Mein neuer Bammel
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Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich Bammel vor dem Älterwerden. Natürlich habe ich schon öfters meine Vernunft bemüht, wenn ich mir überlegt habe, was wir selbst an Vorkehrungen treffen können, dass unser vierter Lebensabschnitt würdevoll und erträglich gestaltet werden kann. Wie viele andere und mit mehr “Grund” als andere können wir zwar anfügen, dass das nun noch reichlich Zeit hat, und dennoch: Schon dieser Gedanke ist Anmassung.
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Denn es gibt keine, wirklich keine Garantie. Es gibt nur 80% der Lebensläufe, in denen zu spät auf schwächere körperliche Konstitutionen reagiert wird, so dass das angestammte Leben erst zur erdrückenden Last wird, bevor man seine Lasten verkleinert.
Aber wenn die Konstitution fehlt, wenn das Alter die Menschen in die Stühle zwingt oder gar ins Bett, wie ist es dann zu leben? Warum wollen wir eigentlich alle so alt werden?
Oder: Man versuche mal, eine Patientenverfügung zu formulieren – und erlaube, dass man ihm ein paar Fragen dazu stellt. Wir werden merken, wie schwierig es ist, uns selbst auf die Schliche zu kommen: Wie sehr wollen wir wohl selbst leben, weiter leben, und wie sehr fürchten wir die Abhängigkeit von Schläuchen und Maschinen, so dass wir tatsächlich sagen und unterschreiben mögen, wie viel wir wirklich nicht wollen.
Und: Es ist ein riesiger Unterschied, ob wir verfügen, was wir “nicht mehr” wollen, weil wir schon in bestimmtem Ausmass leiden und “es müde sind”, oder ob wir – wie ich jetzt – diese Situation vorwegnehmen wollen, indem wir mit “was wäre wenn” – Überlegungen sicher gehen möchten, dass wir respektiert werden und Lebenserhaltung in unserem Sinn betrieben wird.
Es gibt sowohl in einer akuten Krankheit wie beim simplen Altwerden so viele mögliche Konstellationen, in denen sich der Mensch am Ende in einer trostlosen Situation wiederfinden kann – wie wollen wir je annehmen, dass gerade uns das nicht aufgebürdet wird?
Und auch dies ist wohl eine unlösbare Frage: Wie empfindet der kranke Mensch seinen Zustand wirklich? Was mir selbst unangenehm vorkommt, was unwürdig – ist das für den Kranken das gleiche? Wie kann ich einen einzigen Gedanken so denken, wie es der Kranke tun mag? Wie kann ich empfinden, was er empfindet? Wie verstehe ich richtig, wie mühsam ein Leben wirklich geworden ist, und wie viel davon einfach ein Klagen ist, das ebenfalls zu einer Art Alltag wird – so, wie wir übers Wetter schimpfen?
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