Meine Sprache finden und sprechen lernen
Man kann doch für 40 weitere Jahre seines Lebens nicht ohne konkrete Ziele sein?
Vielleicht nicht. Aber man kann wohl seine Ziele auf den einzelnen Tag niederbrechen und sagen:
Ich will mich üben in meinem Tun, jeden Tag. Was daraus wird, mag sich finden.
Dieses Nichtwissen, das fehlende Planen, das Schwimmen im Ozean der eigenen Fragen zu Talent, Berufung, Motivation, es ist Qual aber auch Quelle der Demut. Das Handwerk kann Trost sein und Freude schenken.
Was ist die Sprache doch für ein schönes Instrument! Und mir kommt es vor, als müsste auch sie gestimmt werden, wie die Saiten einer Violine.
Es gibt zudem Sätze, die geradezu nach einem bestimmten Klang verlangen, die man gar nicht laut oder hart sprechen kann, die Wärme spenden oder Zorn übersetzen. Ja, Sprache ist wie Musik eine Übersetzerin des menschlichen Gemüts. Sie kann gewaltig toben und vollendet gütig besänftigen.
Sprache ist Begegnung. Leben.
Bild: Carl Spitzweg, “Der Schreiber”
