Mein Schreiben. Täglich.

Teilen Sie mit mir unbeschwerte und schwere Gedanken in Prosa oder Lyrik und versuchen Sie, Grau in Blau zu verwandeln - unter welchem Himmel auch immer.

Mir fällt das oft selbst schwer genug...


Nicht wirklich das Wir-Gefühl...

∞  16 September 2009, 19:27

Bald ist es wieder so weit. Wäre da nicht Berlin, auf das ich mich freue, so müsste ich ungeschminkt sagen: Mir stinkt´s: Ein Messebesuch in einem Marktsegment, für das ich mich nie so richtig erwärmen konnte: Eine relativ kleine, überschaubare Welt, ein Produktsegment, das in sich weiss Gott keine Statussymbole bereit hält – vielleicht generiert das eben diese spezielle Art Egos, die gar nicht anders können, als zu bluffen – um nicht zu sagen, schamlos zu lügen, damit ein bisschen Trickserei da und dort einen kleinen Vorteil bringen mag und etwas Glanz.
Ich bin in meiner Verkäuferlaufbahn nie so viel angelogen worden, wie in diesen Kreisen.

Und Verkäufer mögen generell viel reden, und nicht zuletzt über sich selbst (siehe dieses Blog…) – aber in dieser flachen Tonlage und Opulenz, wenn es um die eigenen Verdienste geht, ist das alles einfach nur ermüdend.
Und nun, da ich, weil persönlich unabhängiger, die Messe nicht besuchen müsste, wollte ich nicht einfach am Ball bleiben und allfällige Produktinnovationen nicht verpassen, fällt mir das alles einfach mehr auf. Von Jahr zu Jahr noch ein bisschen mehr.
Das beginnt immer schon mit dem Hinflug. Wir machen es eigentlich alle genau gleich:
Wenn man sich die Zeit dafür nehmen kann, fliegt man am Wochenende zuvor nach Berlin und hängt die Messe an, oder man macht es umgekehrt. Berlin ist eben definitiv eine Reise wert. Und eigentlich ist das doch jedem zu gönnen, nicht wahr? Aber ich treffe jedes Jahr auf dem Bomber ein paar Typen, die im Smalltalk meinen: “Grüezi Herr Thinkabout, Sie auch hier? Das ist aber schön.”
Das heisst so viel wie: “Warum sind Sie eigentlich auch (noch) hier? Sie sind doch weg vom Fenster – und wie können Sie sich das überhaupt leisten?”

Meist sind es die vermeintlichen Kühlerfiguren grösserer Firmen, denen Neid (und innere Unsicherheit) so am mentalen Rüstzeug nagen wie Motten im dunklen Schrank am Anzug. Eigentlich ist es nur peinlich und mir könnte das alles herzlich egal sein. So langsam kriege ich ja auch Distanz. Aber die kann ich nicht aufrecht erhalten, wenn sich diese spezielle Masse am Gate auf das Boarding-Gatter zu bewegt… Dabei neige ich dazu, egal, ob ich allein oder in der Gruppe reise, später davon zu erzählen, was “wir” erleben, denn Reisen ist ein Fest für mich, und ich brauche nur das körperliche Gefühl eines fahrenden Zuges oder eines Flugzeugs, um mich problemlos als Teil einer glücklichen Gemeinschaft zu verstehen, die hoffentlich weiss, was ihr gegönnt wird, dass sie solche Unternehmungen durchführen kann.
Eben. Und genau das, unterstelle ich vielen meiner früheren engen Kollegen, bringen diese nicht mit an Bord. Und so ärgere ich mich in diesen Fällen eher mal darüber, dass “wir” nach Berlin fliegen. Da wäre mir das Leichtflugzeug mit Single-Sitz fast lieber. Fast. Denn so weit gehen die Aversionen dann doch nicht. Sind ja alles nur kleine Menschlein, die versuchen, ihren Selbstwert zu erhalten oder zu erfinden – und damit nicht gar so weit weg von mir.

Also freue ich mich jetzt auf MEINE Reise und darauf, dass ICH fliege. Hoffentlich sitzt ein ganz bestimmter Herr nicht neben mir… aber sonst? Hab´ich doch alle lieb. Zumindest fällt mir das leichter, wenn ich mir vorstelle, dass sie genau das auf den Tod nicht ausstehen können.
Nichts schmerzt misslaunige neidische Menschen mehr als die Freundlichkeit der Angefeindeten…