Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Ratschläger sind manchmal Tiefschläger

∞  18 März 2010, 23:45

Den liebsten Menschen die man kennt, wünscht man das Allerbeste. Also hat man manchmal auch Ratschläge feil zu bieten. Und es mag auch eine grundsätzliche Übereinkunft zwischen Freunden geben, dass Ratgeber und Ratsucher grundsätzlich ganz kompatibel sind – oder es gerne wären. Nur, in der Realität muss das nicht funktionieren. Es ist für mich immer wieder interessant, zu erleben, dass der Groschen bei mir oder anderen oft dann fällt, wenn und wo man es nicht unbedingt erwarten würde.
Einer der Gründe könnte sein, dass wir an diesen Menschen selbst zu nahe dran sind. Eine gute Freundin sagte mir kürzlich:

Ratschläge sind auch Schläge.

Da kann was dran sein: Wir bestimmen allein und selbst, welche Positon wir zu unseren Problemen einnehmen. Vielleicht sind wir in unseren Haltungen und Stimmungen gefangen – und gar nicht so selten blocken wir Hilfe gerade aus jenen Quellen ab, von denen wir annehmen, dass sie eh alles besser im Griff hätten, wobei wir uns darüber dann wohl mindestens so sehr täuschen wie über die Unvermeidlichkeit und Unlösbarkeit unserer eigenen Probleme.
Es liegt durchaus eine Logik darin, dass ein Ausspruch eines “Fremden” unter Umständen viel eher zu mir durchdringt als der gut gemeinte Rat eines Freundes, dessen Zuneigung mich in meiner fehlenden Selbstliebe eh gerade noch mehr bestätigt, statt mich da raus zu holen. Höre ich aber einen Spruch von einer “neutralen” Person, die ganz augenscheinlich nichts Besonderes von mir will, so glaube ich vielleicht viel eher daran, eine Wahrheit zu vernehmen, die es tatsächlich auch für mich zu prüfen gälte.

Sind also Freunde in solchen Phasen eher störend? Nein. Sie bereiten vielleicht das Terrain vor, sie schaffen vielleicht die emotionalen Voraussetzungen, indem in aller persönlichen Verstrickung doch gefühlt werden darf, dass man von Fürsorge umgeben ist. Der Durchbruch aber, die Befreiung muss immer ein Schritt sein, ein Befreiungsschlag, der nur sich selber gilt – und er ist unter Umständen genau dann erst möglich, wenn sich die Chance ergibt, auf neutralem Terrain anderen Ansichten Recht zu geben.

Am Ende ist es doch einerlei nicht wahr? Die wirklichen Freunde werden sich einfach glücklich zeigen, dass neues Licht und neue Wärme eine Stube erreicht, in der sie selbst so gerne sitzen.