Sport ist Geschäft: Das Beispiel Startnummer
Sport ist in. Ein gesellschaftliches Grossereignis, neudeutsch ein Event, ist – natürlich – das alpine Abfahrtsrennen der Männer auf der Streif in Kitzbühel.
Manchmal frage ich mich, wie es für die so genannten Promis wohl sein muss, so mitten in der Hatz, um an den richtigen Orten richtig gesehen zu werden? Verliert man da am Ende nicht nur die Bodenhaftung sondern auch jedes Gefühl dafür, was das sein könnte?
Dabei ist es teilweise ja richtig absurd, welche Berühmtheiten sich im Mikrokosmos einer lokalen Schickimicki-Szene im Gespräch zu halten vermögen, während andere ihren Beachtungsgrad fast ebenso schnell schwinden sehen wie die flugs sich ausdünnenden Prickelbläschen im warmen Champagner-Glas.
Sport ist Business, genauer Show-Business, muss finanziert werden und mehr als das. Längst soll Geld damit verdient werden. Das führt dazu, dass scheinbar zweckmässige Einrichtungen wie z.B. Startnummern heute die Werbeindustrie nur noch stören. Deshalb werden sie immer kleiner. Wann haben Sie z.B. zum letzten Mal in einem Formel-1-Rennen einen Fahrer anhand seiner Startnummer erkennen können? Aber dafür haben wir die Kommentatoren, die wissen, welcher Fahrer einen gelben Helm oder rote Rückspiegel spazieren fährt.
Was der Formel 1 recht ist, kann dem alpinen Skisport nur billig sein. Also trugen heute die Fahrer nicht mehr eigentliche Startnummern, sondern ein grafisches Gesamtkunstwerk eines Flügel verleihenden Sponsors, und ich habe tatsächlich nur etwa bis Fahrer Nr. zehn (an der Hand abgezählt) gebraucht, um entziffern zu können, dass der Gag darin besteht, die Startnummer zu personalisieren, nicht etwa die „stiere“ Werbung zu optimieren: Es prangt nun der Name des Athleten in unruhigen oder schmalen Lettern auf Brust oder Bauchnabel (wehe, der Name ist etwas lang…) und die Startnummer oberhalb der Hüfte – links oder rechts der Bauchmuskeln und unter dem Ellbogen, wo sie leider kaum je zu lesen ist.
Ach ja, übrigens, Didier Cuche hat heute auf der Streif gewonnen, und das Geburtstagskind von heute, der Amerikaner Scott Macartney wird, wie wir alle hoffen, zukünftig noch mehr Gund haben, seinen Geburtstag mit besonderer Dankbarkeit zu feiern (er soll aus dem künstlichen Koma erwacht sein). Beiden dürften meine Beobachtungen über so was Lapidares wie Startnummern herzlich egal sein.
