bei den heute so tiefen Zinsen bei einem Ende des billigen Geldes sehr viel schneller erreicht wäre.
Manchmal sitze ich da und mag mir unsere Welt in zwanzig Jahren gar nicht vorstellen. Von der Umwelt ganz zu schweigen. Ihre Bedrohung ist doch längst kein Thema mehr. Zumindest auch nicht ansatzweise so sehr, wie es uns als junge Menschen vor dreissig Jahren beschäftigt hat.
Mir ist einfach bange. Nicht um mich. Aber um und für die Kinder meiner Freunde.
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