Mehr Schieflagen als Krisen?
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Finanzkrise, Schuldenkrise, Rezessionsgefahr, Inflationsangst. Arbeitslosigkeit, Rentenkürzungen. Die Nachrichtenlage ist eine Aneinanderreihung von wirtschaftlichen Bad-News. Aber wie “geht” es uns wirklich?
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Natürlich weiss ich das auch nicht. Sicher ist nur eines: Noch nie machten wir uns so viel Kummer, während es “uns”, also der Gesellschaft als Ganzes, so gut ging. Was wir uns leisten “können” ist eine ganze Menge. Zum Standard unseres Alltags und zur Selbstverständlichkeit unserer Freizeit gehören heute Dinge, die vor kurzer Zeit noch Luxus waren. Wir erhöhen beständig den Grad unserer Konsummöglichkeiten. Noch immer wächst die Zahl jener, die sich in ihren Lebensumständen verbessern können, aber die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern scheint sich langsam aber stetig zu öffnen.
Die Konsumgüterindustrie [1] meldet gerade – entgegen der wirtschaftlichen Trübung – mehr Gewinn und Umsatz. Deutschland versucht in Indien, Indonesien und Vietnam händeringend, Fachkräften die Arbeit in Deutschland schmackhaft zu machen, während Innenminister Friedrich den Asylbewerberstrom aus dem Balkan eindämmen will [2].
Die Stimmung unter uns Menschen ist nicht gut. Es sieht so aus, dass wir ein feines Gespür dafür haben, dass unser Gigantismus Abfederungsmechanismen erlaubt, welche den Ausbruch der ganz grossen Krise einfach aufschieben, aber kaum verhindern können. Denn wir zeigen keinen wirklichen Willen zur Veränderung. Es sind allenfalls Wünsche, es möge Vernunft einkehren – die spätestens beim nächsten eigenen Konsumentscheid wieder vergessen gehen.
Nachhaltigkeit ist kein Geschäftsmodell, allenfalls eine PR-Aktion. Wir unterwerfen uns alle dem Zwang, weiter zu wachsen, um die Schulden zu stemmen, die wir in allen Zeiten zusätzlich angehäuft haben.
Wie soll es denn auch anders funktionieren? Auf der ganzen Welt steigen die Schulden – und nirgends lautet das Rezept dafür höhere Steuern, es sei denn, die Katastrophe ist schon herein gebrochen.
Es werden Rückleistungen des Staates gekappt, durch Rentenkürzungen, Personalabbau, Gehälterstopp. Die Erhöhung der Leistungsabgaben aber, also der Steuern, ist nie ein Thema, weil immer das Gegenargument verfängt, damit an “Wettbewerbsfähigkeit” einzubüssen. Ein Wettbewerb, der nie halt macht und dazu führt, dass in einem boomenden Markt eine Nummer drei oder vier früher oder später in Schwierigkeiten kommt, weil sie in einem aberwitzigen Rennen zu wenig mehr verdient als andere und den Liebesentzug der Anleger erfährt.
Wieviele Handy-Hersteller gibt es denn heute noch? Und wie viele Produktionsstätten für diese Dinger?
Entschleunigung. Sie haben dieses Wort auch schon gehört. Aber es bleibt nur ein esoterisches Thema für das Wohlfühl-Gespräch beim Wellness-Wochenende. Wo man dann düster darüber sinnieren mag, ob man sich das weiter wird leisten können?
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[1]: Höherer Gewinn: Konsumgüter-Giganten trotzen der Flaute
[2]: Asylbewerber: Friedrich will Zustrom aus dem Balkan eindämmen
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