Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Schwingen: Helden wie Stucki Christian

∞  11 September 2013, 21:59

Ja, der Artikel kommt spät, das zu Grunde liegende Ereignis ist schon mehr als eine Woche her. Normalerweise eine Ewigkeit, die den Text direkt ins gähnende virtuelle Nirwana befördern könnte – und doch geht es dabei um einen Typen und einen Typus Mensch, der nachhaltig nachdrücklich, also zeitlos Bedeutung haben sollte: Einen Wettkämpfer, der nicht gewonnen hat und doch ein Sieger ist. Und dem man nacheifern möchte.

Burgdorf. Sonntag, 1. September: Matthias Sempach wird neuer Schwingerkönig. Ein Titel, der nur alle drei Jahre verliehen wird und im so äusserst populären Schwingsport – über 50’000 Zuschauer füllten die extra dafür errichtete Arena bis auf den letzten Platz – so etwas wie den Olympiasieg darstellt. Den Königstitel eben. Sempach ist ein Modellathlet, der total austrainiert wirkt. Der Gegner, den er als letzten besiegt, ist ein Hüne, dem das gesunde Leben so ganz ohne Genuss nicht so richtig Spass machen will. Er ist schwerer, aber auch massiger und hat nicht nur Muskeln um die Rippen. Vor allem aber haben Beide eines: Die Kultur einer Gegnerschaft, die Freundschaften nicht ausschliesst. Der Schwingsport breitet sich aus, im Kern bleibt er familiär, vor allem im Berner Verband, wo sich die Schwinger teilweise über Jahrzehnte begleiten.

Der Zufall wollte es, dass ich just ein Jahr zuvor auf eine spezielle Einladung hin erstmals Gast an einem Schwingfest war: Am Schwägalpschwinget unter dem Säntis, einem sehr traditionellen und speziell stimmungsvollen Anlass in einer Bergarena, auch sie speziell für den Anlass jeweils erbaut. Auch da stand Sempach im Schlussgang, den er aber verlor. Ich habe mich dabei, da glücklicherweise in gar nicht so schlechter Zuschauerposition, aufs Fotografieren konzentriert. Und es ist, irgendwie, nicht überraschend, dass mir auch da, als Nobody, ein anderer Schwinger speziell auffiel, der an diesem Tag mit der Entscheidung am Ende nichts zu tun hatte:

Stucki Christian. Sein Markenzeichen: Er tritt immer in einem bordeaux-roten Hemd an, und er ist, eben, immer der Bär, der diese spezielle Gestik besitzt, die den Gegner im Sägemehl immer den Kollegen bleiben lässt.

An diesem vorletzten Sonntag bleibt Stucki auch als Unterlegener nach der Entscheidung in Erinnerung: Weil die Art, wie er seine Niederlage in Anerkennung und Zufriedenheit über die eigene Leistung umwandelte und zum Ausdruck brachte, beeindruckend und äusserst sympathisch war. Auch das Schweizer Fernsehen, das über den Schwingsport traditionell schon immer recht intensiv berichtet hat, hat diese Momente mit intensiven Bildern verewigt:

Rückblick auf denSchlussgang am Schwingfest

Vielleicht finden wir alle ja ein Stück weit zurück zu jener Kultur, die nach dem sportlichen Wettkampf nicht nur vom Ersten spricht, sondern auch von jenen Niederlagen, die ebenso Siege sind, von Gegnern, die dem Wettkampf, dem spielerischen Streiten den eigentlichen Sinn geben – und der liegt für alle ausser einem schlussendlich darin, zu akzeptieren, dass es Bessere gab. Heute. Vielleicht auch morgen. Aber “besser” werden können wir immer. In vielfältigster Weise.

Vorgeführt von Männern, denen niemand nachsagen muss, sie wären Weicheier. Auch das macht es speziell.

Wie “gut” dieser Stucki Christian ist, können Sie auch der eigenen Bildserie entnehmen, die ich von ihm heute auf Lookabout veröffentlicht habe – um meinen Hut zu ziehen vor dieser Figur, die mich inspiriert und äusserst zufrieden macht. Und er ist wirklich verd… gut. Ich würde gerne mal so Zweiter werden…

Ein Click aufs Bild macht es grösser. Und hier geht es zur Bildserie auf Lookabout:
Schwingen: Stucki Christian. Eine Ehrung