Mein Schreiben. Täglich.
Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.
Mir fällt das oft selbst schwer genug...
schreiben, debattieren, schreien, nachlesen, fragen, nachdenken
∞ 8 Juli 2009, 20:35
Blogger sind – in aller Regel – schnelle Schreiber. Und leidenschaftliche Debattierer. Oft sind die rhetorischen Keulenschwünge atemberaubend, und es ist durchaus eine Lust, in diesen Blogs zu lesen. Artikel wie Kommentar-Threads kringeln sich leider nur allzu oft wie der Schwanz einer Katze, die sich am Ende in dessen Spitze fest beisst.
Die Menschen hören einander nicht zu
Warum? Die Menschen hören einander nicht zu. Sie schreiben an einander vorbei und gleichen Pfauen, die sich neben einander aufstellen und nur ein Ziel haben: Das grössere Rad zu schlagen.
Mir selbst geschieht das in gesellschaftlichen und politischen Fragen sehr viel schneller, als wenn ich über spirituelle, philosophische Themen oder, etwas weniger abgehoben formuliert, über Lebensfragen schreibe.
Die grösste Veränderung geht immer von mir selber aus
Woran das liegen mag? Vielleicht ist es nicht gerade leicht, Missstände, die man selbst glaubt erkannt zu haben, aufzuzeigen oder gar anzuprangern, wenn man doch eh befürchten muss, ja im Grunde weiss, dass sich nichts ändert? Da sich doch alles ändern kann, lohnt sich aber das Schreien und Plustern vielleicht doch? Dabei sollte ich mir bewusst machen, dass auch da die grösste Veränderung von mir selbst ausgeht: Jene Nuancen oder gar Wendungen, die ich durch Zuhören (Zulesen) und Nachdenken meiner Meinung hinzufügen kann, wirken sich direkt bei mir aus. Dies kann ich beeinflussen, bei mir selbst habe ich, hoffentlich, Einfluss.
In Lebensfragen scheint es sehr viel natürlicher, auch mal einfach eine Frage in den Raum zu stellen, statt einer Behauptung. Genau so, wie ich wohl nie am Grund aller Wahrheiten ankommen werde, nicht in diesem Leben, so kann ich zuerst mich selbst überzeugen und überprüfen. Und damit bleibt mir nichts anderes übrig, als genau dies auch allen anderen zuzubilligen. Sie können mich anhören, es bedenken oder verlachen. Den eigenen Weg aber bestimmen sie. Jenseits aller Tribute, die sie der Gesellschaft schuldig sind. Das Leben ist eine Entdeckungsreise, die nie zu Ende geht. Aber es kann eine unermesslich tiefe Ruhe gewinnen und sich erfüllen. Dazu braucht es allerdings wohl nicht so sehr Argumente, wie vielmehr eine Stimmung, in der Platz geschaffen wird für das, was aus allen unseren Erfahrungen folgen kann: Mehr Erdung. Es kommt mir so vor, dass Schreiben darüber sich nicht so sehr mit dem als richtig beanspruchten Weg beschäftigen sollte. Es geht eigentlich mehr darum, unter müden Wanderern unterwegs immer wieder die Konzentration und Ausrichtung auf das Ziel zu erneuern, einander zu ermuntern, auch mal zu schütteln, und immer wieder die nächste Frage zu stellen, für die noch keine Antwort gefunden ist. Und an einem solchen Punkt stehen wir wohl alle. Es gibt nur Unterschiede darin, wie sehr uns das bewusst ist. Oder eben nicht.
Carl Gustav Jung zum Thema:Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.

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