Roger Federer: Wir Fans und seine Niederlagen
Roger Federer müht sich, kämpft sich durch die grösste Krise seiner Karriere, seit er sich an die Spitzen der Ranglisten gespielt hat. Immer wieder hat er selbst und haben andere betont, wie sehr er dieses Spiel liebt. Gerade jetzt beweist er, indem er diesen Kampf und die Herausforderung annimmt, wie sehr das stimmt.
Wahrscheinlich wird es so sein, dass auch ganz zum Ende seiner Karriere die Meinungen darüber, ob er dabei erfolgreich ist, oder nicht, weit auseinander gehen. Was ist denn “Erfolg” für jemanden, der alles gewonnen hat und nun langsam das Alter spürt, bald “nur” noch die Nummer sieben der Welt ist?
Man kann tausende von Kommentaren lesen, die ihm das Ende der Karriere nahe legen und die glauben, dass es nur noch einen Weg in seinem Spiel geben wird: Abwärts.
Und immer wieder frage ich mich, was dieses Theater soll, was das für ein Gift ist, das es einem Spieler auch und gerade mit diesen Meriten nicht erlauben soll, einen Viertelfinal zu verlieren und danach die Leistung des Gegners zu anerkennen – und doch weiter spielen zu wollen? Und wehe, man lässt den Gedanken zu und der Spieler, der Held, verliert weiter. Schon heisst es, dass er womöglich den Biss nicht mehr hat, den es braucht.
Es ist unglaublich, wie Sportzuschauer auf Sportgrössen Bilder projizieren, die enorm viel mit eigenem Frust zu tun haben müssen. Wie kann man sich im Ernst wünschen, dass dieser Mann den Schläger schon in die Ecke legt und aufhört? Sein Spiel ist wunderbar, seine Bewegungen sind geschmeidig, seine Ausstrahlung ist einzigartig, sein Benehmen vorbildlich – und sein Wille, den Menschen etwas von dem Glück zurück zu geben, das er erlebt, sehr gross.
Wir sollten ihn feiern und dabei unsern Hintern auf die Zeitungen setzen, die über ihn negativ schreiben. Ich weiss nicht, ob es je einen Mann gegeben hat, der für seinen Sport ein so grosser Glücksfall war und ist, wie sich dies für Roger Federer sagen lässt. Sein Marktwert ist enorm, und Veranstalter müssen tief in die Taschen greifen, dass Federer antritt. Aber da kommt auch eine Menge zurück. Sein Verständnis für die Bedürfnisse von Sponsoren und Veranstaltern und seine Freude an Events mit Kindern sind komplett unaufgesetzt und natürlich. Für ihn sind die Dinge des Alltagskrams selbstverständlich geblieben, die uns normal Sterblichen ebenfalls täglich beschäftigen.
Wer bei den heutigen Belastungen im Tennis seine Bedürfnisse für eine erfolgreiche Karriere so gut mit den Ansprüchen der Öffentlichkeit und der Veranstalter zu koordinieren weiss, verfügt über ein hervorragendes Management und sehr viel eigenen Sinn für das Machbare und Wichtige in seinem Beruf. Federer hat durch das Tennis enorm viel Status erlangt, aber er ist sich bewusst, wo dieser herkommt und gibt zurück. In einer äusserst überzeugenden Art und Weise. Er ist Botschafter für seinen Sport, für die Schweiz und für jene Art bescheidene Menschlichkeit, die erfolgreiche Menschen in unzähligen Berufen sehr schnell verlieren.
Bitte, Roger Federer, tun Sie einfach, was Ihnen Freude macht, was Sie reizt – und wir werden auch immer neue Beispiele dafür erhalten, wie lohnend es sein kann, auf sich selbst zu hören und jene, die um die eigenen Prioritäten wissen und mithelfen, dass ihnen nachgelebt werden kann. RF ist tatsächlich eine Marke.
Maestro: Mir sind Sie ein Vorbild. Und dabei geht es herzlich wenig darum, wie gut ich irgend einen Ball treffe.
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Texte über Roger Federer bei Thinkabout
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