Mein Schreiben. Täglich.

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Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Schweizer Fussball und Schweizer Fernsehen

∞  2 Februar 2012, 16:56

Diese Woche in der täglichen Sportsendung: Das öffentlich rechtliche Schweizer Farbfernsehen stimmt in einer fünfundzwanzigminütigen Sendung auf die Rückrunde der Schweizer Axpo Super League ein, die hiesige Fussballmeisterschaft.

Im Studio unterhalten sich Rainer Maria Salzgeber und Hanspeter Latour anhand eines höchst originellen Einfalls, indem sie jeweils darum würfeln, wer die nächste Themenkarte vom Stapel ziehen darf.

Präsentiert bekommt man dann zu einigen Themen Filmbeiträge, welche der regelmässige Zuschauer von Sportsendungen schon Tage zuvor vorgesetzt bekam.
Allerdings passt die Art der Berichterstattung und die hochoriginelle Moderation im Studio durchaus zum sich öffnenden Panoptikum der Kuriositäten einer echten Gurkenliga:

Der FC Sion startet mit -5 Punkten in die Rückrunde – nach dem Abzug von 36 Punkten wegen Spieler-Lizenzverstössen. Der FC Neuchâtel Xamax findet nur noch vor dem Konkursrichter statt, was den FC Lausanne Sports freut: Die sympathische aber auch für die Schweizer Top-Liga zu schwach besetzte Mannschaft hat plötzlich keine Abstiegssorgen mehr. Servette Genf sagt man grosse Finanzprobleme nach.

Der FC Zürich spielt derweil in der Rückrunde ohne fünf Leistungsträger weiter, es hat mit ihnen ja auch nicht funktioniert. Zum FC Luzern fällt dem SF vor allem Yakin ein, und nie war Yakin der Jüngere so wertvoll, wie jetzt, wo er sich weg transferieren liess – in die zweite Liga zu Bellinzona. Dort wird er Botschafter fürs Tessin, ohne ein Wort italienisch zu sprechen. Natürlich wird bei der Gelegenheit auch wieder mal Mutter Ermine ins Bild gerückt, ohne die bei den Yakins gar nichts geht, und beim Schweizer Fernsehen offenbar auch nicht.

Christian Gross präsentiert Verstärkungen für den BSC Young Boys. Raul Bobadilla ist der Knüller und birngt die Torgefahr nach Bern, die sie in Mönchengladbach an ihm vermisst haben. Dafür will Gross mit den Jung-Nationalspielern Affolter und Scott Sutter nicht mehr arbeiten. Der eine wird bei Werder Bremen vielleicht glücklicher, der andere bei Blackburn zumindest nicht unglücklicher, sofern er jetzt unterschrieben hat…

Und über allen thront der FC Basel, der sich selbst auch bei dieser Konkurrenz den Verkauf seiner Jungstars Shaqiri und Xhaka quasi selbst verbietet – und damit rund 25 Mio CHF Einnahmen riskiert – für die minimale Aussicht, mit den beiden Spielern eine 5-Prozent-Chance gegen Bayern München im Champions League – Achtelfinal zu haben – statt nur 0.5%.

Im Ernst: Die Schweizer Liga bekommt die Berichterstattung, die sie verdient, und der Spitzenfussball riskiert jeden Goodwill, den er sich mit den neuen Stadien in Thun, Bern, Luzern, St. Gallen, und Neuenburg erarbeitet hatte. Mit etwas Pech, das auch nicht gänzlich unverschuldet wäre, stehen uns noch neue Zuschauerausschreitungen bevor. Dann werden die Spiele irgendwann nur noch nachts angepfiffen. Bei ausgeschaltetem Flutlicht. Trotz oder gerade wegen dem Hauptsponsor Axpo.

Nachträge von 21h30: Scott Suters Transfer zu Blackburn hat sich zerschlagen. Er wird bei den Young Boys weiter trainieren.

Und eine Geschichte zu diesem Artikel steuert eigentlich auch der Grasshoppers Club bei, sagen böse Zunen auf jeden Fall schon jetzt: Trainer Sforza reaktiviert seinen Ex-Intimfeind, der ihn aus der Nationalmannschaft geekelt hatte, und macht ihn, Johann Vogel, zum Kapitän seiner Mannschaft. So kehrt Vogel drei (!) Jahre nach der Beendigung seiner schon länger zuvor ins Stocken geratenen Karriere auf den Fussballplatz einer “Top”-Liga zurück…