Messeroutinen - der tote letzte Tag
Deutschland ist das bedeutendste Messeland der Welt, habe ich gelesen. Nirgends werden so viele Publikums- und Fachmessen durchgeführt wie in Deutschland. Egal ob Autos, Bücher, IT – in Deutschland wird präsentiert, verkauft und eingekauft. Auch auf der Ambiente, DER Haushaltwarenmesse des Jahres. Und auch sie ist zu lang.

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Die Ambiente dauert fünf Tage. Viele Aussteller geben in ihren Feedbacks am Ende der Messen immer wieder die gleichen Schlussfolgerungen in ihren Beurteilungen zum Besten: Fünf Tage sind zu lang. Doch die Messegesellschaft operiert aus einer Position der Stärke: Die Messe hat zu wenig Konkurrenz, viele Firmen können es sich schlicht nicht leisten, aus Kostengründen fern zu bleiben. Der Marktplatz Ambiente ist zwar nicht unbedingt der Ort, wo Aufträge geschrieben werden, zumindest nicht in vielen Sparten, aber es ist DIE Kontaktbörse, auf der viele Unternehmen die Entwicklung neuer Kundenbeziehungen übers Jahr danach aufbauen. Und die Kürzung der Messe um einen Tag würde per Milchbüchlein einen Fünftel weniger Einnahmen für die Ambiente bedeuten. Also hält man bis Dienstag durch – obwohl man Besuchern ehrlich raten muss, den Dienstag zu meiden: Sie werden an vielen Ständen auf äusserst beschränkt motiviertes Ausstellerpersonal treffen. Die Batterien sind leer, die Dynamik ist weg, der Abräumtermin am gleichen Abend naht.
Als Besucher hat man an gewissen Ständen schon um die Mittagszeit das Gefühl, eher zu stören, statt die Assoziation zu erzeugen, man könnte zum Auftraggeber werden. Irgendwie kommt der Tag gar nie ins Rollen. Entsprechend häufig erlebt man es, dass schon in den frühen Nachmittagsstunden die ersten braunen Transportkartons auftauchen und erste Aufbauten abgeräumt werden. Das führt zwar zu einer Notiz des Hallenmeisters – und danach zu einem Brief nach der Messe durch die Messeleitung: Wird der Stand nicht bis zum Messe-Ende unverändert belassen, droht nach einer Verwarnung der Verlust der Standortgarantie, und man wird an die Peripherie versetzt.
Es ist dieses alte Spiel zwischen Vermieter und Mieter, mit dem Unterschied, dass auf einer Messe der Vermieter mit bestimmt, wie Dein Schaufenster auszusehen hat (auf jeden Fall nicht leer). Natürlich lässt sich das nachvollziehen. Es ist aber auch nicht unbedingt das Ziel, dass man als Besucher nachmittags um zwei an einem potzblitz auf Hochglanz getrimmten Stand zwar die Produkte antrifft, aber weit und breit kein Personal. Auch das gibt es und habe ich selbst erlebt. Was setzt sich am Ende durch? Die Messeleitung, die fünf Tagessätze verkaufen will, oder die Macht des Faktischen, dass dieser fünfte Tag – zumindest für einige Branchen – ein verlorener ist? Wahrscheinlich müsste der Druck von den Besuchern kommen: Wenn die klar machen, dass der Dienstag für sie uninteressant geworden ist und sie noch stärker ausbleiben, dann werden die Kosten für die Infrastruktur für die Messeleitung zu hoch. Ansonsten wird sich nichts ändern.
Es dürften wieder viele Briefe geschrieben werden…
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