Notiz: Noch ein Foto?
Nicht erst seit Facebook oder Portalen wie tillate.ch ist klar: Die Menschen sind ganz wild darauf, abgelichtet zu werden. Vorzugsweise im Glanz bekannter Persönlichkeiten. Wenn ich da an Adolf Ogi denke, dann weiss ich zwar nicht so ganz genau, worin die Auszeichnung liegt, mit ihm auf einem Bild verewigt zu werden, weil er durchaus auch mal ungefragt seinen Bürgern die Arme auf die Schultern legen konnte, ganz volksnah eben. Es könnte sein, dass es geradezu eine Kunst war, NICHT auf einem Bild mit ihm zu sein, wenn man den Mann näher als 10m um sich hatte: Viele “Persönlichkeiten” haben ständig die Antennen ausgefahren, wo und wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentieren können – und die Art “Verehrung”, die man jedem Abklatsch von Glamour heute engegen bringt, spricht nicht unbedingt gegen diese Haltung, womit ich Ogi nicht Unrecht tun will: Er verkörperte ja durchaus mehr als ein Abziehbild.
Dennoch: Je erwachsener die Menschen sein wollen, um so peinlicher kann das ganze Gehabe, finde ich, allerdings werden, und ich wundere mich immer ein wenig über die Bereitschaft, mit der sich honorig sein wollende Menschen z.B. nach einem Tennismatch neben die Protagonisten stellen, um das Erinnerungsfoto mit dem Sieger zu erhaschen – Häuptling sonnt sich unter Häuptlingen – oder wie?
Andere Länder andere Sitten. In Frankreich fällt immer wieder auf, dass dieser Auswuchs noch ein bisschen ausgeprägter ist – und die Regisseure bei Sportübertragungen jede Unterbrechung dazu nutzen, irgend ein bekanntes Gesicht ins Bild zu rücken. So bestätigen sich Event und Person immer wieder gegenseitig ihre Wichtigkeit.
Die mediale Präsenz, die z.B. der Präsident des französischen Tennisverbandes, Jean Gachassin (ein schönes Bildbeispiel gibt es hier) dabei geniesst, ist schon fast grottesk. Aber vielleicht liegt die Souveränität einer Grande Nation ja tatsächlich darin, dass sie genügend Selbstbewusstsein für den grellen Spot auf den eigenen Bauchnabel ausstrahlt… Sprichwörtlich.
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