Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Vernetzt oder bald abgehängt?

∞  12 April 2012, 17:54

Es war der letzte Donnerstag. Ich hatte plötzlich keine Internet-Verbindung mehr, obwohl Routern und Modem Verbindung signalisierten. Also rief ich bei der Hotline der Kabelgesellschaft an.

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Ich bekam sofort einen Berater an die Strippe, keine Warteschleife, nichts. Der Berater stellte auch gleich fest, dass mein Modem keine IP-Zuordnung mehr hätte – und spielte mir diese wieder auf. Tatsächlich: Internet tat wieder, alles in Ordnung.

Zwei Stunden später hätte ich gerne telefoniert. Doch ich bekam kein Freizeichen. Die Leitung war tot. Ich rufe also wieder bei der Hotline an. Warteschlaufe. Eine Stunde später neuer Versuch. Ich bin ja geduldig, und mal für eine Stunde sicher keinen Kundenkontakt haben und nichts dafür können, das kann durchaus mal therapeutisch wertvoll sein. Wobei ich natürlich die besten Kunden der Welt habe.

Nun, ich schweife ab. Die nun mit mir verbundene Kundenberaterin sagt mir, dass mein Telefon tatsächlich abgestellt wäre und es auch nicht wieder frei geschaltet werden könne: Ich bekäme ein neues Modem, der Auftrag wäre ausgelöst, und wenn dann das da wäre, müsste ich es innert 24 Stunden installieren, weil dann auch das Internet auf das neue Modem umgestellt werde. Ob ich denn kein Schreiben bekommen hätte? Kein Schreiben. Stattdessen bei mir grosse Verwunderung, eine solche Übung am Gründonnerstag vor Ostern zu lancieren – und, da das Modem offensichtlich nicht unterwegs war, noch nicht, zu garantieren, dass ich über die Feiertage ohne Telefon sein würde.

Als ich am Dienstag noch immer kein Modem hatte, neuer Anfruf bei der Hotline oder Helpline oder Hurraline. Jetzt heisst es, das Telefon müsse funktionieren, es wäre keine Störung zu erkennen. Was schlicht falsch ist. Weiter ist tatsächlich ein Auftrag ausgelöst, aber die Dame kann mir nicht sagen, wo das Modem zur Zeit steckt, ob es unterwegs ist oder nicht. Es bleibt nur warten.

Am Mittoch ist, nein wäre es gekommen. Während ich auswärtige Termine wahrnahm, so dass ich es nun am Donnerstag mit Abholschein auf der Post am Schalter holen konnte. Ich bin ja vorbereitet worden:
Ich muss nun also innert 24 Stunden das Kabelmodem auswechseln, den Router neu programmieren, werde durch eine Installationsroutinge geführt und freundlich darauf hingewiesen, dass ich dabei die Installions-CD des nicht bei der Kabelgeselslchaft gekaufen Routers brauchen werde. Nun, die habe ich gefunden.
Ich werde also, da wir jetzt das I-Net auf jeden Fall noch brauchen, irgendwann in der Nacht damit beginnen, die Geräte auszutauschen und hoffe, das funktioniert dann auch. Auf meinem Computer ist per DVD nun eine Menge Datenmaterial und Software überspielt – dabei will ich nur, dass alles weiter so funktioniert wie bisher.

An persönlicher Information liegt mir weiter gar nichts vor. Auch kein Schreiben im Paket, nur ein Lieferschein, und ein Manuar, ausführlich in Buchform und per Faltblatt für alle möglichen Installationsvarianten der Gesellschaft, von der TV-Media-Box bis zu Phone-Internet-Routinen.

Ich sitze da und wünsche mir, die ganze Sache wäre schon gelaufen und würde dann auch funktionieren. Und ich bin ja einigermassen fit für solche Übungen. Aber es ist schlicht eine Situation, die ich in keiner Weise gesucht habe, ein fait accompli, mit dem ich einfach umgehen muss.
Und einmal mehr frage ich mich mit Sorge, wie es mir in zwanzig Jahren gehen wird, wenn solche Vorgänge wahrscheinlich immer häufiger einem einfach aufs Auge gedrückt werden – und die Scheu vor Neuerungen und Installationen von Dingen, die man nicht wirklich versteht, doch viel grösser ist?

Ich sitze da als Kunde, von dem in der Hotline von einer ausländischen Servicestelle aus meine Nummer erfragt wird – und genau so fühle ich mich.

Was für eine unpersönliche und tendenziell bedrängende Situation. Wahrscheinlich tröstet nur eines: In zwanzig Jahren wird die Aussicht, vielleicht nächstens ohne Internet zu sein, mich vielleicht nicht stressen können – weil mich nichts mehr bedrängen kann, das sich vor mir künstlich wichtig macht.

Ich arbeite daran.