Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Vom Reim und der Schönheit

∞  19 Februar 2013, 11:10

istockphoto.com/axllll: “Womans Eye”



Was ist Schönheit in einer Zeit, in der ein Gedicht nicht mehr aus Reimen bestehen kann?

Warum eigentlich? Wir misstrauen dem Reim. Wer reimt, unterwirft sich und seinen Inhalt einer Form, reduziert die Ausdrucksweise, hüllt die Realität in einen verklärenden Regenbogen ein? Rilke wäre heute nicht mehr möglich.

Schönheit ist wandelbar, vielleicht sogar austauschbar, weil wir das Schöne vereinnahmen wollen. Wir möchten es besitzen.
Es ist nie einfach mehr ein Glück, der Schönheit zu begegnen. Wir beschreiben sie nicht mehr, wie ein Erzähler, der ihr begegnet ist und seine Freude mit anderen teilen will.

Wir definieren sie und reproduzieren, was wir dafür halten. Wir verwechseln Schönheit mit Gleichmässigkeit, reden vom absolut symmetirschen Gesicht, das in schöner Langeweile maskenhaft erstickt. Das Schönheitsideal wird Design.

Wir konstruieren aus unserem Baukasten eine perfekte Durchschnittlichkeit, und wehe, es lässt sich darauf ein Patent erwerben.

Wer gegen diese Luftleere anschreibt oder gegen wirkliche Skandale, die keiner mehr wahrnimmt, der dichtet nicht. Es werden dafür Streitschriften “Gedicht” genannt, und dabei werden immerhin Sätze gruppiert. Als würden wir sie damit besser verstehen…

Vielleicht sollte man wieder daran glauben: Dass ein Satz, der sich in eine Form giessen lässt, die ihn fliessen lässt, sich nach der Schmeichelei des Wohlgenusses in Klang und Rhythmus nicht auflöst, sondern aufrührerisch rebellisch das Herz anrührt und lebendig bleibt:

Weil wir im Grunde noch immer das eine wollen: Mit schönen Dingen leben und uns von ihnen berühren lassen, auch und gerade, wenn wir selbst ihnen nicht näher kommen können als der staunende Betrachter.